Freiburger Nachrichten, 11. Oktober 1965: Politik am Wochenende (Indonesien)
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Query hit: Gerwani
Politik am Wochenende
Generalstreik in Südvietnam
Der Vietcong hat an alle Südvietnamesen den Aufruf zu einem Generalstreik während einer Stunde am 15. Oktober erlassen. Ferner forderte die kommunistische Rebellenorganisation die Bewohner Südvietnams auf, von diesem Datum an mit einem « Monat des Hasses » gegen die Amerikaner zu beginnen. In dem von Radio Hanoi ausgestrahlten und von Radio Tokio abgehörten Appell fordert der Vietcong die Südvietnamesen auf, die Städte und Dörfer in Niemandsland umzuwandeln und die Verbindungslinien der südvietnamesischen und amerikanischen Truppen abzuschneiden. Wörtlich heißt es: « Ihr werdet euch der Revolutionsarmee anschließen und eine politische Offensive auf breiter Basis starten, um den Feind zu zwingen, seine Massaker einzustellen und mit der Evakuierung Südvietnams aufzuhören. » Im Aufruf wird präzisiert, daß der 15. Oktober als Datum gewählt worden sei, um den ersten Jahrestag der Hinrichtung Nguyen Van Chois in Saigon zu begehen, der den amerikanischen Verteidigungsminister McNamara ermorden wollte.
Mehr als 31 Millionen Flugblätter
Seit vergangenem April haben Amerikaner und Südvietnamesen im Zuge einer verstärkten psychologischen Kriegsführung über Nordvietnam mehr als 31 Millionen Flugblätter abgeworfen. Bisher wurden 30 verschiedene Sorten Flugblätter verwendet, von der einfachen Warnung, sich von den Militärzielen fernzuhalten, zur zeitungsähnlichen Schrift, von den Reden Johnsons und südvietnamesischer Führer bis zu den Bildern vom täglichen Leben in Südvietnam oder der in Nordvietnam erfolgten Zerstörungen.
Gesucht: eine neue Regierung
In Bonn begann eine zehnköpfige Verhandlungskommission der CDU/CSU unter dem Vorsitz von Ludwig Erhard mit den Beratungen für die Neubildung der Bundesregierung. Bis die neue Regierung gebildet ist, muß Ludwig Erhard (unser Bild) noch manche harte Nuß knacken.
Manifestationen in Mitteljava
Radio Surabaya berichtete, daß in Malang (Mitteljava) seit mehreren Tagen Tausende von Personen gegen die Urheber des mißlungenen Staatsstreiches demonstrieren und verlangen, daß sie unverzüglich bestraft werden. Malang war im Laufe des letzten Monats Schauplatz heftiger Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Muselmanen. In Singapur wird ferner zur Kenntnis genommen, daß Radio Dschakarta seine Vorrangstellung eingebüßt zu haben scheint. Die anderen indonesischen Sender, die zu gewissen Tageszeiten auf der gleichen Wellenlänge senden wie Radio Dschakarta, strahlen nun ihre eigenen Nachrichtenbulletins aus, namentlich auch die Tagesbefehle der lokalen Militärkommandanten. Radio Dschakarta verbreitete am Sonntag einen Appell des Armeekommandos, in welchem die Händler von Dschakarta vor einer Erhöhung der Lebensmittelpreise gewarnt und darauf aufmerksam gemacht werden, daß jene, die diese Warnung nicht berücksichtigen, Strafen zu gewärtigen haben.
Moslems plündern Wohnungen von Kommunistenführern
Die muselmanische Zeitung « Mimbar Revolusi » berichtete, daß die Wohnungen des Chefs der kommunistischen Partei Indonesiens, Dipa Nusantara Aidit, sowie seines Stellvertreters Njoto, der einen Ministerposten innehat, von muselmanischen Demonstranten geplündert worden seien. Die Manifestanten verwüsteten ferner den Sitz der Organisation kommunistischer Frauen (Gerwani). In der Wohnung Aidits soll neben wichtigen Dokumenten eine Summe von einer Milliarde Rupien gefunden worden sein, während im Heim Njotos ein blutbeflecktes und von Kugeln durchlöchertes Hemd entdeckt wurde.
Johnson unterschrieb Gesetz
Präsident Johnson unterzeichnete das Gesetz über die Bekämpfung der Armut, das im nächsten Fiskaljahr Ausgaben von 1,5 Milliarden Dollar vorsieht. In einer Erklärung versicherte Johnson, die USA würden bis zum Endsieg gegen Krankheit, Armut, fehlenden Unterricht und Rassendiskriminierung kämpfen. Einem am späten Samstagabend herausgegebenen ärztlichen Bulletin war zu entnehmen, daß der Präsident sich von seiner Operation sehr befriedigend erhole.
Flucht mit einem Autobus nach der Bundesrepublik
Mit einem Autobus durchbrach ein Flüchtling aus der deutschen Sowjetzone auf der Interzonen-Autobahn Berlin-Hannover die Barrieren der Demarkations-Linie und erreichte unter heftigem Beschuß westdeutsches Gebiet. Wie die westdeutschen Grenzbehörden hier mitteilten, war der bis auf den Mann am Steuer leere Autobus etwa zwei Stunden nach Mitternacht durch zwei geschlossene Schranken des Sowjetzonenkontrollpunktes Marienborn nach Niedersachsen gerast. Grenzposten der deutschen Sowjetzone gaben mit ihren Maschinenpistolen Einzel- und Dauerfeuer. Der 32 Jahre alte Flüchtling, der bei seinem tollkühnen Unternehmen einen Kniedurchschuß erhielt, wurde sofort im Krankenhaus von Helmstedt operiert. Nach Berichten von Reisenden, die die Flucht beobachtet haben, soll der Fahrer am Kontrollpunkt Marienborn einen Sowjetzonen-
English translation
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Query hit: Gerwani
Politics at the weekend
[Other article: General strike in South Vietnam (Vietcong appeal) – not translated]
[Other article: More than 31 million leaflets (US psychological warfare over North Vietnam) – not translated]
[Other article: Wanted: a new government (CDU/CSU talks under Ludwig Erhard, Bonn) – not translated]
Demonstrations in Central Java
Radio Surabaya reported that in Malang (Central [sic] Java) thousands of people have been demonstrating for several days against the instigators of the failed coup and demanding that they be punished immediately. In recent months Malang was the scene of violent clashes between Communists and Muslims. In Singapore it is also noted that Radio Djakarta appears to have lost its pre-eminent position. The other Indonesian stations, which at certain times of day broadcast on the same wavelength as Radio Djakarta, now transmit their own news bulletins, notably the orders of the day of the local military commanders. On Sunday Radio Djakarta broadcast an appeal from the Army command warning Djakarta traders against raising food prices and pointing out that those who ignore this warning face penalties.
Muslims plunder homes of Communist leaders
The Muslim newspaper "Mimbar Revolusi" reported that the homes of the chairman of the Communist Party of Indonesia, Dipa Nusantara Aidit, and of his deputy Njoto, who holds a ministerial post, had been plundered by Muslim demonstrators. The demonstrators also devastated the headquarters of the organisation of Communist women (Gerwani). In Aidit's home, besides important documents, a sum of one billion rupiah is said to have been found, while in Njoto's home a blood-stained shirt riddled with bullets was discovered.
[Other article: Johnson signed law (anti-poverty programme) – not translated]
[Other article: Escape by bus to the Federal Republic (Marienborn checkpoint) – not translated]