Neue Zeit, 9 February 1960, S. 1: Ilse Thiele über Welle Djakarta
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NEUE ZEIT
ZENTRALORGAN DER CHRISTLICH-DEMOKRATISCHEN UNION DEUTSCHLANDS
16. JAHRGANG — NR. 33
DIENSTAG, 9. FEBRUAR 1960
BERLINER AUSGABE / 15 PFENNIG
Zehn Jahre Jugendförderungsgesetz
Festveranstaltung der Berliner Jugend im Beisein Walter Ulbrichts — Ansprachen Erich Honeckers und Ministers Prof. Dr. Lemmnitz
Berlin (NZ). Die Jugend unserer Republik beging am Montag in großer Dankbarkeit gegenüber ihrem Arbeiter-und-Bauern-Staat den 10. Jahrestag der Verabschiedung des Gesetzes zur Förderung der Jugend. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand eine Festveranstaltung im Zentralen Klub der Jugend und Sportler in der Stalinallee, an der Tausende Jugendliche aus beiden Teilen Berlins teilnahmen. Im Präsidium der Veranstaltung hatten, von stürmischem Beifall begrüßt, der 1. Sekretär des ZK der SED und Initiator des Jugendgesetzes, Walter Ulbricht, sowie weitere führende Persönlichkeiten und Sportler, darunter Gustav-Adolf Schur und Gisela Birkemeyer, Platz genommen.
Das Mitglied des Politbüros des ZK der SED Erich Honecker erklärte in einer Ansprache, das Jugendgesetz sei der sichtbarste Ausdruck für das Vertrauen, das Partei und Regierung von Anfang an der Jugend entgegengebracht haben. Die Jugend habe nicht nur mit begeisterten Worten, sondern auch mit begeisterten Taten geantwortet, um ihres Glückes eigener Schmied zu sein. [Unreadable] stellte fest, daß die im [Gesetz] gestellten Aufgaben Jahr um Jahr gelöst worden seien.
Unsere Republik sei auf dem Gebiet der Jugendförderung Westdeutschland weit überlegen. Wenn man Adenauer fragen wollte, was er in den zehn Jahren für die Jugend getan habe, so müßte er antworten, daß er der Jugend weder Frieden noch Glück gebracht habe. Er habe der Jugend zwar das zweifelhafte Recht auf Soldat spielen, aber kein Recht der Mitbestimmung gegeben. Wo der Krieg vorbereitet werde, sagte Honecker, gebe es [Notstands-] und Wehrpflichtgesetz, also Gesetze gegen die Jugend. Die Interessen der Jugendlichen kommen dort unter den Stiefel der Militaristen. Unsere Erfolge in der DDR seien Errungenschaften für ganz Deutschland, und die DDR sei das Vaterland der Jugend ganz Deutschlands. Honecker appellierte an die Jugend, sich ständig zu qualifizieren, und sagte, der Sozialismus brauche Menschen, die etwas wissen und können, die Meister ihres Faches sind.
Anschließend nahm Volksbildungsminister Prof. Lemmnitz das Wort, der die Grüße der Regierung überbrachte. Er sagte, daß es noch heute rückständige Auffassungen über die Rolle der Jugend in unserer Republik gebe. Darum erziehen die [Unreadable] (Fortsetzung auf Seite 2)
Ministerpräsident Grotewohl gibt Regierungserklärung ab
Berlin (ADN). Die Erklärung der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik in der für Mittwoch, den 10. Februar, einberufenen Plenarsitzung der Volkskammer wird vom Vorsitzenden des Ministerrates, Ministerpräsident Otto Grotewohl, abgegeben werden. Die Erklärung ist im Hinblick auf [die] politische Weltlage von [Unreadable]
Menon für Verhandlungen zwischen DDR und Bonn
DDR-Delegation bei Ministerpräsident Nehru — Traktor für indisches Community-Projekt
Neu Delhi (NZ/ADN). Der indische Verteidigungsminister Krishna Menon hat Verhandlungen zwischen den beiden deutschen Staaten als notwendig bezeichnet. In einem Gespräch mit den Mitgliedern der gegenwärtig in Indien weilenden Regierungsdelegation der DDR unter Leitung von Heinrich Rau wies Menon am Montag darauf hin, daß er bereits vor fünf Jahren vor der UNO diesen Standpunkt vertreten habe. Während der Unterredung, die in einer freundschaftlichen Atmosphäre verlief, wurden Fragen der internationalen Entspannung erörtert.
Die Delegation wurde am Montagnachmittag vom indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru zu einer mehr als einstündigen Unterredung empfangen. Es wurden Fragen der Entspannung der internationalen Lage unter besonderer Berücksichtigung der Probleme behandelt, die auf der bevorstehenden Gipfelkonferenz zur Debatte stehen. Das Gespräch verlief in freundschaftlicher Atmosphäre.
Am Sonntag hatte die Delegation die Weltlandwirtschaftsausstellung in Neu Delhi besichtigt. Bei einem Empfang der Leitung des DDR-Pavillons der Ausstellung übergab Heinrich Rau einem indischen Community-Project einen Traktor als Geschenk von Ministerpräsident Grotewohl.
„Oberländer darf nicht mehr Minister sein"
Schwerwiegende Anklagen gegen Bonn — „Das Regime steht zur Debatte"
Berlin (NZ/ADN). „Wenn solche Leute, die weiterschwimmen im Fahrwasser ihrer ruhmreichen Vergangenheit, in höchsten Regierungsämtern gehalten werden, weltweiten Protesten zum Trotz, dann steht nicht allein mehr ihr individueller Fall zur Debatte, sondern ein Regime, das sich solcher Exponenten bedient." Diese schwerwiegende Anklage gegen die Adenauer-Regierung erhebt die Westberliner Gruppe des sozialdemokratischen Studentenbundes SDS an der Dahlemer Universität unter Hinweis auf solche in der Bonner Regierung sitzenden prominenten Nazis wie Oberländer. Die Anklage wird in der neuen Ausgabe des SDS-Blattes „Debatte" erhoben.
„Grundsätzlich steht fest, daß Herr Oberländer vor der deutschen und der Weltöffentlichkeit das Recht, Minister zu sein, verwirkt hat. Der Herr Professor Oberländer gehört ... zu jenen Hintergründigen, die durch [Unreadable] ihre [Unreadable] Tätigkeit die Atmosphäre erst gezüchtet haben, in der das Grauen' haft[e] möglich wurde." [Unreadable] Dies stellt die der SPD nahestehende Coburger [Unreadable] fest.
Der Westberliner CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Friedensburg hat jetzt öffentlich auf einer Veranstaltung in Westberlin den Rücktritt Oberländers verlangt.
Pfarrer Grisshammer: Adenauers Unzulänglichkeit nachgewiesen
Berlin (NZ). Die in Düsseldorf erscheinende „Deutsche Volkszeitung" veröffentlichte eine Stellungnahme von Pfarrer Grisshammer aus Hitzkirchen in Hessen zu dem Brief Walter Ulbrichts an Adenauer. „Das fanatische Interesse der Regierung in Bonn am kalten Krieg mit der DDR blickt auf eine zehnjährige Praxis zurück", schreibt der Geistliche. „Ihrer Manie, die ostdeutschen Angebote der Verständigung abzulehnen, ist die Bundesregierung [Unreadable] beherrschende Eigensinn bzw. der sie bevormundende [Unreadable] macht sie zu einer gesamtdeutschen Politik absolut unfähig." Der Vorstoß Ulbrichts habe erneut die vollständige Unzulänglichkeit Adenauers nachgewiesen.
74 neue LPG-Mitglieder
Bezirksverband Rostock meldet: Seit dem 7. Plenum des ZK der SED sind im Ostseebezirk Rostock 74 Unionsfreunde Mitglied einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft geworden. Es handelt sich dabei [um] Einzelbauern, die gemeinsam mit ihren Familienangehörigen den Weg der sozialistischen Großraumproduktion beschreiten.
[Bildunterschrift:] DER KAMPF UM DIE QUALITÄTSVERBESSERUNG im Kunstseidenwerk „Friedrich Engels" in Premnitz wird von den Mitgliedern der Jugendbrigade „10. Jahrestag der DDR" durch Aufdeckung von Fehlerquellen tatkräftig unterstützt. Foto: ZB
SPD-Konfettischlacht mit Phrasen
Von Wilhelm Karl Gerst, Bonn
In einem Memorandum, das am 1. Februar veröffentlicht wurde, konstruiert eine Gruppe rechter SPD-Führer Konsequenzen, die in der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus für die praktische Arbeit gezogen werden „müßten". Von „der Zeit, in der wir leben", sagt dieses Memorandum, daß die fortschreitende wissenschaftlich-technische Revolution die menschliche Gesellschaft verändere, daß wir im Übergang zu einem neuen Zeitalter lebten, das die neue Ordnung der Welt und eine neue Stellung des Menschen in ihr bringen werde. Aber bei dieser Erkenntnis ignoriert man geflissentlich, daß dieses neue Zeitalter der Sozialismus ist, der Frieden.
Eine solche neue Ordnung zu gestalten, sah die SPD Jahrzehnte hindurch als ihre sozialistische Aufgabe an. Ihre Führer haben diese Aufgabe verraten, obwohl ihnen, wie in dem Memorandum behauptet wird, bewußt ist, daß in den [im Westen] stehenden (kapitalistischen) Staaten immer mehr ein sich ausbreitendes Mißverhältnis von materieller Macht und politischem Unvermögen die große Lebensbedrohung der [Menschheit] liege.
Das Dokument spiegelt die Angst der reaktionären Kräfte in der SPD vor dem Sozialismus wider, der einmal das Programm ihrer Partei war. Deshalb bezeichnet man heute den friedlichen Wettbewerb des Sozialismus mit dem Kapitalismus als eine Herausforderung, und man bezichtigt die Sowjetunion machtpolitischer Absichten, um eine Begründung für die Frontbildung gegen den Kommunismus zu gewinnen. Die Herren Kapitalisten hören das natürlich sehr gern. Und sie folgern daraus, daß die SPD, nachdem sie den Marxismus über Bord geworfen hat, nun auch alle staatspolitischen Grundsätze verleugnen werde, die sie noch vor nicht einem Jahr als ihre Deutschland- und Außenpolitik veröffentlicht hat.
Damals in ihrem Deutschland-Plan sprach man noch von der Bildung einer gesamtdeutschen Konferenz [als] unterster und erster Stufe einer Wiedervereinigung, gebildet von Beauftragten der beiden deutschen Regierungen. In dem neuen Memorandum werden alle Kontakte mit politischen Stellen der DDR auf das schärfste verurteilt, und man will jeden aus der Partei hinauswerfen, der sich an solchen Kontakten beteiligt.
Wer ohne eine solche Regierungserlaubnis, zu der die Parteierlaubnis ohnehin noch kommen muß, künftig zu irgendeinem Deutschlandtreffen in der DDR reist, wird nicht nur aus der Partei ausgeschlossen, anschließend schickt ihm die Adenauer-Regierung noch den Staatsanwalt auf den Hals, um ihn vor Gericht zu stellen, weil er im kommunistischen Interesse die SPD unterwandern wollte. Genau einen solchen Prozeß gab es vor einigen Tagen in Köln. Dort wurden sieben frühere SPD-Mitglieder aus keinen anderen Gründen zu Gefängnisstrafen verurteilt.
Um den SPD-Genossen einen Maulkorb vorzubinden, bedurfte es nicht großer, sich wissenschaftlich gebärdender Worte. Vergleicht man die Größenordnung hüben und drüben, so gewinnt man den Eindruck einer Konfettischlacht mit Phrasen gegen eine wissenschaftlich und technisch-industriell für einen Konkurrenzkampf gerüstete Weltmacht. Man hätte dann so formulieren müssen: Wir wollen den staatlichen Schutz der SPD gegen das Einsickern marxistischer [Unreadable]
Präsident Gronchi im Kreml
Gespräche zwischen italienischen und sowjetischen Staatsmännern
Moskau (NZ/ADN). Der italienische Staatspräsident Gronchi traf am Montag, dem dritten Tage seines Aufenthaltes in der Sowjetunion, im Kreml mit dem sowjetischen Staatsoberhaupt Woroschilow, Ministerpräsident Chruschtschow und anderen sowjetischen Politikern zusammen. Bereits am Sonnabend war Gronchi von Chruschtschow in dessen Arbeitszimmer empfangen worden. Bei einem Essen, das das Präsidium des Obersten Sowjets zu Ehren des italienischen Präsidenten gab, stellte Woroschilow in einer Ansprache fest, daß sich in der letzten Zeit auf beiden Seiten ein Streben nach Verstärkung der guten Beziehungen zwischen beiden Ländern abzeichne. Gronchi erwiderte, unter den heutigen Bedingungen seien alle Länder Nachbarn, und sämtliche Probleme gingen auch alle [an]. Am Sonntagmorgen nahm Gronchi an einem katholischen Gottesdienst in der Moskauer St. Louis-Kirche teil. Die Messe zelebrierte ein amerikanischer Pater. Nach einer Stadtrundfahrt begab sich Gronchi in ein in der Nähe Moskaus gelegenes Landhaus der Sowjetregierung, wo er Gast Chruschtschows war.
Industrieausstellung der DDR im Irak
Der irakische Ministerrat stimmte der Durchführung einer Industrieausstellung der DDR im Irak zu. Sie soll im Oktober stattfinden. Als Ausstellungsgelände ist ein Platz im Zentrum von Bagdad vorgesehen.
Mikojan bei Textilarbeitern Kubas
Der stellvertretende sowjetische Ministerpräsident Mikojan wohnte am [Sonntag] einer Versammlung kubanischer Textilarbeiter bei, auf der die Arbeiter der Regierung eine Geldspende zum Ankauf von Waffen überreichten. In einer kurzen Ansprache betonte Mikojan, daß das sowjetische Volk an der Seite des kubanischen Volkes stehe und seinem Kampf um wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit größte Sympathien entgegenbringe.
Verkehrsjuristen tagen in Dresden
Vom 9. bis 18. Februar 1960 findet in Dresden eine Konferenz der Rechtsexperten des Verkehrswesens der sozialistischen Länder statt. Inhalt der Besprechung sind u. a. Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Verkehrswesens.
Bald Flugverbindung Berlin—Belgrad
Zwischen Berlin und Belgrad soll mit Beginn der Sommersaison eine regelmäßige Flugverbindung eingerichtet werden. Ein entsprechendes Abkommen zwischen den Regierungen Jugoslawiens und der DDR wurde am Wochenende in Belgrad unterzeichnet.
Ilse Thiele über Welle Djakarta
Die Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands, Ilse Thiele, sprach am Wochenende im indonesischen Rundfunk über den Friedenskampf der Frauen der DDR. Ilse Thiele hatte in Djakarta an einer Tagung der [Unreadable] Demokratischen Frauenföderation teilgenommen.
English translation
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--- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) ---
Ilse Thiele über Welle Djakarta
Die Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands, Ilse Thiele, sprach am Wochenende im indonesischen Rundfunk über den Friedenskampf der Frauen der DDR. Ilse Thiele hatte in Djakarta an einer [Büro-Tagung] der [Internationalen] Demokratischen Frauenföderation teilgenommen.
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Ilse Thiele on Radio Jakarta
The chair of the Democratic Women's League of Germany, Ilse Thiele, spoke on Indonesian radio at the weekend about the GDR women's struggle for peace. Ilse Thiele had taken part in Jakarta in a [bureau meeting] of the [International] Democratic Women's Federation.