Berliner Zeitung (20 Oct 1976), p. 7: 'Verurteilt', life sentence for Siti Sundari Abdul Rahman
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Text
Member named: Sundari Abdulrachman
Seite T — Nr. 250 — BERL NER ZEITUNG Mittwoch. 20. Oktober 1976
POLITIK / ROMAN
Moskau trifft umfassende
Vorbereitungen auf Olympia Exekutivkomitee des IOC tagte in Barcelona Barcelona. ADN/BZ
Mit einer internationalen Presse konferenz ging in Barcelona eine Sitzungsserie des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit den Weltfach verbänden und Kommissionen zu Ende. IOC-Präsident Lord Killanin appellierte dabei an die Sportwelt, „daß jedermann, der aus eigenem freien Willen um die Ehre einer Teilnahme an den Olympischen Spielen ersucht, ohne Einschränkung die Regeln des IOC akzeptieren muß". Er erklärte in diesem Zusam menhang, daß es keine Sanktionen gegen Taiwan und die afrikanischen Länder geben würde, die ihre Teil nahme an den Olympischen Som merspielen 1976 aus politischen Gründen abgesagt hatten,
Die nächste IOC-Session findet 1977 in Prag statt, die IOC-Exeku tive will sich mit den 123 Nationalen Olympischen Komitees im März des gleichen Jahres in Abidjan (Elfenbeinküste) treffen.
Lord Killanin begrüßte die Erklä rung Ignati Nowikows, Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR und Präsident des Orga nisationskomitees „Olympia 80", daß allen vom IOC anerkannten Mann schaften die Teilnahme an der Olym piade in Moskau möglich sei. Ignati NowikoW hatte in seinem Bericht an die IOC-Exekutive hervorgehoben, daß in der Sowjetunion umfassende Vorbereitungsmaßnahmen für die Olympischen Sommerspiele in Über einstimmung mit den Regeln und Bestimmungen des Internationalen Olympischen Komitees getroffen werden. Moskau werde alle Ver pflichtungen aus der Charta der olympischen Bewegung erfüllen. Ins gesamt 35 000 Bürger arbeiten in der Moskauer Olympia-Organisation für 1980, und für 7000 Journalisten wur den gute Arbeitsbedingungen ge schaffen.
Nicht so optimistisch wurde der Bericht von Lake Placid aufgenom men, nachdem die USA-Stadt Den ver die vor vier Jahren für 1976 übernommene Ausrichtung der Olympischen Winterspiele kurzfri stig zurückgegeben hatte. „Ich er warte einen Brief von Gerald Ford", sagte Lord Killanin.
Zum ersten Male in der Geschichte der Olympischen Spiele hat das IOC in Barcelona Medaillengewinner wegen angeblicher Einnahme verbo tener muskelbildender Hormonprä parate disqualifiziert und ihnen nachträglich die Medaillen ab erkannt. Trotz Protesten und berech tigter Einwände der entsprechen den NOK dagegen, daß bei der Auf bewahrung und Sicherung der von Sportlern genommenen Proben ernsthafte Verstöße festgestellt wor- -den waren, wurden die Gewichthe ber-Olympiasieger Zbigniew Kaczmarek (Polen) im Leicht- und Wa lentin Christow im Schwer- sowie der Olympiazweite Blagoj Blasoew (beide Bulgarien) im Leichtschwer gewicht davon betroffen. Disqualifi ziert wurden ferner der Schwede Arne Norrback (Federgewicht) und der US-Amerikaner Philip Grippaldi (Vierter im Mittelgewicht).
Polnischer Protest gegen Disqualifikation
Warschau. ADN/BZ
Das Nationale Olympische Komi tee der Volksrepublik Polen hat ge gen die Disqualifikation des- Ge wichtheber-Olympiasiegers ZVigniew Kaczmarek entschieden protestiert.
In der Erklärung heißt es u. a.: „Das Polnische Olympische Komitee hat diese Information mit Befremden und Bedauern aufgenommen." Un tersuchungsverfahren und Regel widrigkeiten im Verlauf der durch geführten Kontrolluntersuchungen so ernsthafte Verstöße bei der Auf bewahrung und Sicherung der von den Sportlern genommenen Pro ben — lassen diesen Beschluß zu einer Entscheidung ohne Beispiel in der Geschichte der olympischen Be wegung werden.
DDR-Mtlitäidelegation besuchte Pionieiüuppen
Bukarest. ADN-Korr./BZ
Die von Armeegeneral Heinz Hoff mann, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED und Mini ster für Nationale Verteidigung, ge leitete DDR-Militärdelegation, die zu einem offiziellen Besuch in der So zialistischen Republik
Rumänien weilt, besuchte gestern das Ausbildungszentrum der Pioniertruppen in der Nähe von Bukarest. Die Gaste von den rumänischen Waffenbrüdern herzlich begrüßt — informierten sich über Formen und Methoden der Ausbildung von Unteroffizieren und Offizieren der rumänischen Armee im Pionierdienst, im Straßen- und Brückenbau, im Eisenbahnwesen und anderen Einsatzbereichen.
Am selben Tag besuchte die DDR- Militärdelegation einen Betrieb der Verteidigungsindustrie.
Ausbau des Handels mit
RGW-Ländern befürwortet
London. ADN/BZ
Für die Ausweitung der Handels beziehungen zwischen Großbritan nien und den europäischen sozialisti schen Staaten hat sich der Direktor der Londoner Handelskammer, Wil liam Nicfaolas, in einem Brief an Handelsminister Edmund Dell aus gesprochen. In diesen Landern exi stiere ein großer potentieller Markt, -der bisher von den britischen Un ternehmern unentdeckt blieb", heißt es in dem Brief.
Prozeß gegen Pide-Mörder ist verschoben worden
Lissabon. ADN-Korr./BZ
Politischer Skandal bei NATO-Manövern
Fischereikonferenz der EWG gescheitert
Der Versuch der westeuropä ischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG, eine gemeinsame 200-Meilen-Fischereizone zu errichten, ist gestern auf der Außenminister-Konferenz in der luxemburgischen Hauptstadt am Widerstand der Republik Irland ge scheitert
DDR-Außenminister bei finnischem Premier
Beziehungen beider Länder als gut gewertet Im Mittelpunkt des ersten Be suchstages von DDR-Außenminister Oskar Fischer in Helsinki stand ein herzliches Gespräch mit Minister präsident Martti Miettunen. Der fin nische Regierungschef wertete dabei den Stand der politischen Beziehun gen zwischen beiden Ländern als gut. Er brachte zugleich die Hoff nung zum Ausdruck, daß sich die Zusammenarbeit zwischen Finnland und der DDR auch weiterhin gut entwickelt. Besondere Möglichkei ten dafür biete der Handel.
Besonders würdigte Oskar Fischer den Beitrag Finnlands zur Festi gung der europäischen Sicherheit.
Die sehr guten, stabilen Beziehun gen zwischen Finnland und der DDR beruhten auf einem stark ausgebau ten Vertragssystem. Bedeutende Möglichkeiten für den weiteren Aus bau der Beziehungen bestünden be sonders auf dem Gebiet des Handels, Den ersten Besuchstag von Außen minister Oskar Fischer in Helsinki beschloß ein festliches Essen, das der finnische Außenminister Keijo Kor honen zu Ehren seines Amtskolle gen gab. Bei der Ankunft am Diens tagmittag auf dem Helsinkier Flug platz war Außenminister Fischer von Keijo Korhonen herzlich be grüßt worden. Zugegen waren der DDR-Botschafter in Finnland, Her mann Schwiesau, und der finnische Botschafter in der DDR, Osmo Kode.
Sowjetisch-mongolische
Dokumente unterzeichnet
Jumshagin Zedenbal mit dem Leninorden geehrt Moskau. ADN/BZ
Dokumente, die der Erweiterung und Vertiefung der allseitigen Zu sammenarbeit zwischen beiden Län dern dienen, sowie ein Grenzvertrag sind am Dienstag, dem letzten Tag der sowjetisch-mongolischen Ver handlungen, in Moskau zwischen der UdSSR und der Mongolei unter zeichnet worden.
Zuvor hatten Lenonid Breshnew und Jumshagin Zedenbal im Kreml ein freundschaftlidies Gespräch ge führt. Sie erörterten Fraßen der wei teren Vertiefung der allseitigen Zu sammenarbeit zwischen der UdSSR und der MVR sowie des Ausbaus der Beziehungen zwischen der KPdSU und der MRVP. Dabei wurde her vorgehoben, die Übereinstimmung der Ansichten und Aktionen der so wjetischen und der mongolischen Kommunisten sei der entsdieidende Faktor für die Festigung des tradi tionellen Bündnisses zwischen der UdSSR und der MVR und für die Annäherung zwischen den beiden Brudervölkern. Die KPdSU und die MRVP seien fest entschlossen, auch künftig auf jede Weise zum Zusam menschluß der kommunistischen Be wegung auf der Grundlage der Prin zipien des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationa lismus beizutragen. Breshnew und Zedenbal verwiesen ferner auf die Notwendigkeit wirksamer Maßnah men zur Einschränkung und Einstel lung des Wettrüstens.
Am selben Tage hat Nikolai Podgorny, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU und Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, im Kreml Jumshagin Zedenbal den Leninorden überreicht
USA: Raubüberfall auf
UdSSR- Wissenschaftler
Washington. ADN/BZ
Die sowjetischen Wissenschaftler Boris Petrow und Leonid Sedow sind in Los Angeles Opfer eines bewaff neten Raubüberfalls geworden. Beide Akademie-Mitglieder sind Teilneh mer eines Raumforschungskongres ses, der gegenwärtig in dieser kalifornisdien Stadt stattfindet. Die Tä ter des Überfalls sind geflüchtet.
Die Botschaft der UdSSR in Washington und das Generalkonsulat der UdSSR in San Francisco haben beim USA-Außenministerium Pro test gegen den Überfall erhoben. Die UdSSR-Botschaft verlangt die einge hende Untersuchung dieses Falls und die Gewährleistung der Sicher heit für die Mitglieder der sowjeti schen Delegation.
Demokratische Kräfte Finnlands konnten Stimmenanteil erhöhen Helsinki. ADN BZ
Die am Sonntag und Montag in Finnland durchgeführten Kommu nalwahlen haben eine weitere Polarisierung der politischen Kräfte im Lande sowie leichte Stimmen gewinne konservativer Parteien er bracht. An den Wahlen, bei denen sich rund 72 000 Kandidaten von zwölf Parteien um die Sitze in den 447 Gemeindevertretungen beworben hatten, beteiligten sich 76,7 Prozent der wahlberechtigten Finnen.
Die rechtsstehende nationale Koahtionspartei wurde mit einem Anteil von 20,8 Prozent zweitstärkste Par tei des Landes. Die Sozialdemokra tische Partei Finnlands büßte Stim men ein, bleibt aber mit 25,1 Pro zent weiterhin größte finnische Par tei Die Demokratische Union des Fin nischen Volkes, der als stärkste Kraft die Kommunistische Partei angehört, erhöhte ihren Stimmenanteil um 0,9 auf 18,5 Prozent Die der Minder heitsregierung angehörende Zen trumspartei konnte ihre Positionen in den Städten verbessern und kam auf 18,8 Prozent.
Diese vier Parteien vereinigten ins gesamt 83,2 Prozent aller abgegebe nen Stimmen auf sich, während die Bedeutung der kleineren Parteien zurückging.
Nach den vorliegenden Ergebnis sen aus 443 Gemeinden verzeidinen 66 Kommunalparlamente eine Mehr heit der Linken und 377 eine Mehr heit konservativer beziehungsweise rechter Parteien.
Westberlin. ADN/BZ
Ffii Frieden nnd
Sicherheit in Asien
Ulan-Bator. ADN-Korr./BZ
BRD: Proteste gegen Bespitzelung von Schülern Bonn. ADN/BZ
Wie aus einer Meldung der BRD- Nachrichtenagentur dpa hervorgeht, hat der Arnsberger Regierungspräsi dent Ziegler inzwischen die Existenz des Schnüffelerlasses, über den wir gestern berichteten, bestätigt. Ein Ministeria rat des Kultusministeriums habe während einer Dienstbespre chung darum ersucht, „bei Real schulen zu erforschen, welche Aktivi täten es von den Jungen Pionieren an Realschulen gebe, zitiert dpa.
Der Regierungspräsident, konfron tiert mit den um sich greifenden Protesten, hat.mit sofortiger Wir kung" angewiesen, auf „Namensli sten" zu verzichten. Die Progress- Presse-Agentur <PPA) verweist dar auf, daß dennoch die Schnüffelei in anderer Form weiter sanktioniert bleibt.
Zahlreiche Eltern von '.Jungen Pio nieren" haben die Landesregierung von Nordrhein • Westfalen aufgefor dert, sofort den SdinüffelerlaB zu rückzuziehen und alle weiteren An griffe auf die demokratischen Grund* rechte in der BRD zu unterlassen.
Lehrer aus Grund- und Realschulen stellten in diesem Zusammenhang fest, daß sie an ihren Schulen schweren Gewissenskonflikten aus gesetzt sind. Mehrere Lehrer kündiqten an, im Rahmen der Gewerk schaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für die Beendigung der Be rufsverbotspraxis und der davon aus gehenden Atmosphäre des Duckmäusertums einzutreten.
Der 1. Vorsitzende der sozialisti schen Kinderorganisation „Junge Pioniere", Achim Krooß, verurteilte ebenfalls die Bespitzelung von Schü lern. Er verweist darauf, daß Kinder, die den Pionieren angehören, von reaktionären Lehrern benachteiligt werden. Auch in Hessen und Nieder sachsen habe die Regierung zu ver stehen gegeben, daß Aktivitäten der sozialistischen Kinderorganisation von den entsprechenden Organen überwacht würden.
Der DGB - Landesiugendsekretär von Nordrhein-Westfalen, Guntram Schneider, und der Bildungsreferent beim DGB in Bochum, Jürgen Rzaza, protestierten auf das schärfste gegen die ungeheuerliehe Bespitzelung von Kindern.
Werfen Sie das Handtuch,
Herr Staatsanwalt!
Roman von Helfried Schreiter Alle Rechte beim Verlag Das Neue Berlin 22. Fortsetzuna
„Hör mal, ich muß mit dir reden, aber nicht am Telefon. Hast du morgen irgendwann Zeit für mich?
Wollen wir nicht zusammen zu Mittag essen gehen?"
Wenn du meinst, daß das gut ist?"
Wieso sollte das nicht gut sein?"
Nach einigem Hin und Her verabredeten sie sich schließlich nicht zum Mitagessen, sondern schon zum Frühstück in Fafoutis' Wohnung. Der Staatsanwalt hatte nun das Gefühl, keinen schlechten Gegenzug in petto zu haben, wenngleich sich dessen Wirkung erst später zeigen würde. Er war beileibe nicht so spektaku lär wie Kitty Michaels Zufallstod, aber wahrscheinlich mit der besseren Langzeitwirkung. Nikolas wird diese Jeanette schon einwickeln, dachte er, das hat er in all den Jahren als Journalist gelernt, und außerdem dreh ten sich auf der Straße die Frauen nach ihm um, was Fafoutis in früheren Jahren ein wenig gefuchst hatte, weil er nicht zu den Männern gehörte, deren Aussehen die Frauen zu einer Bewegung des Kopfes veranlaßte.
Der Anblick einer Leiche bewegte den Kommissar im allgemeinen wenig. Warum er angesichts der Toten Kitty Michael hatte unwillkürlich schlucken müssen, vermochte er nicht genau zu sagen. Vielleicht, weil sie eine schöne Frau gewesen war, der er Kinder ge wünscht hätte, einen Mann und viele hübsche Kinder.
Statt dessen lag sie mit einem schlimm zugerichteten Gesicht tot auf dem steinigen Strand der Insel Spetsopoula. Möglich, daß ihm ihr Tod auch deshalb nahe ging, weil sie der einzige Mensch im Hause Niarchos gewesen war, der nicht geheuchelt hatte.
Wieder sah er sich Chambrun und Markini gegen über, die beide wortvoll ihr Entsetzen über den schrekklichen Unglücksfall zum Ausdruck brachten. Cham brun redete wieder in seiner unerträglichen Thea tersprache. Die Götter häuften Unglück auf das Haupt des Reeders, meinte er, eine schwere Zeit der Prüfung, in der es die Plicht jedes aufrechten Mannes sei, ihm beizustehen.
Felsen gestürzt ist, nichts erbringen. Trotzdem mußte die Obduktion stattfinden. Arme Kitty, dachte er, du hättest einen anderen Tod verdient. Er hatte die An gewohnheit, den Menschen, die er kannte, einen ganz bestimmten Tod zuzuordnen. Die Todesart sollte nichts Zufälliges sein, fand er, zu jedem Menschen gehörte nach seiner Meinung eine nicht auszutauschende Form des Sterbens. Und es ärgerte ihn jedesmal, wenn sich der Tod nicht daran hielt. Es erschien ihm als ein Sakrileg, daß beispielsweise diese junge Frau durch einen hinterhältigen Mord ums Leben gekommen war.
Zu ihr hätte ein sanfter Tod in hohem Alter, inmitten ihrer Kinder und Enkel gepaßt, aber niemals ein Sturz von einem Felsen. An einem sonnigen Herbsttag hätte sie unmerklich hinübergleiten müssen, das wäre eine ihr gemäße Art des Sterbens gewesen.
Mißgelaunt betrat er seine Wohnung, trotzdem leise, um seine Frau nicht zu wecken. Es war gegen ein Uhr.
Er schloß die Wohnungstür hinter sich, bevor er den Staatsanwalt anrief. Das Gespräch war kurz. Sie waren sich einig, daß es jetzt darauf ankam, diese Jeanette Graß zum Reden zu bringen. Fafoutis wollte ihm ande rentags dazu einen Vorschlag machen.
gegen, und wie immer, wenn er sie halbnackt sah, bekamen seine Augen den gewissen Glanz, da konnte es ihm kurz vorher noch so dreckig gegangen sein. Sie raffte den Mantel vor dem Körper zusammen, als sie dieses Blicks gewahr wurde.
Fortsetzung folgt
Eltern prangern neuen
Schnüffelerlaß nn
Neue Einzelheiten Ober den Ein satz und die Wirkung der Polizei waffe „Chemische Keule" sind am Dienstag in Westberlin bekanntge worden. So berichtet „Die Wahr heit", daß der Polizei am 1. No vember zunächst 280 Stück diesef Waffe übergeben werden, die in den USA entwickelt und gegen die vietnamesische Bevölkerung einge setzt worden war.
„Die Wahrheit" batont, daß die.Chemischen Keule" das internatio nal geächtete Giftgas Chloracetophenon (Weißkreuz) mit hohem Druck versprüht. Die Zeitung meint:
„Auch
.Spezialeinsatzkommandos sollen sie in die Hand bekommen — wozu, wenn nicht gegen Demon stranten?
Neben schweren gesundheitllchen
Schäden wie Verätzungen,
Schäden an den Augen und Atem wegen kann die „Chemische Keule Im Gegensatz zu den Behauptun gen von Innensenator Neubauer auch Hautkrebs erregen. Zu dieser Schlußfolgerung kommt u. a. der amerikanische Arzt F. Dyrer, der in Washington Personen behandelt, die Im Zusammenhang mit der Waffe an Hautkrebs erkrankt sind.
„Chemische Keule auch In Westberlin
Der Prozeß gegen den Pide-Verbrecher Antonio Domingos, der am Mittwoch vor dem 1. Mihtargerichtshof in Lissabon eröffnet wer den sollte, ist „bis auf weiteres verschoben worden. Domingos ist angeklagt, den von der faschisti schen Geheimpolizei verfolgten kommunistischen Bildhauer Jose Dias Coelho ermordet zu haben.
Eine in letzter Stunde vorgenom mene Veränderung ist in der Zu sammensetzung des Gerichts Anlaß für die unbefristete Verschiebung des Prozesses, der zweieinhalb Jahre nach dem Sturz der Diktatur das erste Verfahren zur Sühne faschisti scher Verbrechen gewesen wäre.
Als einen. „außergewöhnlichen politischen Skandal" bezeichnet die „Trybuna Ludu" am Dienstag die jüngsten revanchistischen Aktionen der BRD anläßlich der NATO-Mar növer auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne. Die Zeitung verweist auf die in Presseorganen der BRD enthüllten Tatsachen, daß die Bun deswehr und andere NATO-Truppen nach Manöverkarten übten, auf denen die Namen von polnischen und sowjetischen Städten und Ort schaften eingetragen waren.
„Demzufolge nahmen die Streitkräfte an Manövern in Ortea wie Stettin, Danzig, Elbing teil; mit anderen Worten in Szczecin, Gdansk, Elblag und sogar in der Sowjetunion in Kaliningrad." Die Zeitung fragt absdiließend: „Ob die Generalität der Bundeswehr immer noch in den Kategorien von Großdeutschland denkt?"
Warschau. ADN-Korr./BZ
Luxemburg. ADN/BZ
Mit einem Bekenntnis zu den Prinzipien der Schlußakte von Hel sinki und dem festen Willen, für Frieden und Sicherheit auf dem volksreichsten Kontinent der Erde einzutreten, ist gestern eine asia tische Friedenskonferenz in Ulan- Bator beendet worden. Die Vertreter von 20 Friedensorganisationen die ses Erdteils nahmen in Anwesen heit von Romesh Chandra, General sekretär des Weltfriedensrates, die „Deklaration von Ulan-Bator" an, in der es heißt: „Die Herstellung eines dauerhaften Friedens und der Si cherheit in Asien ist nur möglich durch gemeinsame Anstrengungen und das einheitliche Handeln aller asiatischen Länder auf der Grund lage der Prinzipien der Nichtan wendung von Gewalt in den Be ziehungen zwischen den Staaten, der Achtung der Integrität und der ter ritorialen Unverletzlichkeit und der Niditeinmischuns in die inneren
Angelegenheiten."
BESUCH. Der Westberliner Regie rende Bürgermeister Schütz ist am Dienstagvormittag zu einem offiziel len Besuch nach Israel gereist.
VERURTEILT. Zu lebenslanger Ker kerhaft hat ein indonesisches Mili tärgericht Frau Siti Sundari Abdul Rahman — bereits im Oktober 1965 verhaftet -, aktive Führerin der KP Indonesiens und ehemaliges Parla mentsmitglied, verurteilt
TOTGETRAMPELT. Vier Kinder zwischen drei und zehn Jahren wur den beim Ausbruch einer Panik im Sportstadion von Kingston zu Tode getrampelt, als die 30 000 Zuschauer bei einem schweren Wolkenbruch zu den teilweise schon geschlossenen Toren drängten.
WIRTSCHAFTSDELEGATION. Eine Wirtschaftsdelegation der DDR unter Leitung von Staatssekretär Dr. Ger hard Beil, 1. Stellvertreter des Mi nisters für Außenhandel, traf zur 7. gemeinsamen Tagung der Wirt schaftsausschüsse DDR— Japan und Japan-DDR in Tokio ein.
ADN/BZ
Helsinki. ADN-Korr./BZ pflichtete er dem finnischen Mi nisterpräsidenten bei.
Anschließend hatte Außenminister Fischer Gelegenheit, die Helsinkier Werft des Wärtsilä-Konzerns ken nenzulernen, der vielfältige Bezie hungen zur DDR unterhält. Der Ge neraldirektor des Konzerns, Mi nister Tankmar Hörn, informierte den hohen Gast u. a. über das Eis brecher-Entwicklungsprogramm von Wärtsilä.
Wortkarg hatte Filias die nötigen Fragen gestellt, und danach war er auf dem gleichen Boot, das den Sarg mit der Toten nach Piräus brachte, zurückgefahren. Er machte sich Vorwürfe wegen dieser jungen Frau. An zwei Fingern hätte er sich abzählen können, daß ihr etwas zustoßen mußte. Nachdem sie ihm eingeschüch tert und voller Angst, gegenübergestanden hatte, war klar gewesen, daß man ihr in dem Hause des Reeders nicht traute. Weiß der Teufel, ob das Zimmer, in dem «r mit ihr gesprochen hatte, neben Mikrofonen nicht auch noch mit einer versteckten Kamera ausgestattet ge wesen war. Und so hatte Niarchos erfahren, daß sie irgend etwas auf die Liste geschrieben hatte. Was da nach kam, war höchst einfach. Ein Gorilla ging ihr nach und tippte sie an, mehr war nicht nötig ge wesen.
Eine Obduktion war sinnlos. Sie würde außer der bekannten Tatsache, daß Fräulein Kitty Michael vom Filias blieb sitzen, nachdem er den Hörer aufgelegt hatte, und rauchte eine „Gitanes". Er war froh, mit Fafoutis zusammenarbeiten zu können. Sie brauchten beide nicht viel Worte, um sich zu verstehen. Es war ihm nicht entgangen, daß der Staatsanwalt heute abend in einer ähnlichen Verfassung war wie er selber. Aber er hatte auch deutlich gemacht, daß er nicht daran dachte, klein beizugeben. Nein, sagte sich Filias, klein beigeben werden wir nicht. Und sei es nur um der toten Kitty Michael willen.
Seine Frau kam aus dem Schlafzimmer. Sie hatte «ich einen Bademantel übergeworfen. Filias schaute ihr ent- „Schau mich nicht so an", sagte sie lächelnd. „Du mußt nämlich noch deinen Onkel in Athen anrufen."
Er sah sie erstaunt an. „Mitten In der Nacht? Wieso denn?"
„Er rief gegen neun an, du warst gerade weg. Er meinte, es sei wichtig. Du sollst ihn unbedingt anrufen, wenn du zurückkommst."
„Aber doch nicht nachts um halb zwei."
„Egal wie spät es ist, hat er gesagt. Er hat das Telefon neben seinem Bett."
„Woher weißt du, wo mein Onkel sein Telefon stehen hat?"
„Weil ich es immer benutze, wenn ich in Athen bin.
Dann rufe ich dich aus seinem Bett an, das ist so unerhört bequem."
„Miststück", sagte er lachend und gab ihr einen zärt lichen Klaps auf ihr wohlgeformtes Hinterteil.
Filias hatte kein gutes Gefühl, als er langsam den Hörer abnahm und den Finger in die Wählerscheibe steckte. Sein Onkel Fakinos gehörte nicht zu den Leu ten, die es eilig hatten. Die meisten Dinge erledigen sich von selber, solange der Mensch nicht eingreift, pflegte er zu sagen. Es ist erst der Eingriff des Menschen, der alles kompliziert. Man muß nur Geduld haben und zuschauen können, hatte er seinem Neffen beizubringen versucht, allerdings mit wenig Erfolg, denn ein zu schauender Kriminalkommissar war schlecht denkbar.
English translation
=== [Page 1] ===
SENTENCED. An Indonesian military court has sentenced Mrs Siti Sundari Abdul Rahman, arrested as early as October 1965, an active leader of the Communist Party of Indonesia and former member of parliament, to life imprisonment.