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Neues Deutschland, 23 November 1965, S. 7: Neue Repressalien in Indonesien

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Nationale und internationale Politik 23. November 1965 / ND,*/ Seite; 7 Die jugoslawische Wirtschaftsreform Von Dr. Georg K r a u s Genosse Kardelj, Sekretär des Zentral komitees des Bundes der Kommunisten und Präsident des Parlaments, äußerte im Gespräch mit einem Journalisten: „Die Wirtschaftsreform drückt vorüber gehend auf den Lebensstandard, schafft aber Voraussetzungen für eine gesunde Regelung der Preisprobleme auf der Ba sis einer hohen Arbeitsproduktivität. Erfolge und. Disproportionen Einer def Mängel der jugoslawischen Wirtschaftsentwicklung ist das Zurück bleiben der Rohstoffproduktion und der Energieerzeugung hinter dem Tempo der verarbeitenden Industrie, obwohl das Land an eigenen Naturrohstoffen reich Ist. Es wurden z. B. Buntmetalle, Halb fabrikate, Zement, Glas usw. eingeführt. Jetzt soll die Rohstoffproduktion beson ders gefördert werden. Eine nicht minder schwerwiegende Dis proportion entstand ' zwischen Industrie und Landwirtschaft. Während die durch weg volkseigene Industrie recht hohe Zu wachsraten aufweist (im Jahresdurch schnitt 9 Prozent, 1964 sogar 16 Prozent), stagniert die Produktion der überwie gend privatbäuerlichen Landwirtschaft (nur 16 Prozent der nutzbaren Boden fläche gehören dem vergesellschafteten Sektor an). Die Folge ist ein hoher Im portbedarf - an landwirtschaftlichen Pro dukten wie Weizen (jährlich rund eine Million Tonnen), Zucker und anderen Nahrungsmitteln. Die große Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln belastete die Handels bilanz Jugoslawiens in zunehmendem Maße, ihr Defizit stieg. Das Land hat gegenwärtig über eine Milliarde Dollar Auslandssch ulden. Eines der Hauptziele, die sich die Re gierung gestellt hat, ist eine' möglichst rasche Verbesserung der Außenhandels bilanz. Eine.einschneidende Maßnahme dafür war die Abwertung des Dinars. Der Dollar wurde bis Ende Juli offiziell mit 750 Dinar gleichgesetzt, der neue JDollar- Kurs ist gleich 1250 Dinar. Jugoslawische Waren können jetzt auf dem Weltmarkt, in Devisen gerechnet, für wesentlich nied rigere Preise angeboten werden. Davon erwartet man eine Steigerung des Ex ports. Die bisher übliche zentrale Subven tionierung des Exports, die das Staats budget stark belastet hat, fällt weg. Auf Fertigwarenimporte- werden Zölle bis zu 20 Prozent gelegt. - Für die Zahlungs bilanz des Landes spielt der Fremdenver kehr eine große Rolle: vom veränderten Dinarkurs erhofft man günstige Auswir kungen auf ihn. Notwendige Veränderungen Die niedrigen Rohstoffpreise kamen einer zentralen Subventionierung der Fertigwarenindustrie gleich. Da die ver arbeitende Industrie Rohstoffe dank die ser Subventionierung unter ihrem Wert bezogen hatte, hat sie unreal kalkuliert Die Begünstigung der Fertigwarenindu strie hatte eine unreelle Ausdehnung be stimmter Produktionszweige zur Folge. Betrieb? wurden häufig nach lokalistischen oder betriebsegoistischen Gesichts punkten erweitert oder neu errichtet. Es entstanden durch derartige zentral finan zierte Fehlinvestitionen Uberkapazitäten. Begünstigt wurde diese Entwicklung da durch, daß der Export, wie schon erwähnt, bisher zentral subventioniert wurde und hohe Einnahmen der Betriebe aus dem Absatz Im Innern oft durch willkürliche, von den Produzentenräten und den Werkleitungen auf Kosten der Käufer beschlossene Preiserhöhungen entstanden; Die Folge war zunehmende Teuerung und Geldentwertung. Senkung der Selbstkosten Durch welche Maßnahmen soll diesen Schwierigkeiten abgeholfen werden? Wohlgemerkt, es handelt sich dabei um Schwierigkeiten im Voranschreiten. Die Konkurrenzfähigkeit der Produkte sowohl im Export als auch auf dem inneren Markt soll durch radikale Senkung der Gestehungskosten" erreicht werden. Dazu ist größte Sparsamkeit in der Verwaltung, im Materialverbrauch und in der Ver wendung der Arbeitskraft, rasche Stei gerung der Arbeitsproduktivität durch technische Neuerungen und straffe Ar beitsdisziplin, ferner rationelle Aus nutzung der Produktionsmittel. durch Einführung von zwei oder drei Schichten erforderlich. Betriebe sollen zusammengelegt, zur rationellen Koope ration und Spezialisierung veranlaßt werden. Gefordert wird die Einführung des strengsten Prinzips der Entlohnung nach der Leistung an Stelle einer zuwei len praktizierten gleichmacherischen -Verteilung" der Betriebsgewinne. Der materielle Anreiz für bessere persönliche und gesamtbetriebliche Leistungen wird erhöht. Als einen Hebel zur Erreichung dieser Ziele betrachten die jugoslawischen Ge nossen die Erhöhung der Eigenverant wortlichkeit der Werkbelegschaften und Werkleitungen für das Schicksal ihrer Betriebe. Durch Abschaffung der Be triebs-Einkommensteuer werden dem Betrieb 71 Prozent (bisher 51 Prozent) seiner Einnahmen zur eigenen Disposi tion belassen, also bedeutend mehr als bisher. (An die zentrale Staatskasse werden nur noch 29 Prozent abgeführt.) Mit diesen erhöhten Mitteln muß der Betrieb für alle Ausgaben einschließlich notwendiger Neuinvestitionen für tech nische Verbesserungen oder Erweiterun gen, also für erweiterte Reproduktion bzw. Akkumulation, selbst aufkommen. Der Betrieb kann mit zentralen Subven tionen nicht mehr rechnen. Berücksichtigt er die Forderungen der Wirtschaftlichkeit nicht, so wird er nicht nur keine Gewinne an die Belegschaft ausschütten können, sondern muß unter Umständen die Löhne senken, die Belegschaft verkleinern oder sogar nach Bankrotterklärung den Betrieb schließen und die Belegschaft ganz ent lassen. Erste positive Auswirkungen Genosse Kardelj bemerkte über die Re form, er glaube nicht, daß man durch sie schon die restlose Stabilisierung des Wirt schaftssystems gefunden hätte. Aber: „Wir suchen weiter", äußerte er zu Jour nalisten. Insgesamt jedoch wird die Re form zweifellos dazu beitragen, die Ent wicklung der jugoslawischen Volkswirt schaft zu beschleunigen. Die ersten posi tiven Auswirkungen zeigen sich in einer beträchtlichen Zunähme des Exports, was zur Senkung des Außenhandelsdefizits führt. Die jugoslawischen Werktätigen werden unter Führung des Bundes der Kommu nisten, der aktiven Mitwirkung seiner betrieblichen Grundorganisationen bei der Verwirklichung der Reformen neue, bedeutende Erfolge In ihrem sozialisti schen Wirtschaftsaufbau erreichen. „Zanzibar Voice": DDR anerkennen Waffen für Bonn in Aden erprobt London (ADN-Korr.). Das von Bonn in Großbritannien bestellte neue Waffen system „Green-Archer" — eine Radar anlage zur Aufspürung von Minenwer fern — wird zur Zeit in Aden im Kampf einsatz- gegen Araber erprobt. Kriegs minister von Hassel wird am Donnerstag bei einem Besuch in London laut „Times" von seinem britischen Kollegen Healey über die Ergebnisse der Erprobung infor miert werden. Alberto Lovera in Lebensgefahr UdSSR fordert Nichteinmischung Neue Repressalien in Indonesien Djakaffa (ADN). Über Weitere Repres salien indonesischer Militärbehörden und ziviler rechtsgerichteter Kreise gegen fortschrittliche Kräfte des Landes berich tet die indonesische Presse. Danach hat der Chef des Militärbezirks Südborneo, Brigadeseneral Amir Machmoud, mitge teilt, daß in seinem Kommandobereich be reits 1600 Personen festgenommen worden sind. Beim Gouverneur von Mitteljava liegen Meldungen vor, nach denen allein in der Ortschaft Wonogit bei Surakarta 1630 Personen verhaftet wurden. Die indo nesische Nachrichtenagentur Antara stellt fest, daß alle festgenommenen Personen der Kommunistischen Partei, der Frauen organisation „Gerwani", der Jugend organisation „Permuda Rakiat", der „Bauernfront" oder der „Partei Indone sien" (Partindo) angehören. Putsch vereitelt Santo Domingo (ADN). In der Domini kanischen Republik wurde am Montag ein reaktionärer Putsch verhindert. Eine Gruppe Soldaten - hatte den Sender von Santiago de los Caballeros besetzt und den rechtsextremen Politiker Alciblades 'Espinos zum Präsidenten ausgerufen. Die Putschisten konnten verhaftet werden. Tags zuvor waren OAS-Truppen in einer „Routineübung" auf die Stadt vorge stoßen. USA-Bomben auf laotische Stadt Krupp und Siemens als Hauptkomplicen Johannesburg/Berlin (ND). 24 Stunden nach Bekanntwerden der Ehodesienresolution des Sicherheitsrates, die vor allem eine Einstellung der Eräöllleferungen verlangt, werden aus Johannesbure weitere Einzelheiten eines internationalen Komplotts bekannt, in dem Westdeutschland die Rolle eines der Hauptkomplicen spielt. Es verlautet gleichzeitig, daß die westdeutschen Imperiallsten dem Smith« Regime auch mit HeeresmaterialHeferangen und Millionenkrediten Schützenhilfe leisten wollen. Die ebenfalls in Johannesburg erschei nende i,Sunday Times" berichtete am gleichen Sonntag laut UPI „unter Beru fung auf einflußreiche südafrikanische Regierungskreise, die Regierung von Süd afrika • wird Rhodesien jede wirtschaft liche Unterstützung gewähren". A Rhodesische Unternehmer führten in ^ der Bundesrepublik Verhandlungen, um Heeresmaterial für mehr als 5 Millio nen Pfund Sterling zu bestellen, enthüllt die tansanianische Zeitung „Ngurumo". Diese Bestellungen sollen teilweise durch Kredite der Deutschen Bank finanziert werden, wofür bereite eine Vereinbarung zwischen Bankdirektor Hermann Abs und dem Smith-Regime getroffen worden sei. Gleichzeitig habe eine rhodesische Abordnung von Vertretern der Handels und Finanzkreise in Westdeutschland über die Überführung eines Teils ihrer Guthaben aus London in westdeutsche Banken für den Fall britischer Sanktionen verhandelt.. Das Flugzeugwerk in Kempton Park wird eng mit dem Institut für Raketen forschung in der Nähe von Pretoria zu sammenarbeiten. In diesem Zusammen hang wird daran erinnert, daß die Bun deswehr an der Raketenstation Tsumeb in Südwestafrika mitwirkt. Der südwest afrikanische Politiker Emil Appolus hatte vor Monaten in der regierungsamt lichen tansanianischen Zeitung „Nationa list" gewarnt, „daß jeder beliebige Ort auf dem afrikanischen Kontinent für die Raketen erreichbar" sei. die von west deutschen Rüstungsexperten in Tsumeb montiert werden. Kernwaffenverbreitung muß verhindert werden Weltfriedensrat ruft zum Kampf gegen Bonns Atompläne auf Sofia (ADN7ND). Namhafte Mitglied der des Präsidiums des Weltfriedensrates informierten am Montag in Sofia auf einer Pressekonferenz über die soeben beendete Präsidiumstagung. James Endicott (Kanada) teilte mit, daß das Präsi dium die Einstellung der USA-Aggression und die Anerkennung der FNL Südviet nams als Verhandlungspartner bei Bemü hungen zur friedlichen Lösung des Viet namproblems fordert. An alle Friedens kräfte wird appelliert, den 27. November und 20. Dezember als Tage der Solidarität zu begehen. Im Kommunique über die Tagung wird unter anderem erklärt: „Bei der Erörte rung der europäischen Sicherheit wurde unterstrichen, daß das Schlüsselproblem in der gegenwärtigen Situation die Nichtweitergabe von Kernwaffen ist, um zu verhindern, daß die deutsche Bundesrepu blik in den Besitz von Atomwaffen ge langt. Diesem Problem müssen die Frie denskräfte in der ganzen Welt größte Auf merksamkeit widmen* Das Präsidium des Weltfriedensrates unterstutzt den Vorschlag der nichtpakt gebundenen Staaten, eine Weltkonferenz über die Abrüstung unter Teilnahme aller Staaten einzuberufen. Seine nächste Ta gung ist für Anfang März 1966 geplant. Auf der Tagesordnung stehen Fragen der Friedensbewegung und der Struktur des Weltfriedensrates. kurzdokumentation wird sich im Vergleich zu 1964 auf etwa 7,7 Prozent belaufen. Zweitens: Die wirtschaftliche Entwick lung des Landes war 1965 gleichmäßiger als in allen vorangegangenen Planjahren. Die Proportionen zwischen der Steigerung der industriellen und der landwirtschaft lichen Erzeugung gestalteten sich gunstiger. Infolge der besseren Belieferung der Landwirtschaft mit Mineraldünger und des günstigen Wetters wurde in Polen die bisher höchste Ernte an Getreide, Heu und Raps eingebracht. Die Erträge an Zucker rüben und Kartoffeln liegen zwar, etwas niedriger als 1964, werden aber noch als gut bezeichnet. In der Viehwirtschaft hat der Schweinebestand zum ersten Male das Niveau vom Juni 1962 wieder über treffen. Alles in allem dürfte die land wirtschaftliche Produktion mit einer Er höhung von sieben Prozent gegenüber 1964 um fünf Prozent über den Plan zielen liegen. Die Investitionsausgaben waren mit ins gesamt 137 Milliarden Zloty um 7,6 Pro zent höher als 1964. Dadurch konnte der Bau von Schlüsselobjekten erheblich forciert werden. Ein Teil von ihnen hat in diesem Jahr die Produktion aufgenom men. Die Inbetriebnahme von weiteren Objekten mit teilweise großen Kapazi täten ist für die nächsten Monate ge plant. Stefan Jedrychowski betonte, daß die Erfolge allerdings noch größer sein könnten, wenn es nicht bei einer Reihe wichtiger Investitionen beträchtliche Ver zögerungen gegeben hätte. Obwohl die Umsätze im Binnenhandel bedeutend höher sind, wirken sich Schwie rigkeiten, Mißernten und Disproportionen der letzten Jahre noch immer ungünstig auf die Marktsituation aus. Dies ist — so sagte der Referent — die Hauptschwäche der gegenwärtigen Wirtschaftslage. Wäh rend des ganzen Jahres habe es trotz der Tatsache, daß das Marktaufkommen um etwa 12 Prozent stieg, besonders bei Fleisch- und Wurstwaren immer noch Mängel in der Befriedigung der Nach frage gegeben. Deshalb ist bei Fleisch und Wurst für dae kommende Jahr eine Be schränkung des Exports vorgesehen. Der Verkauf dieser Waren im Binnenhandel soll um etwa acht Prozent steigen. Als wichtigste Aufgaben für 1965 wer den die Festigung und Stärkung der gegenwärtigen ökonomischen Errungen schaften und die endgültige Überwindung aller entstandenen Disproportionen ge nannt. Deshalb sieht der Plan — bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Reserven ein gemäßigteres Tempo der Produktions steigerung vor. Die Industrieproduktion soll um etwa 6,5 Prozent wachsen, wobei die chemische Industrie mit zehn Prozent und der Maschinenbau mit 9,2 Prozent an der Spitze stehen. Innerhalb der Chemieindustrie erreichen die Erzeugung an Stickstoffdüngemitteln (um 25,3 Pro zent), synthetischen Fasern (um 24,8 Pro zent) und Kunststoffen (um 31 Prozent) den größten Zuwachs. Im Maschinenbau wird als Hauptaufgabe die grundlegende Modernisierung der Erzeugnisse gestellt. Bei der Planung in der Landwirtschaft wird berücksichtigt daß die pflanzliche Produktion um etwa 5,4 Prozent niedriger als in diesem Rekordjahr und die tierische Produktion um 0,8 Prozent höher sein wird. Die Planaufgaben in der pflanz lichen Erzeugung fußen in Polen seit langem auf dem Durchschnitt der letzten vier Jahre. Auf dieser Grundlage ist für 1966 eine Steigerung von 3,6 Prozent vor gesehen. Beachtenswert ist die- angekün digte wesentliche Erhöhung der Mineral düngerlieferungen ab zweites Halbjahr 1966. Und 1967 soll die Landwirtschaft schon 22,8 Prozent mehr Mineraldünger als 1966 erhalten. An Investitionen werden im kommen den Jahr 145 Milliarden Zloty aufgewen det. Unter den wichtigen Objekten, die tn Betrieb genommen werden, befinden sich die ersten Anlagen des Sückstoffkombinats Pulawy, der fünfte Hochofen in der ' Lenin-Hütte, ein neues Zementund Kalkkombinat und die AcrylnitrylanlagS auf Erdgasbasis im Stickstoffwerk Tarnow 2. Es wird mit dem Bau der Fern gasleitungen Pulawy— Warschau und Tarnöw— Skawlna. des Wärmekraftwerks Bydgoszcz, der Phosphordüngerfabrik Gdansk, einer neuen Walzanlage in der Lenin-Hütte und einer ganzen Reihe von Betrieben der Leicht- und Bauindustrie begonnen werden. Mit den großen Erfolgen. bei der Er füllung des diesjährigen Planes haben Polens Werktätige günstige Startbedin gungen für den kommenden Fünfjahrplan geschaffen, dessen Entwurf in den ersten Monaten des nächsten Jahres vom Sejm beraten werden solL Libanon vor 22 Jahren, am 22. November 1943j wurde Libanon von französischer Kolonialherrschaft frei. Die nur 10 400 km* umfassende Republik an der Ostküste des Mittelmeeres Ist ein Land uralter Geschichte. Seine landschaftliche Schönheit ist seit alters her berühmt. Auf den Spitzen der Bergketten des Libanons und Antilibanons liegt der Schnee bis weit Ins Jahr hinein. Von Werner Kolmar, Warschau Polens oberste Volksvertretung, der Sejm, tritt regelmäßig jedes Jahr im November zusammen, um die aktuelle Wirtschaftssituation des Landes und die Aufgaben für das kommende Planjahr zu erörtern. Die diesjährige Sitzung er hielt einen besonderen Akzent durch den Umstand, daß sich das Land an der Wende zweder Fünfjahrpläne befindet. Der Vor sitzende der Staatlichen Plankommission, Stefan Jedrychowski, konnte seit 1961 keinen so optimistischen Bericht geben wie diesmal. „1965" - so sagte er - „war ein gutes Jahr der beschleunigten Ent wicklung der Volkswirtschaft". Dafür gibt es zwei charakteristische Merkmale. Erstens: Die Industrieproduktion steigt höher als im Plan vorgesehen und erreicht den größten Zuwachs seit 1961. Die land wirtschaftliche Erzeugung und das Natio naleinkommen übertrumpfen ebenfalls die Planziffern und haben die höchsten Steigerungsquoten im gegenwartigen Fünfjahrplan. Die Erhöhung des zur Ver teilung gelangenden Nationaleinkommens Sejm beriet Aufgaben in der Volkswirtschaft Die Lehre von Plei Me Was sonst noch passierte Im Sommer hat das jugoslawische Par lament Gesetze zur Einleitung einer Re form der Wirtschaft verabschiedet. Höhere Arbeitsproduktivität, technische Modernisierung, niedrigere Gestehungs kosten, reale Rentabilität der Betriebe das sind die unmittelbaren Ziele, die die jugoslawische Wirtschaft mit der Reform ansteuert. Angestrebt wird erhöhte Kon kurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, da durch Verbesserung der Handelsbilanz, ferner Beseitigung »orhandener Dispro portionen zwischen verschiedenen Wirt schaftszweigen. Mit selbstkritischer Offenheit wurde seit dem VIII. Parteitag der jugoslawi schen Kommunisten (Dezember 1964) von Fehlern im Wirtschaftsablauf gesprochen und über ihre Beseitigung diskutiert. Die Wirtschaftsreform soll nun nach einem Ausspruch des Genossen Tito einem „chirurgischen Eingriff" gleichkommen, der nicht ohne Schmerzen vor sich gehen wird. Es wurde einkalkuliert, daß durch die Reformmaßnahmen vorübergehend sogar das Lebensniveau der Werktätigen sinken wird. Die jugoslawische Industrie weist be deutende Erfolge auf. Sie hat sich, wenn man die Globalziffern der Produktion be trachtet, gut und rasch entwickelt. Im Vergteichf zur Vorkriegszeit stieg sie auf das Sechsfache, das Nationaleinkommen allein seit 1952 auf das Dreifache. Eine Anzahl neuer Industrien wurde entwickelt. Viele Zweige, wie z. B. die Elektroindustrie, weisen In wissenschaftlich-technischer Hinsicht große Fortschritte und Erfolge auf. Dadurch sind für die Vertiefung der Zusammenarbeit unserer beiden Länder im Kampf um den wissenschaftlich-tech nischen Höchststand gute Voraussetzun gen gegeben. Bei diesem gewaltigen Wachstum sind, jedoch Disproportionen entstanden, die nun beseitigt oder zumin dest gemildert werden sollen. Ausschlaggebend sind die Veränderun- Ben, die die Reform auf dem Gebiet der materiellen Produktion bewirken soll. Da im jugoslawischen Wirtschaftssystem die zentralen staatlichen Planungsorgane nur eine empfehlende und korrigierende Rolle spielen, haben sich verschiedene Zweige der Industrie ungleichmäßig entwickelt. Dadurch entstanden die erwähnten Dis proportionen. Um nun die zurückgeblie bene Rohstoffproduktion und Energie erzeugung anzuregen, sind ihre Preise. wesentlich erhöht worden, der Stahlpreis z. B. um mehr als ein Drittel (+36 Proaent). der Strompreis um 30 Prozent. „Bis her lebte die verarbeitende Industrie auf Kosten der Rohstoff Produzenten", heißt Mit der Reform sind Erscheinungen verbunden, die vorübergehend die Le benshaltung breiter Schichten herab drücken. Offiziell wurde eine Erhöhung der Industriewarenpreise um 24 Prozent und die der Lebensmittel um 32 Prozent angeordnet. Die Löhne wurden aufgebes sert Im Laufe, des Sommers setzte eine Teuerungswelle. e}n, die durch staatliche Eingriffe inzwischen teilweise wieder zu rückgedrängt worden ist, die Tendenz zur Teuerung hält aber an. Dazu kommt, daß die bisher üblichen Subventionen für. Wohnungsmieten, Haushaltstrom, Gas, Wasser und Stadtverkehr zwecks Ent lastung des Staatshaushaltes abgeschafft worden sind. Dadurch sind z. B. Mieten um 64 Prozent, Strom um 43 Prozent •teurer geworden. ' Sansibar' Wochenzeitung „Zanzibar Voice" hat in ihrer jüngsten Ausgabe entschieden die von Westdeutschland praktizierte Hall stein-Doktrin verurteilt und sich für die Anerkennung der DDR ausgesprochen. In einem längeren Artikel heißt es: „Der DDR die Anerkennung zu verweigern, wird zu nichts Gutem führen." Wichtig sei, daß die DDR ihre Außenhandels beziehungen auf der Basis der Gleich berechtigung aufbaue und keine politi schen Bedingungen stelle. Die politische Zusammenarbeit mit der DDR sei eben falls äußerst vorteilhaft. Als sozialisti scher Staat sei sie ein natürlicher Ver bündeter der jungen Staaten im Kämpf gegen Kolonialismus und Imperialismus. New York (ADN). Die Sowjetunion hat in der UNO-Vollversammlung einen Re solutionsentwurf i,über die Unzulässig keit einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten, über die Wahrung ihrer Unabhängigkeit und Sou veränität" eingebracht. Mit der Resolu tion soll die UNO alle Staaten warnen, die sich im Widerspruch zur UN-Charta in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischen. Caracas (ADN). Genosse Alberto Lo vera. Mitglied des. Politbüros des ZK der KP Venezuelas, der vor einigen Tagen verhaftet wurde, schwebt in Lebens gefahr. Es wird befürchtet, daß die Poli tische Polizei, die seit langem nach ihm fahndete, Ihn foltert und ermordet. Demokratische Parlamentarier haben eine Anfrage an den Innenminister ge richtet, in der. auf die Gefahren für Lo vera hingewiesen wird. Der Minister ver weigerte jede Antwort. Hanoi (ADN). Vier amerikanische Düsenflugzeuge vom Typ F 105 haben am Wochenende die Stadt Khan Khay in Laos bombardiert. Wie die vietnamesische Nachrichtenagentur VNA unter Bezug nahme auf eine Meldung des Senders „Stimme der Pathet Lao" berichtet, wurden bei dem Angriff zahlreiche Ge bäude offizieller Institutionen, darunter die der Internationalen Laos-Kommission, beschädigt. Die Gehenkten den Henkenden: Denkt an Nürnberg Zeichnung aus „Prawda" Zweifellos stellt Plei Me einen Höhe punkt der USA-Niederlage dar. Doch macht er nur verdichtet deutlich, daß der bisherige Aggressionsverlauf eine Kette amerikanischer Schlappen ist. Selbst Laien konnten dies an der.Eskalation" von 30000.Beratern auf jetzt 170 000 im Fronteinsatz befindlichen Amerikanern ablesen. Wer siegt, braucht keine Ver stärkung. Niemand bezweifelt; daß Wa shington das verbrecherische Todesspiel fortsetzen, seine Truppen und Vietnams Opfer vergrößern kann. Doch dürfte jetzt wohl auch jedem klar sein, daß die Aggressoren den Krieg nicht gewinnen können. Daher darf man ihnen keine Chance zur Ausdehnung und Verlängerung des Krieges und seiner entsetzlichen Folgen für ein leidgeprüftes, heldenhaftes Volk lassen. Der Schluß ist zwingend: Man muß sich uneingeschränkt mit der Solida rität der Tat hinter Vietnam stellen und die grausamen Eindringlinge zum schnell sten Abzug zwingen. Die geschlossene Front der Völker gegen den Aggressor das ist das dringende Gebot der Stunde! Ein gutes Jahr luv Polen Die 2,2 Millionen Einwohner sind zu 90 Prozent Araber, im übrigen Armenier, Kur den und Tscherkessen. Die eine Bevölke rungsgruppe gehört dem Islam, die andere dem Christentum an. Das GlelchgewlTit zwischen den Religionsgemeinschaften Ist auch Anliegen der Verfassung: So muß der auf sechs Jahre gewählte Präsident stets ein maronitischor Christ, der Premier ein sun« nitlscher Moslem sein. Industrie und Landwirtschaft sind nur zu knapp einem Drittel am Nationaleinkommen beteiligt. Dagegen ist das Land ein be* kanntes Handelsund Transitzentrum. Dia Republik gehört zur Gruppe der nichtpakt gebundenen Staaten, nahm an den Konfe renzen von Bandung (1955), Belgrad (1961) und Kairo (1964) teil und Ist Gründungs mitglied der Arabischen Liga. Gemeinsam mit der Mehrzahl der arabischen Staaten brach Libanon Im Mal dieses Jahres die di plomatischen Beziehungen zur Bundesrepu blik ab, als diese ihre langjährige antiara bische ökonomische und militärische Kollabo ration mit den herrschenden Kreisen Israels durch Aufnahme diplomatischer.Beziehungen krönte. Die Beziehungen zwischen der DDR und Libanon entwickeln sich gut. Seit 1954 arbeitet In, der pulsierenden Hauptstadt Beirut eine DDR-Handelsvertretung. Die ökonomischen Beziehungen zwischen beiden Ländern er weiterten sich besonders nach Abschluß des Handels- und Zahlungsabkommens auf Re gierungsebene im Jahre 1961. Die libane sische Teilnahme an der Leipziger Messe ist bereits gute Tradition geworden. Es ver stärkte sich auch n den letzten Jahren dia Zusammenarbeit der Parlamentarier sowla der kulturelle und sportliche Austausch. Die Vorsitzende des Fraitenklubs in Auausta (USA) kündigte in einer Monatsversammlung eine Schriftstellerin mit den Worten an: Junser Gast ist heute die einzige Rednerin. Der Rest des Abends ist dem Vergnügen gewid met." Das Präsidium beschloß, eine Reihe namhafter Friedenskämpfer mit der gol denen Friedensmedaille „Frede'ric Joliot- Curie" auszuzeichnen. Es sind dies: Nguyen van Troi (postum, Südvietnam), Tran van Dang (postum, Südvietnam), Oscar Lange (postum, Polen), Abdoulaye Diallo (Guinea), James Endlcott (Ka nada), Alfred Di ekle (Australien), Frank Hartley (Australien). Martin Niemöller (Westdeutschland), Linus Pauling (USA). Valentina Tereschkowa (UdSSR), Velkko Svinhufvud (Finnland). Alfredo Varela (Argentinien), Heinz Willmann (DDR), Hashim Hussaini (Libanon) und Mary Clarke (USA). Salazar liefert Ol für Smith-Regime £t Laut Reuter berichtete am Sonntag ^^ der Johannesburger „Sunday Ex press" triumphierend „Die rhodesische Regierung Smith hat Vereinbarungen mit Portugal getroffen, um die Erdölver sorgung im Falle von Sanktionen zu sichern." Es sei ausgemacht worden, „daß die Raffinerie Lourenco Marques (Mocambique) den gesamten Bedarf Rhode siens decken soll". Die Sache sei so orga nisiert: „Die SONAREP, die Tochterge sellschaft des portugiesischen " ölkonzerns SONAP in Mocambique, hat seit langem versucht, Eingang in den rhodesischen Markt zu finden. Der starke Widerstand anderer Erdölgesellschaften ließ dies bisher nicht zu. Das öl für Rhodesien wird aus Angola über Mocambique und Südafrika kommen. In Erwartung eines festen Marktes wird Portugal in den nächsten fünf Jahren 15 Millionen Pfund Sterling auf den ölfeldern Angolas an legen." A Es sei auch kein Zufall, so wird von ** den gleichen Beobachtern betont, daß Alfried Krupp seine Reise nach Angola und Südafrika wenige Tage nach dem rhodesischen Staatsstreich unternahm. Während er in Angola vor der Presse die umfangreiche Zusammenarbeit mit dem Salazar-Regime und den verstärkten Ausbau der Eisenerzgruben in Cassinga offen darlegte, rollt sein Aufenthalt in Südafrika laut AFP als i,geheimes Be suchsprogramm" ab. Dies hänge mit den direkten Rüstungfragen der Verschwö rung Bonn— Pretoria zusammen. #k Am Wochenende hatte die west- ** deutsche Agentur DPA ausgeplau dert, daß in Kempton Park bei Johannes burg zahlreiche westdeutsche Facharbei ter und Ingenieure bei der Entwicklung einer Flugzeugindustrie des Verwoerd- Reglmes mitwirken. In Kempton Park wird zur Zeit das erste Flugzeugmon tagewerk Südafrikas aufgebaut. Die westdeutschen Flugzeug- und Raketen experten kommen von den Firmen Bölkow GmbH (an denen der Krupp-Kon zern beteiligt ist),. von Siemens und von der Gruppe AEG/Telefunken. Ki. Seit Monaten hatte Washington, sekundiert von amerikanischen und west deutschen Monopolorganen, der Welt öffentlichkeit südvietnamesische „Siegesmeldungen" verkauft. Das Pentagon sdiwelgta überoptimistischen ' Prognosen und nahm Vorschußlorbeeren auf den »Endsieg ". Die Schlacht um P ei Me ließ das Kartenhaus' zusammenstürzen. UPI offenbarte,.daß die Amerikaner die bisher schwersten Verluste im Vietnam krieg erlitten". AP kabelte den deut lichen Augenzeugenbericht des Sergean ten Seise um den Erdball: .Ich bin noch nie so schnell gerannt." Und aus Süd vietnam kommt die ernste Ziffer, daß allein in den ersten beiden November wochen 3200 Amerikaner gefallen sind genausoviel wie von Januar bis Juli. Nach den gegenwärtigen— vorsichtig ge haltenen — Schätzungen wird die Indu strieproduktion um etwa 9,5 Prozent im Verhältnis zu 1964 steigen, was einer Plan erfüllung von 102,8 Prozent gleichkommt. Ursache des überdurchschnittlichen hohen Zuwachses ist die Übergabe einer ganzen Reihe neuer Betriebe und Abteilungen in eihe neuer Betriebe und Abteilungen in aen letzten Monaten. Gleichzeitig wurde in vielen anderen Werken die Kapazität besser ausgelastet. Besondere Beachtung verdient das rasche Tempo in den vor rangig entwickelten Zweigen. Die Chemie industrie wird ihre Produktion gegenüber 1964 um etwa 16,5 Prozent und der Ma-. schinenbau um etwa 14,7 Prozent erhöhen.

English translation

=== [Page 1] === --- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) --- Neue Repressalien in Indonesien Djakarta (ADN). Über weitere Repressalien indonesischer Militärbehörden und ziviler rechtsgerichteter Kreise gegen fortschrittliche Kräfte des Landes berichtet die indonesische Presse. Danach hat der Chef des Militärbezirks Südborneo, Brigadegeneral Amir Machmoud, mitgeteilt, daß in seinem Kommandobereich bereits 1600 Personen festgenommen worden sind. Beim Gouverneur von Mitteljava liegen Meldungen vor, nach denen allein in der Ortschaft Wonogiri bei Surakarta 1630 Personen verhaftet wurden. Die indonesische Nachrichtenagentur Antara stellt fest, daß alle festgenommenen Personen der Kommunistischen Partei, der Frauenorganisation „Gerwani“, der Jugendorganisation „Pemuda Rakiat“, der „Bauernfront“ oder der „Partei Indonesien“ (Partindo) angehören. --- English translation --- New reprisals in Indonesia Jakarta (ADN). The Indonesian press reports further reprisals by Indonesian military authorities and civilian right-wing circles against the country's progressive forces. According to it, the chief of the South Borneo military district, Brigadier General Amir Machmoud, has announced that 1,600 people have already been arrested in his command area. The governor of Central Java has received reports that in the locality of Wonogiri near Surakarta alone 1,630 people were arrested. The Indonesian news agency Antara states that all the persons arrested belong to the Communist Party, the women's organisation "Gerwani", the youth organisation "Pemuda Rakiat", the "Peasants' Front" or the "Partai Indonesia" (Partindo).