Neues Deutschland, 1 Februar 1949, S. 1: Gebt Indonesien den Frieden!
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Text
Neues Deutschland, 1 Februar 1949, S. 1: Gebt Indonesien den Frieden!
Berliner Ausgabe
Seite 2: Mit Max Reimann für ein ungeteiltes Deutschland
ZENTRALORGAN DER SOZIALISTISCHEN EINHEITSPARTEI DEUTSCHLANDS
4. Jahrgang / Nr. 26
Berlin, Dienstag, 1. Februar 1949
Einzelpreis 15 Pf.
Stalin stellt die Westmächte vor die Notwendigkeit, eine klare Antwort zu geben
Das Interview Stalins mit Kingsbury Smith
Moskau, 31. Jan. (ADN). J. W. Stalin hat vier Fragen beantwortet, die er am 27. Januar 1949 vom europäischen Generaldirektor der Nachrichtenagentur International News Service, Kingsbury Smith, erhalten hat.
Erste Frage: Wird die Regierung der UdSSR bereit sein, die Frage der Veröffentlichung einer gemeinsam mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika abzugebenden Erklärung zu erörtern, die bestätigt, daß weder die eine noch die andere Regierung die Absicht hat, sich auf einen Krieg gegeneinander einzulassen?
Antwort: Die Sowjetregierung wäre bereit, die Frage der Veröffentlichung einer derartigen Deklaration zu erörtern.
Zweite Frage: Wird die Regierung der UdSSR bereit sein, gemeinsam mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika Maßnahmen durchzuführen, die auf die Verwirklichung dieses Friedenspaktes gerichtet sind, wie zum Beispiel eine allmähliche Abrüstung?
Antwort: Selbstverständlich könnte die Regierung der UdSSR mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zusammenarbeiten bei der Durchführung von Maßnahmen, die auf die Verwirklichung des Friedenspaktes gerichtet sind und zu einer allmählichen Abrüstung führen.
Dritte Frage: Wenn die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und Frankreichs ihre Zustimmung geben, die Gründung des separaten westdeutschen Staates bis zur Einberufung einer Tagung des Außenministerrates zu verschieben, die der Erörterung des deutschen Problems im ganzen gewidmet ist, wird die Regierung der UdSSR dann bereit sein, die Beschränkungen aufzuheben, die von den Sowjetbehörden bezüglich der Kommunikation zwischen Berlin und den Westzonen Deutschlands eingeführt wurden?
Antwort: Falls die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und Frankreich die Bedingungen beachten, die in der dritten Frage dargelegt wurden, sieht die Sowjetregierung keine Hindernisse für die Aufhebung der Transportbeschränkungen, aber unter der Bedingung, daß gleichzeitig die Transport- und Handelsbeschränkungen aufgehoben werden, die von den drei Mächten eingeführt wurden.
Vierte Frage: Werden Sie, Euer Exzellenz, bereit sein, eine Begegnung mit Präsident Truman an irgendeinem für beide annehmbaren Ort zu haben, um die Möglichkeiten des Abschlusses eines derartigen Friedenspaktes zu erörtern?
Antwort: Ich habe auch schon früher erklärt, daß es gegen eine Begegnung keine Einwendungen gibt.
Das Weltecho zum Stalin-Interview
London, 31. Jan. (ADN). Die von dem Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR, J. W. Stalin, angeschnittenen Probleme werden Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen den Regierungen der drei Westmächte sein, verlautete am Montag aus amtlicher britischer Quelle.
Paris, 31. Jan. (ADN). Die Erklärung J. W. Stalins sei in Pariser politischen Kreisen mit Genugtuung aufgenommen worden, heißt es in einer Meldung des Reuter-Korrespondenten in der französischen Hauptstadt. Die Erklärung stelle ein Mittel dar, das geeignet sei, die Spannung der derzeitigen internationalen Lage zu vermindern.
Washington, 31. Jan. (ADN). Die Erklärungen J. W. Stalins seien Präsident Truman unverzüglich zur Kenntnis gebracht worden, verlautet in unterrichteten Kreisen der amerikanischen Bundeshauptstadt. Die Erklärungen J. W. Stalins würden von der USA-Regierung als wichtig angesehen und verdienten sorgfältigste Prüfung. Die Erklärungen Stalins stellten ein wichtiges Ereignis im internationalen Geschehen dar, erklärte der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Connally; es sei möglich, daß mit ihrer Hilfe Mittel und Wege gefunden würden, um den Frieden zu erhalten und zu einer Verständigung zu gelangen. Die Erklärungen J. W. Stalins würden bei denen eine gute Aufnahme finden, die den Wunsch haben, den Weltfrieden zu bewahren und die internationale Zusammenarbeit zu fördern. Senator George, ein Mitglied des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, erklärte zum Stalin-Interview unter anderem, es sei der Mühe wert, die Erklärungen J. W. Stalins zu studieren. Vielleicht könne man in ihnen einen Fortschritt hinsichtlich der Abfassung einer Erklärung entdecken, mit deren Hilfe die Völker der USA, der Sowjetunion und die Menschen aller anderen Länder beruhigt werden könnten.
Zilliacus fordert Zusammenarbeit
London, 31. Jan. (ADN). Nur durch Rückkehr zu den Prinzipien des Potsdamer Abkommens und durch Viermächteverhandlungen könnten die Großmächte aus der Sackgasse herauskommen, in die sie in der Berliner Frage geraten seien, erklärte der britische Labourabgeordnete Zilliacus in einer Rede in Lancashire. Die unheilvollen Versuche einer Teilung Deutschlands müßten aufgegeben werden. In seinen weiteren Ausführungen wies Zilliacus darauf hin, daß die Probleme des Fernen und des Nahen Ostens nur durch eine gemeinsame Politik der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten und der anderen direkt interessierten Mächte durch Vermittlung der UN gelöst werden könnten. Alle amerikanischen und britischen Versuche, diese Probleme unter Ausschaltung der Sowjetunion zu lösen, seien, so betonte der Labourabgeordnete, kürzlich gescheitert. Die Niederlage der britischen Regierung in Palästina sei symptomatisch für den allgemeinen Bankrott der anglo-amerikanischen Politik.
Den Haag, 31. Jan. (SNB). Die liberale Zeitung „Algemeen Dagblad“ bringt den vollständigen Text der Antworten und hebt jene Stellen hervor, in denen gesagt wird, Stalin erhebe keine Einwände gegen eine Zusammenkunft mit Truman zur Ausarbeitung eines Friedenspaktes. Die der Regierung nahestehende Zeitung „De Volkskrant“ bringt auf der ersten Seite die Antworten Stalins unter der Schlagzeile: „Erklärung Stalins – Die Sowjetunion ist bereit zum Abschluß eines Friedenspaktes“.
Stockholm, 31. Jan. (ADN). Stalin habe erneut seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit, zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit der Völker bekräftigt, schreibt die Zeitung „Ny Dag“ in einem Kommentar zum Stalin-Interview. Die Stockholmer Zeitung „Tidningen“ veröffentlicht die Erklärungen Stalins unter der Überschrift „Stalin ist bereit, mit Truman zusammenzutreffen, um die Berliner Frage zu erörtern“. Das Blatt unterstreicht, daß die Sowjetregierung bereit ist, mit den USA einen Friedenspakt abzuschließen.
Sidney, 31. Jan. (ADN). In den Kommentaren der Sidneyer Zeitungen wird betont, daß die Erklärung Stalins, in der er die Bereitschaft der Sowjetunion zum Abschluß eines Friedenspaktes mit den USA zum Ausdruck brachte, einen wichtigen, praktischen Schritt darstelle. Es wird hervorgehoben, daß sowohl die Regierungen der Sowjetunion als auch der USA nicht die Absicht haben, gegeneinander Krieg zu führen.
ERP-Gelder für reaktionäre Propaganda
New York, 31. Jan. (ADN). Zwischen der Marshall-Plan-Verwaltung und den amerikanischen Zeitschriften „Time“ und „Reader's Digest“ und dem nationalen Verband für Kinematographie, der sich mit dem Export von Filmen nach Deutschland befaßt, wurde ein Vertrag abgeschlossen, wonach diesen Unternehmen Marshall-Plan-Gelder zur Verfügung gestellt werden, teilte der Marshall-Plan-Administrator Hoffman mit. Die Gelder sollen dafür verwendet werden, den genannten Zeitschriften und dem Filmverband eine möglichst große Verbreitung ihrer Erzeugnisse in den Marshall-Plan-Ländern zu ermöglichen.
Sippenhaft in Malaya
Bombay, 31. Jan. (ADN). Die Verhaftung der Familien eingewanderter Chinesen, die in den Reihen der malaiischen Freiheitsbewegung stehen, hat der britische Hohe Kommissar für Malaya, McDonald, angeordnet. Die Verhafteten sollen den Polizeiorganen der chinesischen Kuomintang-Regierung ausgeliefert werden. Auf Grund dieser Anordnung sind bereits über 500 Chinesen, hauptsächlich Greise, Frauen und Kinder, verhaftet worden.
Athener Niederlage
Athen, 31. Jan. (ADN). Einheiten der griechischen demokratischen Armee haben im Verlauf ihrer Operationen in Thessalien die im Gebiet von Karditza gelegenen Dörfer Coti, Paleokastro, Sika und Preieri eingenommen, wie in einem Communiqué des Hauptquartiers der Markos-Armee bekanntgegeben wurde.
... und ihre Beantwortung
Athen, 31. Jan. (ADN). Ein Militärgericht der Athener Regierung in Saloniki hat neun Mitglieder einer demokratischen Jugendorganisation zum Tode verurteilt. Fünf weitere Angeklagte wurden zu Zuchthausstrafen verurteilt, davon zwei zu lebenslänglicher Haft.
Volksrichterwahlen in der UdSSR
Moskau, 31. Jan. (ADN). In 20 autonomen Republiken und Gebieten der Sowjetunion sind die Wahlen der Volksrichter und Geschworenen abgeschlossen. 30 bis 40 Prozent der bisher gewählten Richter sind Frauen. Bei den Geschworenen ist der Prozentsatz der Frauen noch höher.
Neue Eisenbahnverbindung Polen–CSR
Warschau, 31. Jan. (ADN). Eine neue Eisenbahnlinie, die Polen mit der Tschechoslowakei verbindet, soll am 1. Mai in Betrieb genommen werden. Vertreter der polnischen und tschechoslowakischen Eisenbahnen trafen in Friedland (Polen) zusammen, um über die technische Vorbereitung zur Aufnahme des Bahnverkehrs auf der Strecke Liberec–Friedland–Zawidow–Szczecin zu verhandeln.
Volksdemokratische Zusammenarbeit
Budapest, 31. Jan. (ADN). Einen Vertrag über den Austausch von Rundfunkprogrammen hat der ungarische Rundfunk mit den Sendestationen der Sowjetunion und den Ländern der Volksdemokratie abgeschlossen. Beabsichtigt ist der Austausch von politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und musikalischen Programmen.
Jubelnder Empfang in Peiping
Peiping, 31. Jan. (ADN). Die chinesische demokratische Volksarmee wurde bei ihrem Einzug in Peiping von den Einwohnern jubelnd begrüßt. Am Westtor der Stadt hatte sich eine unübersehbare Volksmenge eingefunden, um die Befreier zu empfangen. Den demokratischen Einheiten, die in vorbildlicher Ordnung unter dem Klang volkstümlicher chinesischer Musik in die ehemalige Kaiserstadt einrückten, folgten zahlreiche Bauern und Arbeiter aus der weiteren Umgebung der Stadt. Die Straßen hallten wider von Hochrufen auf Mao Tse Tung und Schmähungen gegen Tschiangkaischek und das verhaßte Kuomintang-Regime.
Nanking, 31. Jan. (ADN). Die Kuomintang-Regierung hat die von der Kommunistischen Partei Chinas geforderte Festnahme Tschiangkaischeks und der anderen auf der Kriegsverbrecherliste aufgeführten Kuomintang-Politiker abgelehnt, wurde am Montag in Nanking offiziell bekanntgegeben. Die Forderung auf Auslieferung der Kriegsverbrecher war am Sonnabend von einem Rundfunksprecher der Kommunistischen Partei als Hauptbedingung für die Aufnahme der von der Kuomintang-Regierung erbetenen Friedensverhandlungen bezeichnet worden.
Betrügerische Friedensmanöver
Nanking, 31. Jan. (ADN). Marschall Li Chi Tsen, der Führer der in Hongkong im Exil lebenden Kuomintang-Oppositionellen, forderte das chinesische Volk über den demokratischen Rundfunk auf, für die Verwirklichung der acht Friedensbedingungen Mao Tse Tungs zu kämpfen, da diese allein die Grundlage eines wirklichen Friedens darstellten. Die Friedensmanöver und Winkelzüge der Kuomintangregierung bezeichnete Li Chi Tsen als einen vom USA-Imperialismus angestifteten riesigen Betrug, vor dem er das chinesische Volk warnte.
Nazis werden Landsknechte
Den Haag, 31. Jan. (ADN). Niederländische Nazis, die nach Kriegsende wegen ihrer Verbrechen interniert wurden, sollen jetzt, wie holländische Zeitungen berichten, als Landsknechte nach Indonesien geschickt werden. Die Regierung Drees bereitet die Entsendung derartiger Truppenkontingente vor.
Vatikan stellt Hetzsendungen ein
Rom, 31. Jan. (ADN). Der Rundfunksender des Vatikans, der die Verhaftung Kardinal Mindszentys zum Anlaß nahm, seit Wochen heftige Angriffe gegen die ungarische Regierung zu erheben, hat einer Meldung der Zeitung „Unità“ zufolge diese Hetzsendungen plötzlich eingestellt. Die von der ungarischen Regierung veröffentlichten Dokumente, schreibt das Blatt in diesem Zusammenhang, seien so überzeugend, daß auch der größte Zweifler gezwungen werde, ihnen Glauben zu schenken.
Zwei Arten der Prozeßführung
Budapest, 31. Jan. (ADN). Der Sender Budapest nahm zu dem Prozeß gegen Max Reimann, den Vorsitzenden der KPD, Stellung und verglich ihn mit den Gegebenheiten des ebenfalls bevorstehenden Mindszenty-Prozesses. Reimann werde in der britischen Besatzungszone Deutschlands vor ein Gericht gestellt, weil er es wagte, sich für das Wohlergehen der werktätigen Massen einzusetzen, und gegen die Pläne derer kämpft, die einen neuen Krieg vorbereiten. Die britischen Besatzungsbehörden hätten es abgelehnt, einen Korrespondenten der „Prawda“ zu dem Prozeß zuzulassen, und statt dessen 290 Journalisten bestellt, denen man vertraue, daß sie im Sinne des britischen Oberkommandos über den Prozeß berichten werden. Dagegen wird, so sagte der Sprecher des Budapester Rundfunks weiter, der Prozeß gegen den des Hochverrats angeklagten Kardinal Mindszenty öffentlich vor der ganzen Welt geführt werden. Ihm werden Vertreter der meisten Zeitungen und Agenturen der westlichen Länder beiwohnen.
Volksfront in Ungarn
Budapest, 31. Jan. (ADN). Am 1. Februar, dem dritten Jahrestag der Gründung der ungarischen Republik, wird in Ungarn eine Unabhängigkeits- und Volksfront gegründet, die alle demokratischen Kräfte des Landes zu einer noch engeren Zusammenarbeit im Kampf für den Aufbau des Sozialismus und für die Sicherung der nationalen Unabhängigkeit der ungarischen Republik zusammenschließen soll. Der stellvertretende Ministerpräsident und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Ungarns, Rakosi, wird am Tage der Gründung das Programm der Volksfront bekanntgeben.
Australien fürchtet Inflation
Canberra, 31. Jan. (ADN). Der Ministerpräsident Australiens, Chifley, eröffnete am Montag eine „Sparkampagne“, wobei er die australische Bevölkerung zu höchster Sparsamkeit aufforderte, damit eine Inflation verhindert werden könne. Australien, so forderte der Ministerpräsident, müsse „zum Ernst der Kriegszeit zurückkehren“ und seine Industrieproduktion erhöhen.
Stimme der Frauen: Gebt Indonesien den Frieden!
Budapest, 31. Jan. (ADN). Im Namen von vier Millionen ungarischen Frauen protestiert der Bund der demokratischen Frauen Ungarns in einem Telegramm an die niederländische Regierung gegen den imperialistischen Krieg in Indonesien. Sie verlangen die sofortige Einstellung der militärischen Operationen sowie die umgehende Zurückziehung der niederländischen Truppen aus dem Gebiet der Indonesischen Republik. Ein gleichlautendes Telegramm haben die Frauen Ungarns an die Organisation der Vereinten Nationen gerichtet.
W. Pieck zum Stalin-Interview
Die Antworten Stalins auf die ihm am 27. Januar in einem Interview gestellten Fragen werden von der ganzen fortschrittlichen Menschheit auf das freudigste begrüßt werden. Sie bestätigen erneut, daß die Sowjetregierung zu jeder Verständigung mit den anderen Großmächten bereit ist, die der Sicherung des Friedens und der Erhaltung der Einheit Deutschlands dient, und demzufolge auch bereit ist, die durch die Spaltungsmaßnahmen der Westmächte notwendig gewordenen Transportbeschränkungen aufzuheben. Die Antworten Stalins stellen den drei westlichen Besatzungsmächten die ernste Frage der Einberufung der Tagung des Außenministerrates, um endlich dem deutschen Volke einen gerechten Friedensvertrag zu geben und die Maßnahmen aufzuheben, durch die Deutschland zerrissen und der Westen zu einem Kolonialgebiet des amerikanischen Dollarimperialismus gemacht werden soll.
Friedrich Ebert:
Oberbürgermeister von Groß-Berlin.
Mit besonderer Genugtuung werden die Berliner die Erklärung Stalins zur Kenntnis genommen haben, daß die Sowjetregierung bereit ist, alle Transportbeschränkungen aufzuheben, wenn die westlichen Alliierten ihrerseits dasselbe tun und die Errichtung eines westdeutschen Staates bis zur Einberufung einer Tagung des Außenministerrates verschieben, auf der das gesamtdeutsche Problem erörtert werden soll. Die Bereitschaft Stalins, mit dem amerikanischen Präsidenten Truman zur Erörterung all dieser Fragen zusammenzukommen, ist ein weiterer und sehr wichtiger Schritt zum Frieden, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Hans Jendretzky:
Vorsitzender der SED Groß-Berlins.
Das Stalin-Interview ist ein weiterer Beweis für den Willen der sozialistischen Sowjetunion, trotz aller Schwierigkeiten eine Verständigung im Sinne des Friedens zu erzielen. Die Erklärungen Stalins sind darüber hinaus eine Abfuhr für jene Kriegshetzer um General Clay und Oberst Howley, die immer wieder erklären, Berlin sei einen Krieg wert.
Dr. Karl Steinhoff:
Ministerpräsident von Brandenburg.
Die Westmächte sind nunmehr verpflichtet, den zweiten Schritt zur Entspannung der gegenwärtigen Weltkrise zu tun. Wenn die Westmächte mit der gleichen Offenheit und mit der ernsten Absicht, den Völkern den Frieden zu bringen, auf Stalins Vorschläge antworten, dann wird die Menschheit wieder Vertrauen gewinnen.
Dr. Reinhold Schwarz (LDP):
Bürgermeister von Berlin.
Es ist nicht das erstemal, daß Generalissimus Stalin offen und ehrlich der ganzen Welt gegenüber seine unbedingte Friedensbereitschaft dokumentiert hat. Dr. Schwarz gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Anglo-Amerikaner nicht nur immer Fragen stellen, sondern den von Generalissimus Stalin gegebenen Antworten endlich Taten folgen lassen.
Aufklärung von Norwegen gefordert
Oslo, 31. Jan. (ADN). Der Botschafter der Sowjetunion in Norwegen, Afanasjew, übermittelte dem norwegischen Außenministerium eine Erklärung, in der er die norwegische Regierung im Namen der Sowjetregierung ersucht, ihre Einstellung zum Atlantik-Pakt bekanntzugeben. In der Erklärung wird darauf verwiesen, daß die Sowjetunion Anlaß zu der Annahme hat, daß der Atlantik-Pakt eine Mächtegruppierung darstellt, die aggressive Ziele verfolgt. Es bestehe weiter Grund zu der Vermutung, daß die Initiatoren des Atlantik-Pakts den Versuch unternehmen, diese neue Mächtegruppierung zur Errichtung von Luft- und Marinestützpunkten in verschiedenen Teilen der Welt und insbesondere auf dem Hoheitsgebiet der Mächte zu benutzen, die der Sowjetunion benachbart sind.
Diese Situation sei keineswegs ein Beweis für die friedlichen Absichten der Atlantik-Pakt-Mächte. Die Sowjetregierung erachte es unter diesen Umständen für notwendig, die norwegische Regierung zu ersuchen, eine Erklärung über ihre Einstellung zum Atlantik-Pakt zu geben, wobei zu berücksichtigen sei, daß Norwegen eine gemeinsame Grenze mit der Sowjetunion hat. Die Sowjetregierung wünsche, davon unterrichtet zu werden, ob die Pressemeldungen, nach denen Norwegen beabsichtigt, sich dem Atlantik-Pakt anzuschließen, den Tatsachen entsprechen. Ferner wünsche die Sowjetregierung Informationen darüber, ob die norwegische Regierung Verpflichtungen über die Schaffung von Luft- und Marinestützpunkten auf norwegischem Gebiet einzugehen beabsichtige.
Oslo, 31. Jan. (ADN). Die Beratungen über den Abschluß eines Verteidigungspaktes der skandinavischen Länder seien fehlgeschlagen, erklärte der norwegische Ministerpräsident Gerhardsen.
Sowjetunion zur Kriegsgefangenenfrage
Note des Außenministeriums der UdSSR an die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs
Moskau, 31. Jan. (ADN). In Beantwortung der Noten, die die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs am 3. Januar der Sowjetregierung über die Frage der Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen überreichen ließen, übersandte das Außenministerium der UdSSR den Regierungen der drei Staaten ein Memorandum der Sowjetregierung, in dem festgestellt wird, daß die zuvor erwähnten Noten ein verzerrtes Bild der Lage wiedergeben.
Zur Klärung des tatsächlichen Sachverhalts in der Frage der Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen wird in dem Memorandum der Sowjetregierung erklärt, daß auf der Moskauer Sitzung des Außenministerrates, die im April 1947 stattfand, von der sowjetischen Delegation ein Vorschlag unterbreitet wurde, der die Zustimmung der USA, Großbritanniens und Frankreichs fand. Dieser Vorschlag sah die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen in Verbindung mit einem Plan vor, der vom Kontrollrat ausgearbeitet werden sollte.
Die Sowjetregierung stellt in ihrem Memorandum dazu fest, daß die Ausarbeitung eines solchen Planes durch die Schuld der Regierungen der drei westlichen Alliierten nicht erfolgte, weil diese Regierungen sich in der Person ihrer Vertreter im Kontrollrat geweigert haben, eine erhebliche Anzahl deutscher Kriegsgefangener in den Repatriierungsplan einzubeziehen. Die Weigerung wurde damit begründet, daß diese Kriegsgefangenen zur Lohnarbeit herangezogen worden seien.
Während im Kontrollrat die Ausarbeitung des Repatriierungsplanes erörtert wurde, gingen die Verhandlungen zwischen den Regierungen der USA und Großbritanniens über die Kriegsgefangenenfrage weiter. Dabei wurde ein Übereinkommen erzielt, nach dem deutsche Kriegsgefangene in den von den USA und Großbritannien beherrschten Gebieten als sogenannte freiwillige Arbeiter verbleiben sollten.
Das Memorandum der Sowjetregierung belegt diese Tatsachen mit einer Reihe von Erklärungen, die offizielle Vertreter der drei Westmächte zu dieser Frage abgaben. U. a. hatte der Vertreter der USA im Politischen Direktorium des Kontrollrates, Chase, am 29. Oktober 1947 zugegeben, daß zwischen den Vereinigten Staaten und Belgien ein Abkommen existiert, welches deutsche Kriegsgefangene, die von USA-Truppen gefangengenommen wurden, Belgien zur Verfügung stellt. Ein ähnliches Abkommen wurde zwischen Großbritannien und Belgien abgeschlossen.
In dem Memorandum wird weiter festgestellt, daß der Kontrollrat am 20. Januar 1948 auf Vorschlag General Clays die Ausarbeitung eines Planes für die Rückführung deutscher Kriegsgefangener von der Tagesordnung gestrichen hat. Daraufhin weigerten sich die osteuropäischen Staaten, den Kontrollrat über die zwischen ihnen stattfindenden Verhandlungen über die Kriegsgefangenenfrage zu unterrichten. Die Sowjetregierung verfügt über Informationen, wonach eine große Anzahl deutscher Kriegsgefangener bis zum heutigen Tage in den von Großbritannien, Frankreich und den USA kontrollierten Gebieten als angeworbene Arbeitskräfte zurückgehalten werden.
U. a. werden deutsche Kriegsgefangene vom britischen Kriegsministerium in Minenräumkommandos eingesetzt. In der britischen Landwirtschaft sind jetzt 15 000 deutsche Kriegsgefangene tätig. Andere werden im Mittleren Osten mit dem Bau von Unterkünften für britische Truppen beschäftigt. In Frankreich werden zur Zeit noch 137 000 deutsche Kriegsgefangene als sogenannte freiwillige Arbeiter zurückgehalten.
Die Sowjetregierung erklärt in ihrem Memorandum, daß die überwältigende Mehrheit der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion bereits repatriiert wurde und daß die Rückführung der restlichen Kriegsgefangenen im Laufe des Jahres 1949 beendet sein wird. Die Behauptung der Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs, daß deutsche Kriegsgefangene unter Verletzung der Verpflichtungen, die die Sowjetregierung übernommen hat, in der Sowjetunion zurückgehalten würden, ist, wie in dem Memorandum ausdrücklich festgestellt wird, eine Entstellung der Tatsachen.
Die Sowjetregierung stellt fest, daß Erklärungen dieser Art nicht zur Lösung des Kriegsgefangenenproblems beitragen. Sie sind der Versuch, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Tatsache abzulenken, daß in den von Großbritannien, Frankreich und den USA kontrollierten Gebieten deutsche Kriegsgefangene zurückgehalten werden. Gleichzeitig soll damit die Tatsache verschleiert werden, daß über 250 000 Sowjetbürger, die von den deutschen Nazis während des Krieges nach Deutschland verschleppt wurden, noch immer gewaltsam in Lagern in den Westzonen Deutschlands und Österreichs festgehalten werden.
English translation
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--- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) ---
Stimme der Frauen: Gebt Indonesien den Frieden!
Budapest, 31. Jan. (ADN). Im Namen von vier Millionen ungarischen Frauen protestiert der Bund der demokratischen Frauen Ungarns in einem Telegramm an die niederländische Regierung gegen den imperialistischen Krieg in Indonesien. Sie verlangen die sofortige Einstellung der militärischen Operationen sowie die umgehende Zurückziehung der niederländischen Truppen aus dem Gebiet der indonesischen Republik. Ein gleichlautendes Telegramm haben die Frauen Ungarns an die Organisation der Vereinten Nationen gerichtet.
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Den Haag, 31. Jan. (ADN). Niederländische Nazis, die nach Kriegsende wegen ihrer Verbrechen interniert wurden, sollen jetzt – wie holländische Zeitungen berichten – als Landsknechte nach Indonesien geschickt werden. Die Regierung Drees bereitet die Entsendung derartiger Truppenkontingente vor.
--- English translation ---
Voice of Women: Give Indonesia Peace!
Budapest, 31 Jan. (ADN). On behalf of four million Hungarian women, the League of Democratic Women of Hungary protests in a telegram to the Dutch government against the imperialist war in Indonesia. They demand the immediate cessation of military operations and the prompt withdrawal of Dutch troops from the territory of the Indonesian Republic. Hungarian women sent an identical telegram to the United Nations.
[Related short item, same page:] Nazis become mercenaries
The Hague, 31 Jan. (ADN). Dutch Nazis who were interned after the end of the war for their crimes are now, according to Dutch newspapers, to be sent to Indonesia as mercenaries. The Drees government is preparing to dispatch such troop contingents.