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Berliner Zeitung, 7 März 1952, S. 8: Mit tapferen Herzen und fleißigen Händen

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Nr. 57 Berliner®Seitung Mit tapferen Herzen und fleißigen Händen Empfang für 300 Berlinerinnen im Haus der Ministerien / Auftakt zum Internationalen Frauentag Schön war der Empfang auch im vorigen Jahr, aber an diesem Mittwoch, da der DFD, Landesvorstand Berlin, und der FDGB wiederum etwa 300 Berliner Aktivistinnen, Bestarbeiterinnen und Funktionärinnen des DFD ins Haus der Ministerien eingeladen hatte, empfanden die Frauen sehr bald einen Unterschied. Blumen, strahlendes Licht, weißgedeckte Tafeln, Musik und Lachen, das hatte es auch damals gegeben. Aber diesmal war das Lachen herzlicher, die Stimmung fröhlicher. üße wurden getauscht, Hände winkten. Lächelnd grüßten die Vertreterinnen der IDFF, die als Ehrengäste erschienen waren, zurück. Vera Natcheva,die Vertreterin Bulgariens, und DedaMihalcea, Rumänien, fanden sich rasch zurecht; sie kennen aus ihren Ländern die Feste zum Internationalen Frauentag. Clara Youille aus England, Frau Pouran, Iran, und die reizende junge Frau Mauna aus Syrien staunten freilich ein bißchen. Darmini, die schwarzlockige Indonesierin, die seit einigen Monaten in Berlin lebt und die Berlinerinnen ins Herz geschlossen hat, mußte viel erklären. Es gab aber auch eine Menge zu sehen und zu hören. Der Chor der Händel-Oberschule sang klassische und neue Lieder. Nationalpreisträger Wolfgang Langhoff machte die Frauen mit einigen der schönsten Friedensgedichte der Weltliteratur bekannt, und Amy Frank vom Deutschen Theater wiederholte mit aufrüttelnder Eindringlichkeit die Worte der spanischen Freiheitskämpferin Dolores Ibarruri, La Passionaria, die sie Anfang Dezember 1951 den deutschen Frauen bei einer Kundgebung im Friedrichstadt-Palast zugerufen hatte. „Laßt uns unseren Schmerz um die teuren Toten des zweiten Weltkrieges in eine Kraft verwandeln“, hörten die Frauen mit Ergriffenheit, „die zur Verteidigung des Lebens der jungen Generatipn verwandt werden muß.“ Use Thiele, die stellvertretende Vorsitzende des DFD, Landesverband Berlin, ‘ versicherte für die deutschen Frauen, daß sie ihre Aufgabe erkannt haben und all ihre Kräfte für den Frieden, vor allem für die Herbeiführung eines Friedensvertrages mit Deutschland einsetzen. 26 Bauarbeiterinnen wurden dann als die entschlossensten Vertreterinnen des Friedenswillens der Berliner Frauen durch einen Vertreter des FDGB ausgezeichnet. Jubelnde Zustimmung begrüßte die 72jährige Klara Höhle, die als erste das Dankschreiben des FDGB, eine Buchprämie, einen großen HO- Geschenkkorb und einen Gutschein zum Einkauf bei der HO in Empfang nehmen konnte. Seit 1945 steht die rüstige Frau, der niemand ihre sieben Jahrzehnte ansieht, auf den Berliner Baustellen. Immer wieder lehnt sie die Übernahme einer leichteren Arbeit ab. „Mit der Schippe in der Hand fühle ich mich wohl“, beharrt sie auf ihrem Standpunkt, „und so kann ich noch eine ganze Weile mitarbeiten.“ Westdeutsche Journalisten und Schriftsteller, die zur Zeit in Berlin weilen, beteiligten sich in der Leninallee an den Enttrümmerungsarbeiten des Ni tionalen Aufbauprogramms. V, I. n. r: Eddy Klein,Journalist, Olf Vetter, Schriftsteller, Julius F.Schike, Bühnenschriftsteller und Schauspieler. Alle anderen Frauen, unter ihnen auch eine Westberlinerin, erhielten ebenfalls Dankschreiben, Buchprämien und HO-Gutscheine über 150 bis 260 DM. Gruß und Dank des Magistrats überbrachte Oberbürgermeister Ebert selbst. Er dankte den Berlinerinnen für ihren tatkräftigen Einsatz auf allen Gebieten und versprach, daß die Verwaltung in stärkerem Maße als bisher dafür sorgen werde, den berufstätigen Frauen das Leben zu erleichtern. Hier seien noch nicht alle Möglichkeiten erschöpft worden. Zum Beispiel wurden Etatmittel für die Durchführung des Gesetzes zum Mutter- und Kinderschutz, für den Bas von Heimen und sozialen Einrichtungen nicht voll in Anspruch genommen. Auch in dieser Hinsicht bat der Oberbürgermeister die Frauen um kritische und praktische Mitarbeit, denn „eine Verwaltung kann ihre Aufgaben ohne die Mitwirkung der Bevölkerung nicht erfüllen.“ Die Frauen versprachen das ihrem „OB“ nur zu gern, und er mußte im Laufe des Abends noch auf manches diesbezügliche Scherzwort eingehen. Tief in der Nacht erst trennte man sich. Nach der oftmals anstrengenden und mühevollen Arbeit eines Jahres hatten die Berlinerinnen ein Fest, ihr Fest zum Internationalen Frauentag gefeiert. Es war gut so, und es wird noch besser werden. Dafür sorgen die Berlinerinnen, auf welchem Platz sie auch stehen mögen, mit der ganzen Kraft ihrer tapferen Herzen und ihrer flei- Bigen Hände. M.J, Treffpunkte der Frauen Aus Anlaß des Internationalen Frauentages leisten werktätige Frauen und Hausfrauen aus allen Teilen Berlins am Sonnabend von 13 bis 16 Uhr eine Sonderschicht für das Nationale Aufbauprogramm. Die freiwilligen Helferinnen aus den Bezirken Mitte und Treptow werden in der Waßmannstraße, aus Pankow in der, Gollnowstraße, aus den Bezirken Friedrichshain und Weißensee in der Höchste Straße, aus den Bezirken Köpenick und Lichtenberg in der Palisaden- und Strausberger Straße arbeiten, ' Trauerspiel im nahen Westen Was dem einen sein Tod, ist dem anderen sein Brot / Weine, Bajazzol Der 65jährige Manegenclown Hannibal S. wurde im Herbst des vergangenen Jahres verhaftet, als er einen Friedhof in Wilmersdorf mit einem Kranz verlassen wollte. Man beschuldigte Hannibal des Diebstahls, obwohl er lebhaft beteuerte, den Kralgeeibsı redlich erworben zu haben. Da ger: zu dieser Zeit, die Friedhofsdiebstähle überhandgenommen hatten, wurde der Zirkusclown von dem Schöffengericht Moabit ohne Erbarmen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Doch Hannibal war nicht gewillt, die Übeltaten anderer Gauner zu büßen. Er legte sofort Berutung ein und fand auch die kostenlose Hilfe eines jungen Referendars, der sich an seinem Fall die ersten Sporen verdienen wollte. Aber vernehmt zunächst einmal die Beichte des Bajazzo, der nicht mehr lachen, sondern nur noch weinen konnte, " Clown Hannibal war zuletzt mit seinen 149 cm Lebensgröße bei einem kleinen Zirkus gelandet, der auf den trostlosen Rummelplätzen Westberlins von einer Pleite in die andere stürzte. Unter dem Polizeiknüppel Reuters haben die Westberliner eben nichts zu lachen — da nutzten auch die tollsten Purzelbäume nichts, die Hannibal jeden Abend vor allerhöchstens dreieinhalb Zuschauern vollführte. Das Ergebnis: Unser Clown bekam keinen Pfennig Gage und gingbetteln. Weil er jedoch keine amtliche Bettelbescheinigung des Westmagistrats hatte, wurde er mehrfach verwarnt und schließlich sogar drei Tage eingelocht. Auf diese Tour waren also keine Schmalzstullen zu gewinnen. Hannibals Lebensretterin wurde indessen seine Schwester Hulda. die als Stenotypistin in einem Sargmagazin arbeitete, Eines Tages entdeckte er in ıhrer Wohnung einige Papiere und Rechnungen, die sich eingehend mit den finanziellen Verhältnissen in Ehren verblichener Zeitgenossen befaßten. Hannibal studierte diese Dokumente genau und da kam ihm die Idee... In der Kapelle eines Friedhofes ruhte die Irdische Hülle eines verstorbenen Arztes, der außerordentlich feierlich beerdigt wurde, Die Angehörigen trauerten, der Pfarrer predigte und die Orgel orgelte, wie wir es alle selbst erleben werden, wenn wir einmal das Zeitliche gesegnet haben. Erstaunt beobachteten jedoch die zahlreichen Trauergäste einen kleinen Mann, der viel bitterlicher und herzzerreißender wehklagte als selbst die Ehefrau des Verschiedenen. Niemand kannte ihn — und doch mußte er dem Toten, sehr nahegestanden haben! Von den nächsten Verwandten behutsam befragt, erklärte nun unser schluchzender Hannibal, daß er extra nach Berlin gereist wäre, um seinen lieben, guten, alten Freund und Studienkameraden, mit dem er dıe glücklichsten Jahre seines Lebens verbracht habe, zur letzten Ruhe zu begleiten... Selbstverständlich wurde der fremde Gast eingeladen, am großen Leichenschmaus teilzunehmen. Dort fraß er wie ein Pferd, schwieg sich aber ansonsten beharrlich aus, weil er immer gleich weinen mußte, wenn man taktvoll Näheres über seine Beziehungen zu dem Verstorbenen erkunden wollte. Meist schwankte er dann am Abend außerordentlich satt und sinnlos betrunken zum Zirkus, um sich hauptberuflich weiterzubilden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Hannibal zu einem gewiegten Begräbnis-Routinier. Später verzichtete er auf Erdbegräbnisse und nahm nur, noch Feuerbestattungen wahr. Diese dauerten nicht so lange, und er konnte sich so Tränen für andere Tage aufsparen. Vom Zirkus hatte er auch einen großen Siegerkranz ausgeborgt, den er am Grabe niederlegte und erst für die nächste Beerdigung wieder abholte. Nur einmal hatte er Pech — der Verstorbene, ein Gastwirt, hatte nämlich sein Geschäft versoffen und wurde von seinen Angehörigen mit Freuden beerdigt. Als Hannibal das übliche Klagelied anstimmte, wurde er für ein Zechkumpan des Toten gehalten und mit Schimpf, Schande und Kranz davongejagt. KleineBertiner Chronik 15-Zentimeter-Granate, entschärft. Eine 15- Zentimeter-Granate, die im Turm des alten Rathauses in der Rathausstraße aufgefunden wurde, ist Donnerstag von zwei Sprengmeistern der Volkspolizei entschärft worden. Die‘ 36 Kilogramm schwere Granate lag auf einem Mauervorsprung in etwa 35 Meter Höhe. auf Die Westberliner Bürgerkriegstruppe hält fast täglich auf den Spielplätzen hinter der ehemaligen Ulanenkaserne in Moabit „Angriffsübungen“ ab. Kinder werden von den Söldnern verjagt, und die Proteste der Eltern von dem Wieder ein Baby erstickt. Die neun Monate alte Maria H. aus der Flughafenstraße in Neukölln (USA-Sektor) wurde am Mittwoch von ihren Eltern im Babykorb tot aufgefunden. Sie ist yermutlich erstickt. Grippeepidemie greift um sich. Infolge der starken Zunahme der Grippeerkrankungen mußten in Westberlin vier Schulen und eine größere Anzahl von Klassen in anderen Schulen geschlossen werden. Von’ der Epidemie sind besonders die Bezirke Spandau, Tempelhof und Reinickendorf betroffen. Im Bezirk frau Berolina weiß alles Frage: Gibt es in Berlin eine besondere Behandlungsstelle für Rheumakranke? Antwort: Ja, die gibt es, und zwar die Poliklinik für Rheumakranke, Berlin-Lichtenberg, Deutschmeisterstraße 16. Eine Untersuchung erfolgt nur nach vorberiger Anmeldung, 2 Tempelhof (USA-Sektor) ist ein Schulkind der Grippe zum Opfer gefallen, werden p: Aus Anlaß des Internationalen Frauentages werden verdiente Berliner Handwerksmeisterinnen am Montag um 17.30 Uhr vom Präsidenten der Handwerkskammer Berlin im Haus des Handwerks, Neustädtische Kirchstraße 4-5, ausgezeichnet. Amisvormundschaft Treptow umgezogen. Die D: der Treptow ist seit Mittwoch in der Grünauer Straße 1 in Niederschöneweide untergebracht. Sie ist telefonisch unter 631265 und 63 1293 zu erreichen. Pankower K: Die Kartenstelle III des Bezirkes Pankow, bisher in Niederschönhausen, Buchholzer Str. 3, befindet sich ab 6. März in der Neuen Schönholzer Straße 3. Duensing gibt Geld für Mörder Kommandeur der i schaftspolizei getarnten Westberliner Bürgerkriegstruppe, der ehemalige Nazimajor Duensing, hat für die Verteidigung des Mörders an dem Eisenbahner Ernst Kamieth, Polizeiinspektor Zunker, einen ö G zur Verfügung gestellt. Duensing war dafür mitverantwortich, daß der Mörder Zunker von der Westberliner Polizeiführung gedeckt wurde und noch lange nach seiner verbrecherischen Tat seinen Dienst weiter versehen konnte, In einem Haftprüfungstermin wurde am Donnerstag der Haftbefehl gegen Zunker aufrecht erhalten. Dabei erfolgte dann seine Verhaftung am Friedhofsausgang... Die Berufungsverhandlung wurde ein voller Erfolg. Es war dem Referendar gelungen, verschiedene Trauergäste als Zeugen aufzutreiben, die über die Frechheit Hannibals so entgeistert waren, daß sie erklärten, sich persönlich nicht geschädigt zu fühlen. Hannibal wurde des Friedhofsdiebstahls freigesprochen und das Verfahren wegen Geringfügigkeit niedergeschlagen. „Denn“, so sagte der Richter, „schuld an der ganzen Sache ist weniger der Angeklagt& als die soziale Notlage in Westberlin, die viele Menschen zwingt, auf seltsame und oft sehr anrüchige Weise ihr Leben zu fristen...* Cobra BVG mit großen Plänen Nach den Plänen der BVG werden die ersten der, bereits angekündigten Großraumstraßenbahnwagen noch in diesem Jahr auf der Strecke Grünau— Schmöckwitz eingesetzt. Diese Wagen sollen nach und nach die schon seit vierzig Jahren im Verkehr befindlichen Straßenbahnen aus dem Straßenbild verdrängen. Wenn die Umstellung des Straßenbahnnetzes beendet ist, wird es nur noch 13, statt 57 Linien geben. Auf den anderen Strecken werden Obusse und Omnibusse verkehren, Stürmische Fischimporte Hausfrauen wünschen mehr Abwechslung „Liebes Bärchen, in den hiesigen Fischgeschäften gibt es keinen Fisch auf Marken.* So’ wie Frau E. Heise aus Niederschön+ hausen, begannen in den letzten Februartagen viele Hausfrauen ihre Briefe an Bärchen. Und tatsächlich sah es so aus, als sollten die Fischmarken im Februar verfallen. Erst in allerletzter Minute trafen doch noch die verspäteten Fischimporte aus Norwegen ein. Heftige Stürme hatten den Fischfang erschwert und dadurch die Lieferungen verzögert. Bis in die ersten Märztage hinein wurden dann Fische auf Februarmarken verkauft. keiner seine Marken verfallen lassen. Aber damit war das Fischmarkenproblem nur halb gelöst. In den gleichen Briefen an Bärchen hieß es nämlich weiter: „Warum gibt es keine Wurst mehr auf Fischmarken?“ Auch dieser Frage sind wir nachgegangen, In den letzten Wochen des vergangenen Jahres wurde auf dem Lande besonders viel geschlachtet. Plötzlich waren. große Fleischlieferungen vorhanden. Der Bedarf auf Marken konnte gedeckt werden und darum gab man Innereien zur Herstellung von Wurst frei, die auf Fi verkauft werden konnte. Das war für viele Hausfrauen eine angenehme Sache, Die großen Schlachtefeste sind nun längst vorbei, und die Fischmärken werden wieder wie in den früheren Monaten beliefert. Wenn nur das Fischangebot nicht derartig eintönig wäre! Bei stoßweiser Belieferung dreimal in der Woche grüne Heringe — das ist zuviel, Nur wer Glück hatte, konnte für seine Fischmarken von den geringeren Dorsch- und Flundernliefe- Es brauchte also. „Wat die sich bloß alle uffrejen, ick wer’ doch schließlich Jroßmuttas ollet Eisenbette zu de Schroitsammelstelle fahr'n könn’. Bloß jut, det nachher Schnellstraße kommt, da kann ick wenichstens 60 Sachen uffdreh’n!“ rungen aus Mecklenburg kaufen. Geräucherte Ware fehlte fast völlig. Bärchen möchte darum im Namen vieler Hausfrauen vorschlagen, daß sich die zuständigen Stellen dieser Sache mal etwas liebevoller annehmen und recht schnell versuchen, das Fischmarken-Belieferungs- Einerlei zu beseitigen. Wir wünschen uns eine regelmäßige Belieferung und etwas mehr Abwechslung. K Frohes Jugendleben — aber wo?. Die FDJ „übersieht“ Jugendklubheime des Magistrats „Es hat gefunkt“, sagten viele Jugendliche, als kürzlich der Zentralrat der'Freien Deutschen Jugend in einer Entschließung zum „frohen Jugendleben“ Stellung nahm. Es war höchste Zeit, sich damit zu befassen, denn man hätte fast glauben können, unsere Jugend sei vergreist. Es fanden kaum noch Heimabende und lustige Feste statt, dafür hörte man um so mehr von Aktionen, Schulungen, Versammlungen usw. Unsere Jungen und Mädel gaben sich nach Bekanntwerden der Entschließung der Hoffnung hin, jetzt das nachholen zu können, was sie bisher versäumen mußten, weil es einigen verantwortlichen Funktionären an der Initiative mängelte, zu frohen Heimabenden einzuladen. Die FDJ-Gruppe des ADN hat jetzt den Anfang gemacht. Am vergangenen Wochenende war sie im Jugendklubheim in der Gartenstraße zu Gast, um bei einem Faschingsfest frohe Stunden bei Spiel und Tanz zu verleben, Von diesem guten Beispiel angeregt — wir wollen ähnliches allen Jugendgruppen zur Nachahmung empfehlen —, besuchten wir den Leiter des Klubhauses, um zu erfahren, wie sich dort das Jugendleben ent» wickelt. Herr Nell erzählte, daß in seinem Heim „eigentlich eine Menge los“ sei. „Wir haben eine ganze Reihe von. Arbeits+ gemeinschaften, zum Beispiel für Fotoarbeiten, Akkordeonmusik, für Volkstänze usw.“, berichtete er. ‚Unsere 2000 Bände umfassende Bücherei wird benutzt, ein Lehrgang der Jugendvolkshochschule hat starken Zuspruch. Fast täglich sind 40 bis 50 Jugendliche in unserem Haus zu Gast.“ — „Eigentlich“, sagte Herr Nell und meinte, daß die FDJ selbst so gut wie gar nicht im Haus zu finden sei. „Wir haben zwar ein. Zimmer vorgesehen, in das eine FDJ-Gruppe einziehen soll, aber es ist bis heute leer. Das ist der beste Beweis dafür.“ 62 Millionen Westmark unterschlagen Adolf Deter zur Krise in der Westberliner Verwaltung Der stellvertretende des Zentralrats der Sozialversicherung, Adolf Deter, stellte in einem Interview fest, daß eine der wesenflichsten Ursachen für die augenblickliche Krise in der Westberliner Verwaltung der Unwille breitester, Bevölichten über die ständigen Anschläge auf das Sozialversicherungswesen ist. Die vorbildliche, nach 1955 geschaffene Einheitsversicherung, wurde in Westberlin zerschlagen, weil von der West-CDU und FDP ein Anschlag nach dem anderen ohne Gegenwehr der rechten SPD-Führung verübt werden ‘konnte. Die Westberliner Versicherten erkennen aber die Ursache und wissen, daß die verderbliche Politik des Koalitionssenats, der den ilitarisier 1 ler Adı -Regierung unterstützt, naturgemäß zu einer Drosselung der sozialen Aufgaben führen muß, ' Die Krankensätze für die Kassenpatienten wurden in Westberlin ständig verringert und die Ausgaben für Medikamente willkürlich begrenzt. Den V iner Werktätigen wurden die Versicherungsbeiträge regelmäßig vom Lohn abgezogen. Die Unternehmer unterschlugen jedoch die Gelder, so daß die VAB-West etwa 62 Millionen Westmark Außenstände hat. Das ist die Folge der fehlenden Kontrolle durch die Westberliner Arbeiter über die Versicherungsanstalt. Gleichzeitig wächst der bürokratische Apparat, und die Leistungen, für die Versicherten sinken. Deter erinnerte daran, daß die Westberliner Arbeiter und Angestellten sich bereits im vergangenen Jahr mit einem Fünf-Minuten-Streik gegen die „Zerschlagung der Sozialversicherung Zur Wehr gesetzt haben. Aber seitdem wurde von den rechten DGBund SPD-Führern nichts zur Erhaltung der ung Die Sti in “der W. li Arbeiterschaft, die die Loslösung der VAB- West von, Westdeutschland fordern, mehren sich von Tag zu Tag. Selbst die Zeitung „Welt der Arbeit“, das Organ des DGB, mußte im Januar zugeben, daß die sozialen Fortschritte, die in Vestberlin gegenüber zu waren, im Zuge der Gesetzesangleichung an Westdeutschland wieder rückgängig gemacht wurden, Heute leiden die Kranken, die Invaliden, die Alten und das Heer der Unterstützungsempfänger unter der Westberliner itarisi gspolitik, die in den ständig steigenden Lebenshaltungskosten für alle spürbar wird. Deshalb wächst die Stimmung in den Westberliner Betrieben gegen die Remilitarisierung und für den beschleunigten Abschluß eines Friedensvertrages und für die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands von Tag zu Tag. Adolf Deter betonte, daß im Gegensatz zu den z in Westberlin und Westdeutschland die Soziali ung in der DDR und im demokratischen Sektor von Groß-Berlin solche Sorgen nicht kennt. Der Haushalt der Sozial-, versicherung ist ausgeglichen und die Leistungen für die Versicherten werden ständig verbessert, Die Werktätigen verwalten und kontrollieren die Versicherung durch ihre Gewerkschaften. Adolf Deter forderte die Versicherten Westberlins auf, den gleichen Weg zu gehen, denn nur so kann dem schändlichen Spiel, das auf ihrem Rücken ausgetragen wird, ein Ende bereitet werden. Die Wahrheit darf man nicht sagen Den 68jährigen Rentner Arthur Marchner aus Tempelhof (USA-Sektor) verurteilte gestern die 8. Moabiter Strafkammer zu einem Monat Gefängnis, weil er aus seiner Wohnung in der Manteuffelstraße im Herbst vorigen Jahres Flugzettel mit der Aufschrift: „Wir wollen Kohle und keine Panzer“, geworfen hatte. Ein derartiges Flugblatt, hieß es in der Urteilsbegründung, sei geeignet, „Unruhe in der Westberliner Bevölkerung“ hervorzurufen. Das Schnellgericht in Moabit verurteilte den 42jähri iker Otto Schröder aus Hohen Neuendorf bei sofortiger Strafvollstreckung mit einer gleichen Begründung zu sechs Wochen Gefängnis. Er hatte lediglich am 3. März in Steglitz Flugblätter mit dem Grotewohl-Brief vom 18\ Februar d, J. auf der Straße verteilt, Diese Tatsache stimmte uns traurig, denn es gibt gerade im Kreis Mitte viele Wohngruppen der FDJ, die nicht wissen, wo sie hingehen sollen, wo sie nun das wirkliche frohe Jugendleben entwickeln sollen. Ein solches Heim aber, wie in der Gartenstraße, vom Erdgeschoß bis zum Dachgarten aufs Beste eingerichtet, wäre eine ideale Stätte für unsere Jugendlichen. Ob das die Kreis« leitung Mitte der FDJ auch weiß? Wir meinten, daß es in anderen Bezirken anders aussehen würde, Ist es so? Herrlich, wenn auch jetzt im März noch etwas kühl, ist es auf der Abteiinsel in Treptow. Recht angenehm läßt es sich plaudern, wenn man in bequemen Klubsesseln sitzt, mit denen auch dieses Jugendklubheim auf der Spreeinsel ausgestattet ıst, Ein kleiner Saal im “Erdgeschoß, mit einer kleinen Bühne, verleitet zu kühnen Plänen. Filmveranstaltungen, lustige Abende, alles mögliche könnte hier stattfinden. Zwei Aquarien gibt es, Musikinstrumente (Guitarren und Mandolinen), Werkzeuge für Bastelarbeiten und Modellbau sind vorhanden. Im Sommer sind die Möglichkeiten des Heims auf der Abteiinsel natürlich besonders groß. Es fehlt an nichts. „Sollte es an irgend etwas mangeln, es wäre bald beschafft“, sagt Herr Müller, der Leiter des Heims. 9 „Vorläufig fehlt es allerdings am wichtigsten, nämlich an jungen Menschen, die sich hier tummeln könnten und von den reichen Möglichkeiten, die ihnen geboten werden, Gebrauch machen. Im Monat Februar waren es nur etwa 250 Jugendliche, die kamen. Das waren aber keine FDJ-Gruppen, sondern nur einzelne Mitglieder, die aus Gewohnheit kamen, um hier Tischtennis zu spielen oder zu diskutieren. Ein richtiges Jugendleben gibt es bei uns noch nicht“, erzählt Herr Müller. 4 Was aber könnte in den Heimen los sein, wenn es die FDJ als ihre Aufgabe ansähe, dort der Motor zur Entwicklung eines fröhlichen Lebens unserer Jugend zu sein. Macht keine langen Sitzungen, möchten wir den Funktionären der FDJ raten, sondern helft den Gruppensekretären, das Jugendleben in die schönen Heime des Magistrats, zu tragen! Könnte zum Beispiel die FDJ nicht auch einen ihrer hauptamtlichen Funktionäre mit der Unterstützung der Heimleiter beauftragen? Seine Aufgabe müßte es sein, in diesen Häusern Aktive zu bilden, die gute Beispiele eines frohen Jugendlebens schaffen. An jungen Besuchern dürfte es dann in unseren Jugendheimen nicht mangeln. ZBr Propst Grüber predigt am Sonntag, 9. März, um 9 Uhr in der Marienkirche, Neuer Markt. Es singt der Staats- und Domchor. In der Orgelvesper, ebenfalls in der Marienkirche, am Montag um 20 Uhr singt der Chor des H: unter Leitung von Magda Baer. Wir gratulieren! Herr Reinhard Wunsch, Köpenick, Grünauer Str. 128, wird am 7. März 85 Jahre, Herr Heinrich Wedemann, Waldsieversdorf, Kindermannstraße, 83 und Frau Minna Förster, Wılhelmshagen, Fürstenwalder Allee 1217, 82 Jahre alt, Wie wird das Wetter heute? Amtlicher Wetterbericht Wetterlage: Das nordosteuropäische Hochdruckgebiet hat sich noch gekräftigt und dehnt seinen Wr EinAuß weiter nach Wo- = sten aus. Dadurch geuR langt die Kaltluft auf seiner Südflanke jetzt nach Wi und auch Süddeutschland, temperaturen wenig über null Grad, na‘ Pperaturrückgang.örtlich bis unter minus 5 'omperatur am 6. März, 19 Uhr: m| i Luftdruck auf Meeresspiegel umgerechnet 1028 mb = TI1 mm, schwach steigend, Herausgeber: Hermann Leupold Chefredakteur: Dr. Günter Kertzscher Verlag und Relaktion: Berlin W 8, Jägerstraße 10/11. Tel.: Sammel-Nr. 4252 i1, nach 19.30 Uhr 42 34 96 oder 423468. Für unaufgefordert eingesandte Manuskript keine Haftung. Sprechstunden der Redaktion: Dienstag. Donnerstag und Freitag 11—13 Uhr. Anzeigenannahme: i Ihr im Verlagchaus Jägerstr. 10/11. Vertriebsabteilung: Berlin C 2, Dresdener Straße 43. Tel.: 67 26 18 und 67 26.86. Erfüllungsort und Gerichtsstand; Berlin-Mitte. Liz.-Nr. 368. Druck und Verlags Berliner Verlag GmbH., Berlin W 8, Jägersiraße 1a. eig ur

English translation

=== [Page 1] === --- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) --- Mit tapferen Herzen und fleißigen Händen Empfang für 300 Berlinerinnen im Haus der Ministerien / Auftakt zum Internationalen Frauentag Schön war der Empfang auch im vorigen Jahr, aber an diesem Mittwoch, da der DFD, Landesvorstand Berlin, und der FDGB wiederum etwa 300 Berliner Aktivistinnen, Bestarbeiterinnen und Funktionärinnen des DFD ins Haus der Ministerien eingeladen hatte, empfanden die Frauen sehr bald einen Unterschied. Blumen, strahlendes Licht, weißgedeckte Tafeln, Musik und Lachen, das hatte es auch damals gegeben. Aber diesmal war das Lachen herzlicher, die Stimmung fröhlicher. [Unreadable] Grüße wurden getauscht, Hände winkten. Lächelnd grüßten die Vertreterinnen der IDFF, die als Ehrengäste erschienen waren, zurück. Vera Natcheva, die Vertreterin Bulgariens, und Deda Mihalcea, Rumänien, fanden sich rasch zurecht; sie kennen aus ihren Ländern die Feste zum Internationalen Frauentag. Clara Youille aus England, Frau Pouran, Iran, und die reizende junge Frau Mauna aus Syrien staunten freilich ein bißchen. Darmini, die schwarzlockige Indonesierin, die seit einigen Monaten in Berlin lebt und die Berlinerinnen ins Herz geschlossen hat, mußte viel erklären. Es gab aber auch eine Menge zu sehen und zu hören. Der Chor der Händel-Oberschule sang klassische und neue Lieder. Nationalpreisträger Wolfgang Langhoff machte die Frauen mit einigen der schönsten Friedensgedichte der Weltliteratur bekannt, und Amy Frank vom Deutschen Theater wiederholte mit aufrüttelnder Eindringlichkeit die Worte der spanischen Freiheitskämpferin Dolores Ibárruri, La Passionaria, die sie Anfang Dezember 1951 den deutschen Frauen bei einer Kundgebung im Friedrichstadt-Palast zugerufen hatte. „Laßt uns unseren Schmerz um die teuren Toten des zweiten Weltkrieges in eine Kraft verwandeln, die zur Verteidigung des Lebens der jungen Generation verwandt werden muß.“ Ilse Thiele, die stellvertretende Vorsitzende des DFD, Landesverband Berlin, versicherte für die deutschen Frauen, daß sie ihre Aufgabe erkannt haben und all ihre Kräfte für den Frieden, vor allem für die Herbeiführung eines Friedensvertrages mit Deutschland einsetzen. 26 Bauarbeiterinnen wurden dann als die entschlossensten Vertreterinnen des Friedenswillens der Berliner Frauen durch einen Vertreter des FDGB ausgezeichnet. Jubelnde Zustimmung begrüßte die 72jährige Klara Höhle, die als erste das Dankschreiben des FDGB, eine Buchprämie, einen großen HO-Geschenkkorb und einen Gutschein zum Einkauf bei der HO in Empfang nehmen konnte. Seit 1945 steht die rüstige Frau, der niemand ihre sieben Jahrzehnte ansieht, auf den Berliner Baustellen. [...] Gruß und Dank des Magistrats überbrachte Oberbürgermeister Ebert selbst. Er dankte den Berlinerinnen für ihren tatkräftigen Einsatz auf allen Gebieten und versprach, daß die Verwaltung in stärkerem Maße als bisher dafür sorgen werde, den berufstätigen Frauen das Leben zu erleichtern. [...] Tief in der Nacht erst trennte man sich. Nach der oftmals anstrengenden und mühevollen Arbeit eines Jahres hatten die Berlinerinnen ein Fest, ihr Fest zum Internationalen Frauentag gefeiert. [M. J.] --- English translation --- With Brave Hearts and Diligent Hands Reception for 300 Berlin women in the House of Ministries / Kick-off to International Women's Day The reception was lovely last year too, but this Wednesday, when the DFD (Berlin state board) and the FDGB again invited about 300 Berlin activists, best workers and DFD functionaries to the House of Ministries, the women soon sensed a difference. Flowers, bright lights, white-clothed tables, music and laughter had been there then too. But this time the laughter was warmer and the mood merrier. [Unreadable] greetings were exchanged, hands waved. The IDFF representatives, who had come as guests of honour, smiled back. Vera Natcheva, the representative of Bulgaria, and Deda Mihalcea of Romania quickly found their feet; they know International Women's Day celebrations from their countries. Clara Youille from England, Mrs Pouran of Iran and the charming young Mrs Mauna from Syria were admittedly a little astonished. Darmini, the black-haired Indonesian woman who has lived in Berlin for some months and has taken the Berliners to her heart, had a lot to explain. But there was also a great deal to see and hear. The choir of the Händel secondary school sang classical and new songs. National Prize winner Wolfgang Langhoff acquainted the women with some of the most beautiful peace poems in world literature, and Amy Frank of the Deutsches Theater repeated with stirring urgency the words of the Spanish freedom fighter Dolores Ibárruri, La Passionaria, which she had called out to German women at a rally in the Friedrichstadt-Palast in early December 1951. 'Let us turn our grief for the dear dead of the Second World War into a strength that must be used to defend the lives of the young generation.' Ilse Thiele, deputy chair of the DFD Berlin state association, assured on behalf of German women that they have recognised their task and will devote all their strength to peace, above all to bringing about a peace treaty with Germany. Twenty-six women construction workers were then honoured by an FDGB representative as the most determined representatives of the Berlin women's will for peace. Jubilant approval greeted 72-year-old Klara Höhle, the first to receive the FDGB's letter of thanks, a book prize, a large HO gift basket and a voucher. Since 1945 the sprightly woman, whom no one would take for seventy, has worked on Berlin building sites. [...] Greetings and thanks from the city council were brought by Lord Mayor Ebert himself. He thanked the Berlin women for their energetic commitment in all fields and promised that the administration would do more than before to make life easier for working women. [...] Only deep into the night did they part. After the often strenuous and arduous work of a year, the Berlin women had celebrated a festival, their festival for International Women's Day. [M. J.]