Berliner Zeitung, 3 November 1968, S. 5: Protest gegen Massaker
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Text
Seite 5 — Nr. 304 — BERLINER ZEITUNG
Sonntag, 3. November 1968
POLITIK
Protest gegen Massaker
Berlin. ADN/BZ
Ihre tiefe Empörung über die fortlaufenden Massaker in Indonesien hat die Internationale Demokratische Frauenföderation (IDFF) in einem Telegramm an General Suharto zum Ausdruck gebracht. Die an zahlreichen indonesischen Patrioten und Demokraten verübten Verbrechen stellten eine flagrante Verletzung der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO dar.
Es geschah in dieser Woche
Von ANNA MUDRY
Die Namen Njono, Sudisman und Wirjiomartono verlängern die Liste der 200000 oder 300000 indonesischen Kommunisten — niemand kennt die genaue Zahl —, die seit dem 1. Oktober 1965 dem Terror des Suharto-Regimes zum Opfer fielen. Trotz Gnadengesuches wurden die beiden Mitglieder des Politbüros der KP Indonesiens und der Sekretär des Distrikts Djokjakarta hingerichtet. Hunderttausende starben, zu Tode gehetzt, niedergemetzelt, unter Folterqualen. Die KZ und Gefängnisse sind überfüllt, Hunger und Seuchen grassieren, täglich werden neue Verhaftungen bekannt. „In der Menschheitsgeschichte ist es noch nie vorgekommen, daß solche Riesenmassen von Menschen in Friedenszeiten aus ideologischen Beweggründen vernichtet worden wären." Mit dieser Anklage charakterisiert das Zentralkomitee der KPdSU das Klima des Terrors in Indonesien, dessen Hauptziel es ist, die einst drei Millionen Mitglieder zählende Kommunistische Partei zu zerschlagen.
Den Vorwand für die Blutorgie, die von der indonesischen Reaktion gefeiert wird, lieferte der Versuch der von Oberstleutnant Untung geführten Gruppe linker Offiziere („Bewegung des 30. September"), die Armeeführung zu stürzen. Als das Unternehmen scheiterte, sahen die in- und ausländischen Kräfte, denen Stärke und Einfluß der Kommunisten ein Dorn im Auge waren, ihre Stunde gekommen. Eine Gruppe rechter Offiziere unter General Suharto riß die Macht an sich und versuchte, beginnend mit der „Säuberungsaktion", dem Land ihren reaktionären innenpolitischen Kurs aufzuzwingen. Eine USA-Zeitung bezeichnete den Putsch als das „beste Geschenk" der letzten Jahre. Für das indonesische Volk aber brach eines der tragischsten Kapitel seiner Geschichte an. Nicht nur die Kommunisten sind von der physischen Ausrottung bedroht. Der Verdacht, mit [Unreadable]
[...] Destruktion und die Unsicherheit haben zu einem wirtschaftlichen Chaos ohnegleichen geführt. Indonesien ist mit 2,5 Milliarden Dollar verschuldet. Zusammen mit den Kurzarbeitern sind 14 Millionen Arbeitslose registriert. Ausländische Monopole, an ihrer Spitze US-amerikanische, nehmen die günstige Gelegenheit für Investitionen wahr. Neue Anleihegesuche von 500 bis 600 Millionen Dollar, die das Suharto-Regime an den „Klub der Gläubiger", dem die USA, Japan und einige westeuropäische Länder angehören, richtete, ziehen die Schlinge um Indonesien noch fester.
USA-Wahlen
Von MANFRED LEMAIRE
Am Dienstag werden theoretisch rund 121 Millionen, tatsächlich etwa 70 Millionen Wähler in den USA die Vorentscheidung über den künftigen Präsidenten treffen. Vorentscheidung deshalb, weil keine direkte Wahl erfolgt. Die Stimmen werden 538 Wahlmännern gegeben, die jeweils bereits einer Partei verpflichtet sind, und diese geben am 15. Dezember wiederum ihre Stimmen ab. Es ist also am Mittwoch, wenn die Auszählung abgeschlossen ist, noch keine endgültige Entscheidung zu erwarten, wohl aber die Richtung, in der das Wahlmänner-Ergebnis gehen wird. Zugleich werden die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie Senatoren und Gouverneure bestimmt und auch andere Posten besetzt.
Der „demokratische" Präsident Johnson hatte Ende März auf eine erneute Kandidatur verzichtet, schwer angeschlagen durch seine verbrecherische Politik des Krieges gegen Vietnam und die innenpolitischen Kämpfe, also den sich vor allem in der Form des Rassenkonfliktes äußernden Klassenkampf. Die Demokraten nominierten daraufhin Hubert Humphrey, den jetzigen Vize Johnsons; die Republikaner stellten Richard Nixon auf, die „Unabhängige Partei" den Rassisten George Wallace, ehemals Berufsboxer.
Die Entscheidung wird zwischen Nixon und Humphrey fallen, dem Johnson durch den erzwungenen Bombardierungsstopp gegen die DRV in letzter Minute einen demagogischen Vorteil zuzuspielen suchte. Die beiden Hauptkandidaten der Bourgeoisie haben natürlich diesem Schritt zugestimmt. Und keiner hat natürlich zugegeben, daß es sich nicht um „Großmut" der USA handelt — der Kriegsverbrecher Johnson hätte längst vor den Pariser Gesprächen DRV–USA im Mai den völkerrechtswidrigen Bombenkrieg gegen die DRV einstellen müssen, ja, ihn ebenso wie die ganze Intervention in Vietnam überhaupt nicht beginnen dürfen.
Es wird sich zeigen, welchen Einfluß der Erfolg des vietnamesischen Volkes, seine Unterstützung durch die sozialistischen Staaten und die breite Weltöffentlichkeit auf die Politik der USA und deren neuen (37.) US-Präsidenten haben wird, der Ende Januar 1969 sein Amt antritt. Sowohl Humphrey als auch Nixon als auch der am offensten reaktionär aufgetretene Wallace (seine beiden „Kollegen" hielten sich taktisch zurück und machten in staatsmännisch-freiheitlichem Biedermannstum) sind der Monopolbourgeoisie und deren Globalstrategie absolut verpflichtet. Ob sie Lehren aus dem internationalen Kräfteverhältnis und den mehr denn je ungelösten sozialpolitischen Problemen der USA ziehen werden, bleibt dahingestellt. Eine echte Alternative bietet nur die zahlenmäßig kleine und vielfältig behinderte, von der Bourgeoisie diskriminierte KP der USA.
Demokratisches Programm gegen große Koalition
Progressive Kräfte schlossen sich in Dortmund zusammen
Dortmund. ADN-Korr./BZ
Ein Gründungskongreß für das Aktionsbündnis demokratischer und sozialistischer Kräfte zur Bundestagswahl 1969 fand am Samstag in der Dortmunder Westfalenhalle statt. „Es gibt kein Ereignis nach den Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze, das die Herrschenden in Bonn so fürchten wie diesen Kongreß", erklärte Dr. Hans Brender namens des vorbereitenden Ausschusses des Kongresses vor etwa 2000 Teilnehmern. Durch ein Gegenprogramm zur „großen Koalition" in Bonn will das Wahlbündnis eine demokratische Alternative entwickeln, um „eine andere Politik wählbar zu machen". „Jetzt wird entschieden, ob wir dem Großkapital den Staat endgültig überlassen wollen", rief Brender aus und unterstrich, daß nur durch aktiven Kampf aller Demokraten der Einfluß der Monopole zurückgedrängt werden könne. Über 2000 westdeutsche Persönlichkeiten hatten den Aufruf zum Gründungskongreß unterschrieben und ihre Unterstützung zugesagt. Die Deutsche Kommunistische Partei hat dem Kongreß erklärt, „vertrauensvoll mit allen zusammenzuarbeiten, die sich dem Neonazismus und Diktaturbestrebungen entgegenstellen". Zustimmungserklärungen liegen auch von der Deutschen Friedensunion, dem Bund der Deutschen und einer Gruppe christlicher Persönlichkeiten vor.
Bonner Schützenhilfe für USA
Warschau. ADN-Korr./BZ
Die [polnische] Presse wertet den Besuch Kiesingers in Portugal und Spanien sowie die Reise Brandts nach Lateinamerika als Ausdruck des Bonner Strebens, die Hegemoniestellung der Bundesrepublik als Hauptverbündeter der USA zu festigen. „Trybuna Ludu" erklärt, das Ziel der Reise Brandts habe [Unreadable] u. a. auch darin [bestanden] [Unreadable] „daß die Unterschiede zwischen der Bonner Sozialdemokratie und der CDU in den Schatten treten, wenn es darum geht, dem westdeutschen Kapital den Weg für seinen Marsch zur Eroberung der Welt zu bereiten". [Unreadable]
[Photo caption:] So kann man es auch machen, aber da muß man natürlich an der Quelle sitzen. Bei der kleinen Zsuzsi trifft das zu. Sie wohnt in Kunbaja (Südungarn), wo es große Weinberge gibt. Foto: ZB-MTI
Keine Verjährungsfrist
Moskau. ADN/BZ
Die Bonner Regierung ist verpflichtet, jeden Kriegsverbrecher seiner gerechten Strafe zuzuführen. Niemand und nichts kann sie von dieser Verpflichtung befreien. Diese Feststellung trifft am Sonnabend die „Iswestija". Die sowjetische Zeitung führt aus, daß „das Völkerrecht keine Verjährungsfrist für die Naziverbrechen vorsieht". Das Blatt erklärt: „Mit dem Abkommen der alliierten Mächte vom 8. August 1945 über die gerichtliche Verfolgung und die Bestrafung der Hauptkriegsverbrecher der europäischen Achsenmächte wurde das internationale Tribunal gegründet. Die Prinzipien des Status dieses Tribunals und des Nürnberger Urteils sind durch Resolutionen der UNO-Vollversammlung bekräftigt worden. Sie sind zu allgemein gültigen Völkerrechtsnormen geworden."
Neuer Rüstungskonzern
München. ADN/BZ
Die Konzentration in der westdeutschen Flugzeug- und Raketenindustrie ist auf eine neue Stufe gehoben worden. Mit der Unterzeichnung der Fusionsverträge zwischen dem größten Trägerwaffenproduzenten der Bundesrepublik, der Bölkow-GmbH (München), und der Messerschmitt AG (Augsburg) am Freitag in Ottobrunn bei München wurde die Fusion beider Unternehmen zum größten Flugzeug- und Raketenkonzern mit über 12300 Beschäftigten besiegelt. Sitz des neuen Rüstungs-Superkonzerns ist München.
Rusk: Einstellung der Bombardierung bedeutet nicht das Ende des Kampfes
Hanoi/Berlin. ADN/BZ
In einer Erklärung zu der von USA-Präsident Johnson angeordneten Einstellung der Bombenangriffe auf die DRV stellt die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam am Sonnabend u. a. fest: „Die Vereinigten Staaten mußten die Bombardierungen des gesamten Territoriums der DRV einstellen, nachdem sie während vier langer Jahre entsetzlichste Verbrechen gegen die Bevölkerung Nordvietnams begangen und fünf Monate lang die Paris-Gespräche blockiert haben." Ferner erklärt sich die DRV-Regierung bereit, an einer Konferenz teilzunehmen, „die die Vertreter der Demokratischen Republik Vietnam, die Vertreter der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams, die Vertreter der Vereinigten Staaten und die Vertreter der Saigoner Verwaltung umfaßt". Die Anwesenheit von Vertretern der Saigoner Verwaltung bedeute nicht die Anerkennung dieser Verwaltung durch die DRV.
DRV fordert: Truppen abziehen
Weiter heißt es: „Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam und das vietnamesische Volk verlangen entschlossen, daß die Vereinigten Staaten ihrem Aggressionskrieg in Vietnam ein Ende setzen und endgültig auf alle Angriffe gegen die Souveränität und die Sicherheit der DRV Vietnam verzichten. Sie fordern entschlossen, daß die Vereinigten Staaten alle amerikanischen und Satellitentruppen zurückziehen."
„Trybuna Ludu" erinnert in diesem Zusammenhang an die Drohung Johnsons, die Bombenangriffe könnten wieder aufgenommen werden, und stellt fest: „Mit anderen Worten, Washington hat noch nicht alle Schlußfolgerungen aus dem bisherigen Verlauf des Vietnamkrieges gezogen und beansprucht für sich immer noch die Rolle eines Schiedsrichters in Vietnam."
USA-Außenminister Rusk hat am Freitag unmißverständlich klargemacht, daß Washington trotz der Einstellung der Luftangriffe auf die Demokratische Republik Vietnam nicht gewillt ist, seine Vietnampolitik grundlegend zu ändern. Auf einer [Pressekonferenz] sagte er, die [Einstellung] des Bombardements „bedeutet nicht das Ende des Kampfes; es wird lediglich ein neues Kapitel aufgeschlagen".
USA-Luftterror auf Südvietnam
Langstreckenbomber vom Typ B-52 verstärken Angriffe
Saigon/Hanoi. ADN
Mit massiven Angriffen von Langstreckenbombern des Typs B-52 setzten die USA-Aggressoren am Freitagabend und in der Nacht zum Sonnabend ihren barbarischen Luftterror gegen die Bevölkerung Südvietnams fort. Wie das USA-Oberkommando in Saigon bekanntgab, wurden „vermutete" FNL-Stellungen in der Nähe der Provinzhauptstadt Tay Ninh, in der Provinz Chau Doc und in der Umgebung der Küstenstadt Quang Ngai bombardiert. Besonders der Raum Tay Ninh war in den letzten Wochen das Ziel zahlreicher massiver Luftangriffe amerikanischer Flugzeuge. Ein Bomber vom Typ B-52 kann eine Bombenlast bis zu 30 Tonnen befördern. Die DRV-Luftabwehr hat am Freitagmittag (Ortszeit) ein weiteres unbemanntes amerikanisches Flugzeug über Hai[phong ...] abgeschossen. Wie VNA ergänzend meldet, waren am 24. und am 25. Oktober im Bezirk Tuyen Hoa (Provinz Quang Binh) und im Gebiet von Vinh Linh insgesamt zwei USA-Düsenjagdbomber abgeschossen worden. Die Gesamtzahl der bisher über der Demokratischen Republik Vietnam abgeschossenen amerikanischen Flugzeuge erhöhte sich damit auf 3242.
5,5 Milliarden für den Aufbau
UdSSR hilft Entwicklungsländern von drei Kontinenten
Moskau. ADN/BZ
Die Sowjetunion leistet 16 asiatischen, 17 afrikanischen und zwei lateinamerikanischen Ländern wirtschaftliche und technische Hilfe. Das Gesamtvolumen beträgt etwa 5,5 Milliarden Rubel. Die Unterstützung richtet sich hauptsächlich auf die Entwicklung einer nationalen Industrie, die den jungen Nationalstaaten hilft, allseitige Unabhängigkeit zu erlangen. Gegenwärtig hilft die Sowjetunion anderen Ländern beispielsweise beim Bau von über 150 Energieobjekten. Dazu gehören die Wasserkraftwerke bei Bhakra in Indien, bei Assuan in der VAR, bei Naglu in Afghanistan sowie in Nepal und Tunesien. Hilfe erweist die UdSSR auch bei geologischen Erkundungsarbeiten. Große Bedeutung haben die Erdölerkundungsarbeiten im Golf von Suez (VAR). Hier soll eine Raffinerie mit einer jährlichen Kapazität von einer Million Tonnen [Unreadable]. In Indien und Pakistan wurden Felder erschlossen, von denen einige in ihrer Ergiebigkeit an die 100-Millionen-Tonnen-Grenze reichen. In Afghanistan sind nach sowjetischen Erkundungen Erdöl- und Erdgas-Vorkommen von 100 Milliarden Kubikmetern entdeckt worden. In Assab am Golf von Aden (Äthiopien) nahm im Vorjahr ein Erdölverarbeitungswerk seine Arbeit auf, das mit sowjetischer Hilfe errichtet wurde.
In die Schiffahrtskonferenz gewählt
London. ADN/BZ
Der VEB Deutsche Seereederei Rostock ist zum Mitglied der Indien-Pakistan-Schiffahrtskonferenz gewählt worden. Die Konferenz vertritt 24 Schiffslinien, die zwischen Europa und Indien sowie Pakistan verkehren. Obwohl jede Mitgliedsgesellschaft mit ihrem eigenen Service arbeitet, [wird] eine gewisse Art der [Koordinierung bei Frachtraten] und Fahrplänen von der Konferenz festgelegt. Die Mitgliedschaft der DDR-Seereederei beginnt am 1. Januar 1969.
Liefert in 75 Länder
Warschau. ADN-Korr./BZ
Polen hat sich in den letzten Jahren in der Produktion von Werkzeugmaschinen auf den elften Platz in der Welt vorgearbeitet. Zum Produktionsprogramm gehören etwa 300 Typen automatisierter und programmgesteuerter Maschinen für [Zerspanung] und Verformung. Diese Erzeugnisse liefert Polen in 75 Länder. Damit steht das Land in der Ausfuhr dieser Waren an zehnter Stelle in der Welt.
[Article on the Polish party congress:] Mit den Delegiertenkonferenzen in den Wojewodschaften, denen Konferenzen in Kreisen, Städten, Dörfern und Betrieben vorausgegangen waren, hat die letzte Etappe der Vorbereitung des V. Parteitages der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) ihren Abschluß gefunden. In wenigen Tagen — am 11. November — werden die Delegierten in den Kongreßsaal Einzug halten, um über das bisher Geleistete zu beraten und das Aktionsprogramm der kommenden Jahre zu verabschieden. Täglich erscheinen in der polnischen Presse Meldungen über gute Leistungen zum V. Parteitag. Mitte Oktober machte die freiwillige gesellschaftliche Arbeit der Bevölkerung zu Ehren des Parteitages rund zwei Milliarden Zloty aus. In Warschau entstanden über 900 neue Brigaden, die um den Titel „Brigade der sozialistischen Arbeit" kämpfen. In den Bilanzen der Diskussionen und Aussprachen wird immer wieder auf deren Offenheit hingewiesen. Neben vielen konstruktiven Vorschlägen zur Verbesserung der Arbeit — so wurden auf 909 Versammlungen in Warschauer Betrieben 14000 Vorschläge formuliert — wurde auch Kritik an den [Mängeln] laut. Großen Anteil an der Vitalität der Aussprachen hatte die Jugend, die auch einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Reihen der Partei leistete. Von 793000 Mitgliedern, die in den vergangenen Jahren in die Partei aufgenommen wurden, sind rund 41 Prozent Jugendliche unter 25 Jahren.
[Article on Brandt's Latin America trip:] Chile, Argentinien, Brasilien, Uruguay und Peru waren die Etappen der Lateinamerika-Tour, die Bonns Außenminister Willy Brandt (SPD) unternahm. Sein Tête-à-tête mit einigen der berüchtigten Diktatoren des amerikanischen Kontinents brachte ihm in der CDU/CSU-Koalitionspartner und ihrer Presseorgane ein. Er habe „eine ausgezeichnete Figur" abgegeben, [Unreadable]. [Unreadable] ihm zugute, daß er „an die alten, traditionell-freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den [lateinamerikanischen] Staaten" erinnert habe. Weniger schönrednerisch, aber um so deutlicher ließ sich der „Industriekurier" darüber aus, was die Monopole an Brandts Mission vor allem zu schätzen wissen, nämlich die „Pionierarbeit", die er in Lateinamerika für westdeutsche Kapitalinvestitionen leistete. Das Blatt gibt einen „imposanten" Überblick über den Kapitaleinfluß in einem der wichtigsten Investitionsländer der westdeutschen Monopole, Brasilien. Es beziffert die Investitionssummen Bonner Unternehmen (seit Beginn der fünfziger Jahre) auf rund zwei Milliarden D-Mark und teilt mit, daß westdeutsche Monopole an 400 [Firmen] in Brasilien beteiligt sind. Nach den USA rangiert Westdeutschland an zweiter Stelle der Brasilienlieferanten. Aber das ist natürlich noch nicht genug für den Appetit der Herren Westdeutschlands, die ihre ökonomische Expansion ausdehnen und sie durch die politische Expansion komplettiert sehen möchten. Während Kiesinger seine iberischen Kollegen, die Faschisten Portugals und Spaniens, aufsuchte und mit ihnen an der Achse Bonn–Madrid–Lissabon feilte, kundschaftete Brandt die „weißen Flecken" auf der lateinamerikanischen Landkarte für die Bonner Monopole aus. Und sie geizen nicht mit ihrem Dank.
[Photo caption:] SP-„Ordner". Wer gegen Brandts Lobreden auf die verbrecherische Aggressionspolitik der USA in Vietnam protestierte, wurde von den SP-Saalordnern brutal am Sprechen gehindert. Unser Bild wurde Freitag im Westberliner Sportpalast gemacht. Foto: ZB-AP
UN-Verurteilung Israels gefordert
New York. ADN/BZ
Die Vereinigte Arabische Republik und die Sowjetunion haben im UN-Sicherheitsrat in New York die Verurteilung Israels wegen des jüngsten Überfalls auf zivile Objekte in Oberägypten gefordert. Der Rat war in der Nacht zum Sonnabend auf Antrag der VAR zusammengetreten, nachdem die israelischen Aggressoren am Donnerstagabend eine Brücke und eine Transformatorenstation im Gebiet von Nagh Hammadi bombardiert hatten. Im besetzten [Gebiet] haben die [Palästinenser] einen Proteststreik gegen die israelischen Okkupanten begonnen. Weitere Aktionen wurden in einer Erklärung der palästinensischen Befreiungsfront angekündigt.
Ausschluß Liu Schao-tschis
Peking. ADN
Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas hat auf einer Plenartagung in der zweiten Oktoberhälfte unter Vorsitz Mao Tse-tungs beschlossen, „Liu Schao-tschi ein für allemal aus der Partei auszuschließen, ihn aller seiner Funktionen innerhalb und außerhalb der Partei zu entheben und mit ihm und seinen Komplizen für die Verbrechen abzurechnen". Dies wird jetzt in einem von der Agentur HNA verbreiteten Kommuniqué über die Plenartagung mitgeteilt. Liu Schao-tschi war bisher theoretisch noch Vorsitzender der Volksrepublik China und stellvertretender Vorsitzender der Kommunistischen Partei. Seit geraumer Zeit hatte ihn die Presse der Mao-Tse-tung-Führung als „Verräter und Spion" bezeichnet, der sich in die Partei „eingeschlichen" habe. Ähnliche und schärfere Behauptungen sind auch in dem Kommuniqué über die Plenartagung enthalten.
Neue Mitglieder gewählt
New York. ADN
Als neue nichtständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sind am Freitag Finnland, Kolumbien, Nepal, Sambia und Spanien gewählt worden. Ihre zweijährige Amtszeit beginnt im Januar kommenden Jahres. Die neuen Sicherheitsratsmitglieder lösen Äthiopien, Brasilien, Dänemark, Indien und Kanada ab. Die Amtszeit der übrigen fünf [Mitglieder: Algerien], Pakistan, Paraguay, Senegal und Ungarn läuft erst Ende 1969 ab. Die ständigen Mitglieder, die auch über ein Veto-Recht verfügen, sind Frankreich, Großbritannien, die Sowjetunion, das Tschiang-Kai-schek-Regime und die USA.
„Verklärter" Rausch
New York. BZ
Das auffällige Gebaren von Mitgliedern der Sekte der „Mystischen Verklärung" veranlaßte die New-Yorker Polizei zur Durchsuchung der Gemeindekirche. Das Ergebnis war überraschend. In den Kellern wurden entdeckt: 4500 Dosen LSD, neun Kilogramm Haschisch und Marihuana und über 1500 Dosen anderer Rauschgifte.
English translation
=== [Page 1] ===
--- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) ---
Protest gegen Massaker
Berlin. ADN/BZ
Ihre tiefe Empörung über die fortgesetzten [Massaker – Wort im OCR ausgefallen] in [Indonesien – im OCR ausgefallen] hat die Internationale Demokratische Frauenföderation (IDFF) in einem Telegramm an General Suharto zum Ausdruck gebracht. Die an zahlreichen indonesischen Patrioten und Demokraten verübten Verbrechen stellten eine flagrante Verletzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO dar.
[Kolumne derselben Seite, Anna Mudry, „Es geschah in dieser Woche“, Auszug zu Indonesien; im OCR teils unleserlich:]
Die Namen Njono, Sudisman und Wirjomartono verlängern die Liste der 200 000 oder 300 000 indonesischen Kommunisten – niemand kennt die genaue Zahl –, die seit dem 1. Oktober 1965 dem Terror des Suharto-Regimes zum Opfer fielen. Trotz Gnadengesuches wurden die beiden Mitglieder des Politbüros der KP Indonesiens und der Sekretär des Distrikts Djokjakarta hingerichtet. Hunderttausende starben, zu Tode gehetzt, niedergemetzelt, unter Folterqualen. Die KZ und Gefängnisse sind überfüllt, Hunger und Seuchen grassieren, täglich werden neue Verhaftungen bekannt.
„In der Menschheitsgeschichte ist es noch nie vorgekommen, daß solche Riesenmassen von Menschen in Friedenszeiten aus ideologischen Beweggründen vernichtet worden wären.“ Mit dieser Anklage charakterisiert das Zentralkomitee der KPdSU das Klima des Terrors in Indonesien, dessen Hauptziel es ist, die einst drei Millionen Mitglieder zählende Kommunistische Partei zu zerschlagen.
Den Vorwand für die Blutorgie, die von der indonesischen Reaktion gefeiert wird, lieferte der Versuch der von Oberstleutnant Untung geführten Gruppe linker Offiziere („Bewegung des 30. September“), die Armeeführung zu stürzen. Als das Unternehmen scheiterte, sahen die in- und ausländischen Kräfte, denen Stärke und Einfluß der Kommunisten ein Dorn im Auge waren, ihre Stunde gekommen. Eine Gruppe rechter Offiziere unter General Suharto riß die Macht an sich und versuchte, beginnend mit der „Säuberungsaktion“, dem Land ihren reaktionären innenpolitischen Kurs aufzuzwingen. Eine USA-Zeitung bezeichnete den Putsch als das „beste Geschenk“ der letzten Jahre.
Für das indonesische Volk aber brach eines der tragischsten Kapitel seiner Geschichte an. Nicht nur die Kommunisten sind von der physischen Ausrottung bedroht. Der Verdacht, mit [Unreadable] … [Unreadable] Destruktion und die Unsicherheit haben zu einem wirtschaftlichen Chaos ohnegleichen geführt.
Indonesien ist mit 2,5 Milliarden Dollar verschuldet. Zusammen mit den Kurzarbeitern sind 14 Millionen Arbeitslose registriert. Ausländische Monopole, an ihrer Spitze US-amerikanische, nehmen die günstige Gelegenheit für Investitionen wahr. Neue Anleihegesuche von 500 bis 600 Millionen Dollar, die das Suharto-Regime an den „Klub der Gläubiger“, dem die USA, Japan und einige westeuropäische Länder angehören, richtete, ziehen die Schlinge um Indonesien noch fester.
--- English translation ---
Protest against massacres
Berlin. ADN/BZ
The International Democratic Women's Federation (IDFF) has expressed in a telegram to General Suharto its deep outrage at the continuing [massacres – word missing in OCR] in [Indonesia – missing in OCR]. The crimes committed against numerous Indonesian patriots and democrats constitute a flagrant violation of the UN Universal Declaration of Human Rights.
[Column on the same page, Anna Mudry, 'It happened this week', excerpt on Indonesia; partly illegible in the OCR:]
The names Njono, Sudisman and Wirjomartono lengthen the list of the 200,000 or 300,000 Indonesian communists – nobody knows the exact number – who have fallen victim to the terror of the Suharto regime since 1 October 1965. Despite a plea for clemency, the two Politburo members of the Communist Party of Indonesia and the secretary of the Djokjakarta district were executed. Hundreds of thousands died, hounded to death, slaughtered, under torture. Concentration camps and prisons are overcrowded, hunger and epidemics rage, new arrests become known daily.
'It has never before happened in human history that such enormous masses of people have been annihilated in peacetime for ideological motives.' With this accusation the Central Committee of the CPSU characterises the climate of terror in Indonesia, whose main aim is to smash the Communist Party, which once had three million members.
The pretext for the orgy of blood, which is celebrated by Indonesian reaction, was supplied by the attempt of a group of left-wing officers led by Lieutenant Colonel Untung ('30 September Movement') to overthrow the army leadership. When the venture failed, the domestic and foreign forces to whom the strength and influence of the communists were a thorn in the side saw their hour had come. A group of right-wing officers under General Suharto seized power and tried, beginning with the 'cleansing operation', to force its reactionary domestic course on the country. A US newspaper called the coup the 'best gift' of recent years.
For the Indonesian people, however, one of the most tragic chapters of its history began. Not only the communists are threatened with physical extermination. The suspicion, with [Unreadable] … [Unreadable] destruction and insecurity have led to an economic chaos without equal.
Indonesia is in debt to the tune of 2.5 billion dollars. Together with short-time workers, 14 million unemployed are registered. Foreign monopolies, led by US ones, are seizing the favourable opportunity for investment. New loan requests of 500 to 600 million dollars, which the Suharto regime addressed to the 'Club of Creditors', to which the USA, Japan and some West European countries belong, tighten the noose around Indonesia still further.