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Neue Zeit, 6 February 1960, S. 1: IDFF an die Großmächte

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Wochenend-Ausgabe mit verstärktem Umfang ZENTRALORGAN DER CHRISTLICH-DEMOKRATISCHEN UNION DEUTSCHLANDS 6. JAHRGANG — NR. 31 SONNABEND, 6. FEBRUAR 1960 BERLINER AUSGABE / 15 PFENNIG Ulbricht und Grotewohl bei Chruschtschow Meinungsaustausch über Deutschland — Völlige Einmütigkeit ‚ Moskau (ADN). Der Erste Sekretär des ZK der KPdSU und Vorsitzende des Ministerrats der UdSSR, Chruschtschow, empfing am Freitag tär des ZK der SED, Walter Ulbricht, und den Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, zu einer Unterredung, Es fand in freundschaftlicher und sphäre ein Meinungsaustausch über Problem im Hinblick auf die bevorstehende Gipfelkonferenz statt. Chruschtschow, Ulbricht und Grotewohl erörterten die weiteren. Bemühungen der Sowjetunion und der Deutschen Demokratischen Republik, die ' den Ersten Sekre- Otto Grotewohl, darauf abzielen, so bald wie möglich einen Friedensvertrag mit Deutschland abzuschließen und die anomale Lage in Westberlin zu beseitigen. In allen erörter-; ten Fragen wurde völlige Einmütigkeit festgestellt. Es wurde beschlossen, den Meinungsaustausch über beide Seiten interessierende Fragen, die im Verlauf der Vorbereitungen zur Konferenz der Regierungschefs herzlicher Atmodas Deutschlandauftreten können, im Mai dieses: Jahres fortzusetzen. Bei der Unterredung waren der Vorsitzende der Staatlichen Plankommission, Minister für Nationale Verteidigung der DDR, Willi Stoph, und der Botschafter der UdSSR in der DDR, Perwuchin, zugegen. Bruno Leuschner,. der Eindringliche Mahnung zur Verständigung Christen begrüßen Brief Walter Ulbrichts an’ Adenauer — Nicht abseits stehen! BEN Aus dem Inhalt: Dr..theol,. Erich Beyreuther: Bruder der Armen Siziliens Dr.. Herbert Landmänn: Röntgenstrahlen gegen Tbe Kurt Münchow: Lippenstift oder Heilmittel? (Gesundheitsseite) Wir haben keine Sorgen um die Kinder — Das Mädchen auf “dem Schwebebalken (Frauenund Jugendseite) Ist Schweitzer bürgerlicher Philosoph? Heinrich Böll: Hundefängers Westberliner Chic aus dem Sächsischen Im:Brennspiegel der Zeit Ausführliches Rundfunk-, Fern- "seh- und: Bühnenprogramm NANNTE Bekenntnis eines ERNNNITTUNNINULRRRAUU BRUTALEN Berlin (NZ). In einer Stellungnahme zum Brief Walter Ulbrichts an Adenauer betonte Superintendent Lucas (Usedom): „Wenn der Weg freigemacht wird für die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes in Frieden und Freiheit, darf: der Christ nicht abseits stehen. Darum werden auch die Christen den Brief Walter Ulbrichts begrüßen. Von ihrer christlichen Weltanschauung her tragen sie eine große Verantwortung’ für das Leben und das: Wohl, aller Menschen.“ Lucas wandte:sich in diesem Zusammenhang gegen das: Atomwettrüsten: „Die Menschheit kann und darf nicht im Schatten der Wasserstoff- und Kobaltbombe leben, sie muß nach der: Vernichtung aller Massenvernichtungswaffen streben und auf der Seite derer sein, die dazu- Rufer im Streit-sind.“:, : Pfarrer: Stelzner aus Milzau (Kreis Merseburg) erklärte: „Der äus ernster Sorge um die Erhaltung‘ des Friedens in Deutschland’ geschriebene Brief des 1; Sekretärs des ZK der SED an den Vorsitzenden der CDU/CSU u Leine eindringliche Er Weltöffentlichkeit hat das friedliche Ahliegen dieses Briefes verstanden. Auch wır als christliche Menschen in der DDR begrüßen diesen Brief und hoffen, daß die verantwortlichen Politiker - Westdeutschlands sich dem Gebot der Stunde nicht verschließen mögen.“ Der Vorsitzende des Bezirksfriedensrates Leipzig, Unionsfreund. Josef Hodes; sagte: „Man muß sich fragen, warum die Bonner Regierung eine Volksabstimmu: über die Ab- Tüstung.. über « Rüstungsstopp und einen Friedensvertrag ablehnt und zu verhindern sucht. Die Antwort kann nur lauten; Bonn bereitet ist einen Blitzkrieg gegen die DDR vor und braucht dazu. keine Volksbefragung, sondern eine Volksknebelung, wie sie der frühere SA-Mann und jetzige Bonner Innenminister Schröder ‚durch seine Notstandsgesetze erreichen will.“ Die Hintermänner stehen nicht vor Gericht Prozeß gegen Kölner Synagogenschänder begann — Strunk kaufte Hitlers „Mein Kampf“ Köln (NZ/ADN). Vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Köln begann am Freitag der Prozeß gegen Arnold Strunk und Paul-Josef Schönen, die in der Weihnachtsnacht 1959 die Kölner Synagoge und das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus am Hansa-Ring mit Hakenkreuzen und judenfeindlichen Parolen beschmierten. Die beiden Synagogen-Schänder, die eine Welle neonazistischer Ausschreitungen auslösten, sind Mitglieder der Reichspartei (DRP).: Ihre Hintermänı.er sitzen nicht auf der Anklagebank. Wie sich aus der Anklageschrift ergibt,. hatte Schönen schon Wochen vorher am Gebäude des Rates des Kreises Köln und am Gebäude der Kölner Kommerzbank faschistische Losungen angebracht. Auch Strunk hatte schon vor der Schandtat am Weihnachtsabend antisemitische Parolen gemalt. Die Vernehmung des 26jährigen Bäckergesellen Strunk ergab, daß die Verhältnisse in der Bundesrepublik Unionsfreunde aus Netzeband: 1300 Eier bis zum 10. Parteitag In der CDU - Ortsgruppe Netzeband wollen die Unionsfreunde Ernst Steege und Helmut Jeetz aus ihrem dividuellen Aufkommen besseren Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch, Fett und Eiern bis zum 10. Parteitag zwei Bullen, zwei Schweine und 1300 Eier abliefern. Alle Mitglieder dieser Ortsgruppe schlossen sich der Gesellschaft für Deutsch- Sowjetische Freundschaft an. ANEINANDER faschistischen Deutschen, seine faschistische Gesinnung erst ermöglichten. Er konnte sich in Kölner Buchhandlungen nazistische Literatur kaufen und sich daran „bilden“. So erstand er für 25 Mark Hitlers „Mein Kampf“, Goebbels „Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei“, „Hitler als Feldherr“ und Schriften, die die SS verherrlichen. Sein in schwarz-weißroten Farben gehaltenes Zimmer mit Bildern von Hitler, Goebbels und Horst Wessel wurde zum Treffpunkt von Neonazisten. Schon in den ersten Stunden der Verhandlung stellte sich heraus, wohin der Vorsitzende des Gerichts, Landgerichtsdirektor Metze, zielt: Der faschistische Exzeß in Köln soll als die Tat einiger wirrer DRP-Mitglieder hingestellt werden, die Beziehungen zur DDR unterhalten hätten. Aussteliung des Irak eröffnet Zum erstenmal nach der Revolution im Ausland Berlin (NZ). In Anwesenheit von Vertretern der Regierung und der Volkskammer sowie einer irakischen Regierungsdelegation wurde am Freitag in Berlin die erste Ausstellung der Republik Irak im Ausland nach der Revolution eröffnet. Der Leiter der irakischen Regierungsdelegation, der Botschafter in der CSR, S. E. Rund 537000 DM haben die Gothaer Waggonbauer bereits auf ihren Siebenjahrplanfonds überwiesen. Diese Ersparnisse erarbeiteten sie sich seit April 1959. Der Anteil der Jugend beträgt allein über 40 000 DM, die auf dem Konto junger Sozialisten stehen. Gronchi unterwegs nach Moskau Der italienische Staatspräsident Gronchi hat am Freitag seine Reise zu dem angekündigten Staatsbesuch in die Sowjetunion angetreten. Er machte zunächst in Kopenhagen Zwischenstation und reist heute nach Moskau weiter. Mol beim Präsidenten Kubas er stellvertretende sowjetische een Mikojan, der am Baher Faik, betonte in seiner Eröftnungsansprache, daß die Ausstellung die Freurdschaft und Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Völkern vertiefen werde. Der Präsident der Arabischen Gesellschaft, Minister Ernst Scholz, würdigte die Bedeutung der irakischen‘ Revolution und die Aufbauleistungen des befreundeten Volkes. Donnerstag auf Kuba eintraf und von Ministerpräsident Fidel Castro herzlich begrüßt wurde, stattete am gleichen Tage dem kubanischen Staatspräsidenten Dorticos einen Besuch ab. Vorsitzende des Leninpreis-Komitees Der Präsident der ‚Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Nesmejanow, und der Schriftsteller Tichonow wurden als. Vorsitzende des Leninpreis-Komitees für Wissenschaft und Technik bzw. für Literatur und Kunst bestätigt. Woroschilow wieder in Neu Delhi ‘Kliment ' Woroschilow, Frol Koslow und Jekaterina Furzewa sind am 'Freitag aus.-Nepal nach Neu Delhi zurückgekehrt. In der nepale- DIE DELEGATION der Nationalen Front und der örtlichen Staatsorgane der DDR besuchte bei ihrem Aufenthalt in der ostenglischen Stadt Ipswich auch eine Schule. 'Ipswich war die erste Station ihrer Reise durch Großbr: , die bis nach Edinburg führt. Foto: ZB Zum antisemitischen Problem Von Wolfgang Wiefel, Die Ausschreitungen der vergangenen Wochen haben denen eine bittere Lehre erteilt, die gemeint hatten, der Antisemitismus sei tot und das einträchtige Zusammenleben der Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft mit ihren Mitbürgern sei: in allen Ländern gewährleistet. Der Antisemitismus besonders in Westdeutschland keineswegs tot. setzung: mit.ihm: darf. deshalb nicht aufhören und ist vor allem für uns Christen unumgänglich. Als in Westeuropa die Gettomauern fielen, hoffte man, daß nun auch der Antisemitismus, der Judenhaß, aus der Welt verschwinden würde. In der Antike hatte er sich daran entzündet, daß die Juden (jedenfalls die maßgebende strengere Richtung unter ihnen) sich aus Treue zu Glauben und Sitte der Väter von der heidnischen Umwelt fernhielten und an der Religionsmischung nicht teilhatten. Das brachte ihnen bei einigen Gebildeten die bewundernde Bezeichnung als Volk der Philosophen, bei der Menge aber den Vorwurf des Hasses gegen das Menschengeschlecht ein. Im Jahre 1799, am Vorabend der rechtlichen Emanzipation,. richtete der geistige Führer der Berliner Juden, David Friedländer, an den Hofprediger und rationalistischen Theologen Abraham Teller ein und legte ihm die Frage vor, unter welchen Bedingungen man bereit sei, ihn und seine Freunde in die Gemeinschaft der Christen aufzunehmen. Eine lebhafte literarische Diskussion, die über zwanzig Schriften hervorbrachte, wurde ausgelöst. Solange das Getto bestand, brachte der Uebertritt zum Christentum den Juden in der Regel die völlige soziale Entwurzelung. Nun kam eine große Zahl angesehener und gebildeter Juden und begehrte die Taufe, 537000 Mark auf Siebenjahrplanfonds sischen Hauptstadt Katmandu wurden den sowjetischen Gästen bei einer Freundschaftskundgebung stürmische Ovationen dargebracht. China hilft Indonesien Einen Kredit in Höhe von 30 Millionen Dollar für den Ankauf von Ausrüstungen für Textilfabriken hat die Volksrepublik China Indonesien gewährt. IDFF an die Großmächte Das Büro der Internationalen Demokratischen Frauenföderation richtete von einer Tagung in Djakarta einen Brief an die vier Großmächte, Darin wird erklärt, die 200 Millionen Die: Auseinander-, theologischer Aspirant die nach dem bekannten Wort Heines das „Entreebillett zur modernen Kultur“ war. Aber auch die bei der mosaischen Religion verbliebenen Juden glichen sich nach Lebensweise und Denkart schnell der Umwelt an. Dennoch brachte das Jahrzehnt der Emanzipation: auch die Geburtsstunde des „modernen“, des „Rassen“-Antisemifismus: Der Volkstums- Kult der ‚beginnenden Romantik und Unterströmungen ' der deutschen’ Aufklärung (Lavaters Physiognomik und ihr 'Begriff der „race“) mögen dabei Pate gestanden haben. In den breiten Schichten des von der Industrialisierung bedrohten.. Kleinbürgertums griff das ° Mißtrauen gegen jeden ‚Juden, auch den getauften, immer mehr um sich, Zahllose Schriften und Flugblätter verbreiteten in diesen Kreisen teils in pseudowissenschaftlicher Aufmachung, teils in germanomanem Pathos die These von der 'Alleinschuld der Juden an allem Unheil der Welt. Für die Juden mußte es immer deutlicher werden, daß die Umwelt ihre Angleichung und Eingliederung gar nicht ernstlich wollte, Sie brauchte das jüdische Gegenbild. Indem man die Misere einer entfrerndeten Welt und des eigenen ° Lebens auf den’ Juden -projizierte, glaubte man der Aenderung des Weltzustandes und des eigenen Lebens, der individuellen und sozialen Umkehr, enthoben zu sein. Daß weite Teile der Christenheit an diesem Antisemitismus teilhatten, ist nicht zuletzt auf das Zerrbild der Juden zurückzuführen, das die religiöse Unterweisung, sei es gewollt, sei es ungewollt, bot, Die Kreuzigung Jesu Christi wurde nicht einer heillosen, sich der Wahrheit verschließenden Welt, an der auch unser Volk und unsere Generation teilhat, zugeschrieben, sondern der Bosheit der Juden. Das Wesen des „Christlichen“: Antisemitismus enthüllt sich als: radikale Selbstrechtfertigung. Am Gegenbild des Juden will man sich der eigenen Gottgefälligkeit und Wohlanständigkeit des eigenen Tuns versichern. Mochte es offen, mochte es versteckt geschehen, in der Verschleierung der Heillosigkeit des Weltstandes waren sich säkularer und „christlicher“ Antisemitismus einig. Von der Theologie viel zu spät erkannt, kaum bekämpft, wurde die christliche Fehlhaltung gegenüber dem Judentum zu einer wichtigen Hilfestellung für den mörderischen Antisemitismus der Nationalsozialisten. Der Antisemitismus mußte ja mit innerer Notwendigkeit zum Grundbestandteil jenes politischen Systems werden, in dem die bürgerliche Welt ihrem historisch fälligen Ende durch Rückfall in die Barbarei zu entgehen suchte. Der Versuch der in der IDFF organisierten Frauen‘ Auslöschung der Juden entsprang der Welt hofften, daß die Gipfelkonfegenz erfolgreich sein möge. “dem Versuch des Bürgertums, das ‚Bewußtsein der eigenen unerträglich. 243

English translation

=== [Page 1] === --- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) --- IDFF an die Großmächte Das Büro der Internationalen Demokratischen Frauenföderation richtete von einer Tagung in Djakarta einen Brief an die vier Großmächte. Darin wird erklärt, die 200 Millionen in der IDFF organisierten Frauen der Welt hofften, daß die Gipfelkonferenz erfolgreich sein möge. China hilft Indonesien Einen Kredit in Höhe von 30 Millionen Dollar für den Ankauf von Ausrüstungen für Textilfabriken hat die Volksrepublik China Indonesien gewährt. --- English translation --- WIDF to the great powers The bureau of the Women's International Democratic Federation sent a letter to the four great powers from a session in Djakarta. It declares that the 200 million women of the world organised in the WIDF hope that the summit conference will be successful. China helps Indonesia The People's Republic of China has granted Indonesia a credit of 30 million dollars for the purchase of equipment for textile factories.