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Indonesien auf dem Weg zur Diktatur (Indonesia menuju diktator)

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Query hit: Gerwani Indonesien auf dem Weg zur DiktaturEine neue Trumpfkarte für Nasution / Sukarno braucht die ArmeeTh.v.R.Durch die Entscheidung des indonesischen Staatspräsidenten Sukarno, die verfassunggebende Versammlung aufzulösen und die Verfassung aus dem Jahre 1945 wieder einzukühren, ist Eeneral--stabschef Nasution eine neue wichtige Trumpf--karte in die Hand gespielt worden. Die Armee hatte sich bereits während der vergangenen Mo--nate wichtige Positionen auf allen Gebieten der staatlichen Führung und der Wirtschaft zu errin--gen gewußt. In Zukunft wird sie nun erst recht die wesentlichsten Schlüsselpositione: besetzen. Ausländische Beobachter in Djakarta vertreten die Aufkassung, daß Sukarno die Entscheidungen, die Indonesien jetzt auf den Weg 2U einer Dikta--tur führen, unter dem Druck der Armeeleitung vorgenommen hat. Entwicklungen dieser Art hatten sich bereits zu Anfang des Jahres abgezeichnet. Damals schon hatte sich die Frage gestellt, ob es Sukarno ge--linge, sich gegenüber dem wachsenden Einkluß der Armee zu behaupten, oder ob Generalleutnan Nasution an der Spitze einer Offiziersjunta die diktatorische Macht im Staate übernehmen werde. Is stand aber auch fest, daß Nasution ein Inter-esse daran besitzt, sich der Person und des Na--mens des Staatspräsidenten zu bedienen. Denn noch immer gilt Sukarno in Indonesien von der Zeit des Kampfes gegen die Holländer her als Volksheld. Er selbst ist ein guter politischer Tak--tiker und war sich wohl schon zum vornherein darüber im klaren, daß er in diesem vorgerück--ten Stadium der Krise vor einer Alternative stand: entweder er schuf die Voraussetzungen für einen innenpolitischen Pakt und eine Teilung der Macht mit Generalleutnant Nasution oder er müßte eines Tages unter »freiwilligem Zwang« von der politischen Bühne Indonesiens abtreten Nun hat Sukarno seinen Entschluß gekaßt. Da--mit hat er gewiß nicht die schlechteste Wahi für sein Land getrofken. Denn Nasutian und die Ar--mee sind antikommunistisch eingestellt, und so– lange sie politisch im Rennen bleiben, werden die Linksradikalen in Indonesien die Macht kaum an sich reißen können. Immerhin verdienen die politischen Kräfteverhältniss auf Java und den anderen Inseln volle Beachtung. Die Kommunisten unter ihrem Chek Dipa Nu--santara Aidit (der erst 36 Jahre alt ist) verkügenUber eine beachtenswerte Anhängerschaft. Ofki--ziell zählt die Kommunistische Partei Indonesiens zwar nur anderthalb Millionen Mitglieder. Doch indirekt wird sie von einer Reihe einflußreicher Organisationen unterstützt. Unter diesen sind die Arbeitervereinigun SOBSI mit 2,8 Millionen, die Jugendorganisation” Pemuda Rakjut mit 800 000, der Veteranenverband Perbepsi mit 200 000, die Bauernorganisation BTI mit 250 000 und die Frauenbewegung Gerwani mit 75 000 Mitgliedern zu nennen. Alle diese Vereinigungen arbeiten den Kommunisten offen oder versteckt in die Hände. Bei den Regionalwahlen 1957 konnten die Links--radikalen denn auch nahezu 7 Millionen Stimmen für sich gewinnen. Erst vor wenigen Monaten hatte der Parteiführer Aidit erklärt, es werde ihm zweifellos gelingen, bei kommenden Wahlen die Zahl der kommunistischen Stimmen auf über acht Millionen zu steigern. Unter diesen Umständen ist es naheliegend, daß Sukarno nur mit Hilfe der Armee in der Lage sein kann, einer gekährlichen Entwicklung vorzubeugen. Hinzu kommt, daß ihn in entschei--denden Augenblicken auch die Muslimparteien im Stich gelassen haben. Diese Gruppen waren bei--spielsweise im Frühsommer, als die konstituie--rende Versammlung Uber die Einführung der Ver--fassung von 1945 zu entscheiden hatte, im letzten Moment ibgesprungen Doch auch der Widerstand der rechtsstehenden Rebellen auf den Inseln außerhalb Javas ist noch längst nicht in dem Maße »ermüdet«, wie man annehmen möchte. Auch hier wird wohl die Armee –––– wenn über--haupt –a das entscheidende Wort zu sprechen haben. Nach den letzten Meldungen sind Einhei--ten der Regierungstruppen gegenwärtig bemüht, die Rebellen in Nordcelebes zum Rückzug zu zwingen. Es gelang ihnen, die Stadt Kotamobagu in der Nähe des Rebellenhauptquartiers einzuneh--men. Auf Sumatra dagegen scheinen sich beide Seiten zu einem stillschweigenden Wafkenstill--stand entschlossen zu haben. Es ist übrigens be--merkenswert, daß nach wie vor durch geheime Kanäle »Friedensgespräche« zwischen Nasution und der Rebellenführung geführt werden. Erst wenn die innenpolitischen Wirren beigelegt werden können, hat Indonesien eine Chance, auch wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Gegenwärtig sieht es auf diesem Gebiet noch ziemlich trostlos aus. Die Golddeckung der Wäh--rung, die offiziell mindestens 20 Prozent betragen sollte, ist auf unter 6 Prozent gesunken. Auf dem schwarzen Markt sind der Schweizer Fran--ken und andere Währungen nahezu auf das Fünf--fache des offiziellen Clearingkurses gestiegen. Ueber diese bedenkliche Wirtschaftssituakion kann auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß Präsident Sukarno während seiner jetzt zu Ende gegangenen euneinhalbwöchigen Ausland--reise allein kür das Chartern einer amerikani--schen Flugmaschine 229 000 US-Dollar –– also rund 3500 US-Dollar pro Tag ––– großzügig auf Staatskosten ausgegeben hat Mit Spannung blickt man nun dem nächsten Akt des indonesischen Schauspiels entgegen. Die--ser Akt wird wahrscheinlich den Titel tragen: »Diktatur im Zeichen der gelenkten Demokratie.«

English translation

=== [Page 1] === Query hit: Gerwani Indonesia on the way to dictatorship A new trump card for Nasution / Sukarno needs the army Th. v. R. Through the decision of the Indonesian head of state Sukarno to dissolve the constituent assembly and reintroduce the constitution of 1945, a new, important trump card has been played into the hands of General Staff chief Nasution. During the past months the army had already managed to win important positions in all areas of state leadership and the economy. In future it will all the more occupy the most essential key positions. Foreign observers in Djakarta take the view that Sukarno took the decisions that are now leading Indonesia onto the road to a dictatorship under the pressure of the army leadership. Developments of this kind had already become apparent at the beginning of the year. Even then the question had arisen whether Sukarno would manage to hold his own against the growing influence of the army, or whether Lieutenant General Nasution, at the head of an officers' junta, would take over dictatorial power in the state. It was also clear, however, that Nasution has an interest in making use of the person and name of the head of state. For Sukarno still counts in Indonesia, from the time of the struggle against the Dutch, as a national hero. He is himself a good political tactician and was probably already clear from the outset that at this advanced stage of the crisis he faced an alternative: either he created the conditions for a domestic political pact and a division of power with Lieutenant General Nasution, or he would one day have to leave the political stage of Indonesia under "voluntary compulsion". Now Sukarno has made his decision. In doing so he has certainly not made the worst choice for his country. For Nasution and the army are anti-communist in orientation, and as long as they remain politically in the race, the radical left in Indonesia will hardly be able to seize power. Nevertheless the political balance of forces on Java and the other islands deserves full attention. The communists under their chief Dipa Nusantara Aidit (who is only 36 years old) have a considerable following. Officially the Communist Party of Indonesia counts only one and a half million members. But indirectly it is supported by a number of influential organisations. Among these are the labour federation SOBSI with 2.8 million, the youth organisation Pemuda Rakjat with 800,000, the veterans' association Perbepsi with 200,000, the peasant organisation BTI with 250,000 and the women's movement Gerwani with 75,000 members. All these associations openly or covertly play into the hands of the communists. In the regional elections of 1957 the radical left was indeed able to win nearly 7 million votes. Only a few months ago the party leader Aidit declared that he would undoubtedly succeed in raising the number of communist votes to over eight million in coming elections. Under these circumstances it is obvious that Sukarno can only with the help of the army be in a position to forestall a dangerous development. In addition, at decisive moments the Muslim parties have also left him in the lurch. These groups, for example in early summer, when the constituent assembly had to decide on the introduction of the constitution of 1945, dropped out at the last moment. But the resistance of the right-wing rebels on the islands outside Java is also by no means as "tired" as one might assume. Here too the army will probably – if anyone – have the decisive word to speak. According to the latest reports, units of the government troops are currently endeavouring to force the rebels in North Celebes to withdraw. They succeeded in taking the town of Kotamobagu near the rebel headquarters. In Sumatra, on the other hand, both sides seem to have decided on a tacit ceasefire. It is incidentally remarkable that "peace talks" are still being conducted through secret channels between Nasution and the rebel leadership. Only when the domestic political confusions can be settled does Indonesia have a chance to get back on its feet economically as well. At present things look rather bleak in this area. The gold cover of the currency, which officially should be at least 20 per cent, has fallen below 6 per cent. On the black market the Swiss franc and other currencies have risen to almost five times the official clearing rate. The fact that President Sukarno, during his now concluded four-and-a-half-week trip abroad, spent 229,000 US dollars – that is, around 3,500 US dollars per day – generously at state expense on the charter of an American aircraft alone cannot disguise this worrying economic situation. One looks with suspense to the next act of the Indonesian drama. This act will probably bear the title: "Dictatorship under the sign of guided democracy."