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Neues Deutschland, 6 March 1949, S. 3: Manifest zur Verteidigung des Friedens

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Text

Aktivistinnen in der Leipziger „Spinne” Die neue Stellung der Frau im Produktionsprozeß Leipzig (ND). „Hör mir auf, dauernd von der ‚Spinne‘ zu reden. Die Zeitungen schreiben daven, und der Rundfunk hat auen schon mehr als einmal dieses häßliche Wort gebraucht. Ich arbeite schon 17 Jahre in diesem Betrieb, und all die Jähre wurde ich verächtlich über die Schulter angesehen, weil ich ‚eine aus dor Spinne‘ war. Unser Betrieb ist jetzt die volkseigene Mitteldeutsche Kammgarnspinnere:.“ Das war die Begrüßung, mit der wir von der ersten Vorsitzenden der Betriebsgewerkschaftsleitung in der Mitteldeutschen Kammgarnspinnerei empfangen wurden. Dabei war die Bezeichnung „Spinne“ von uns nur'scherzhaft gemeint,. Die Worte der langjährigen Mitarbeiterin und jetzigen BGL-Vorsitzenden, Martha Koschwitz, sind bezeichnend. Nicht nur in Leipzig, sondern in allen größeren Industriezentren war der Name „Spinne unrühmlich bekannt, „Bei euch arbeiten ja doch nur armer Leute Kinder und halbe Nutten“, waren nicht selten Bemerkungen, die fallengelassen wurden, Die Wirklichkeit sah aber schon damals ganz anders aus: Gewiß suchten die Kinder von den Ärmsten der Armen geräde in der Kammgarnspinnerei um Arbeit nach, wenn sie die Schule verlassen mußten, da sie dort die beste Mözlichkeit hatten, schon früh Cläre Muth Geld zu verdienen. Denn jeder Groschen, der mehr nach Hause gebracht wurde, half das Los der Familie erleichtern. So gingen sie als Anlernlinge in die „Spinne* und waren nach kurzer Zeit schon mit 15 Jahren volle Arbeitskräfte. Der Umstand, daß sie keinen „ordentlichen“ Beruf erlernt hatten, wär die Ursache für die Verächtlichmachung der Arbeit im Textilbetrieb. Es ist daher zu begrüßen, daß die Frauen in der Kammgarnspinnerei jetzt von sich aus alles daransetzen, mit _ diesen irrigen Ansichten über die „Spinne“ aufzuräumen und dieses Wort ein für allemal auszumerzen, Alles was wir schaffen, dient dem Volke Trotz aller Lehren, die die grausame Praxis dem Proletariat während - der Nazidiktatur erteilt hatte, war auch nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches die Mehrzahl der Frauen in der Kammgarnspinnerei indifferent geblieben, und es war äußerst schwierig für die wenigen Funktionärinnen, hier politische Arbeit zu leisten. Nach der Aufdeckung verbrecherischer Wirtschaftsvergehen, deren sich die privatkapitalistischen Inhaber noch während unseres demokratischen’ Neuaufbaues schuldig gemacht hatten, erkannten endlich: auch die Arbeiterinnen in der Kammgarnspinnerei, was es für sie bedeutet, wenn sich riesige Produktionsmittel in der Hand weniger Kapitalisten befinden. Von dem Tag an, da der große’ Textilbetrieb im Leipziger Westen in Volkseigentum überging, zog auch ein neuer Geist in die Belegschaft ein. Gibt es. einen besseren Beweis für die Bewußtseinswandlung dieser Frauen als das Transparent, das sie am Eingangportal anbrachten, und das in großen Lettern verkündet: „Alles was ‚wir schaffen, ‚dient dem Wolke." In- verhältnismäßig kurzer Zeit antständen die verschiedensten sozialen Einrichtungen und Verbesserungen, bei denen besonders auf die Struktur als ausgesprochener Frauenbetrieb Rücksicht genommen wurde. _ Fräuen sorgen für Frauen Um die vielen weiblichen Arbeitskräfte, von denen eine Anzahl Mütter sind, von ihren Sorgen um die Kinder: zu entheben, haben liebevolle Frauenhände in beiden Werken je jeinen Kindergarten geschaffen und als Tagesstätte eingerichtet, ir. der sich die 200 Kinder wohlfühlen können. während die Mutti an der Krempei, am Kammstuhl oder -an der Ringepinnmaschine fleißig schafft, Selbstverständlich liegt aueh die Ärztliche Betreuung bei den Frauen selbst. Zwei Ärztinnen, von zwei Schwestern assistiert, halten täglich » Sprechstunden ab und versuchen, seelische und leibliche Schmerzen zu lindern. Bei Schwangerschaft übersimmt' der Betrieb di* Fürsorge der Wöchnerinnen. und auch das Neugeborene wird nicht vergessen. Sobald es das Licht der Welt erblickt hat, erhält‘ es ein Paket‘ mit einer Erstlingsausstattung, 27 Prozent über die Norm Es ist klar, daß bei der Arbeitsintensität in der. Mitteldeutschen Kammgarnspinnerei auch Marta Arendsee if die Aktivistenbewegung unter den Frauen Anklang fand und ihre Notwendigkeit.erkannt wurde, Das neue Arbeitsethos, nach dem Vorbild Adolf Henneckes, machte auch vor den Toren der Kammpegarnspinnerei nicht halt. Die Aktivistin Ursel Lorbeer verstand es, ihre Maschine zu 83 Prozent der Kapazität auszu- Manifest zur Verteidigung des Friedens Der 2. Internationale Frauenkongreß der IDFF an die Frauen der Welt Frauen, Mütter! Wir, die wir uns nach dem zweiten Weltkrieg in der internationalen Demokratischen Frauenföderation zusammenschlossen, haben auf unserem ersten Kongreß vor drei Jahren den feierlichen Eid abgelegt, den Faschismus bis zu seiner vollständigen Vernichtung zu bekämpfen, einen gerechten und dauerhaften Frieden zu schaffen und jede neue Aggression zu verhindern. Nur ein dauerhafter Friede ist die Garantie für das Glück unserer Kinder und unserer Die Wunden, die der schreckliche Krieg, der durch die faschistischen Barbaren entfesselt wurde, geschlagen hat, sind noch nicht verheilt. Die Städte, die durch die Bombenangriffe zerstört wurden, sind noch nicht wiederaufgebaut, aber schon strecken die Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens, die Militärkreise, die Finanziers und die Großindustrie erneut die Hand nach der jungen Generation, nach unseren Kindern, und nach all denen, die uns’ lieb sind, aus, Sie hindern die einfachen Menschen daran; die Früchte ihrer täglichen Arbeit zu genießen.. Für die Monopolisten und Kapitalisten ist der Krieg ein einirägliches Geschäft. Sie bereichern sich am Blut und an den Leiden von Millionen von Menschen. Heute steigern die Anstifier eines neuen Krieges die Rüstungen, Sie organisieren Staatenblocks und Militärbündnisse, Sie erwecken den deutschen Militarismus zu neuem Leben. Sie schaffen militärische Stützpunkte. Sie rüsten Japan auf und wollen aus ihm ein Kriegsarsenal im Fernen Osten machen. Sie bedrohen die Menschen mit der barbarischsten aller Angriffswaffen, der Atombombe. Frauen! Die Kräfte der Demokratie, des Fortschritts und des Friedens haben sich entwickelt. Sie wachsen in der ganzen Welt von Tag zu Tag. Es liegt an uns, zu verhindern, daß unsere Männer, Söhne und Brüder in einen neuen Krieg hineingezogen und zu Kanonenfutter für Abenteurer und Atombombenfabrikanten werden. Es liegt an uns, zu verhindern, daß von neuem Bomben auf unser friedliches Heim geworfen werden. die unsere Kinder und unsere Enkel vernichten. Es liegt an uns, zu verhindern, daß die Qualen des Hungers, der Brände und: der Familien. Epidemien von neuein Millionen unserer Brüder und Schwestern dahinraffen. Frauen aller Länder! Wir haben eine große Verantwortung vor unseren Kindern, vor un« seren Völkern, vor der Menschheit und vor der Geschichte zu tragen. Wenn wir — die Frauen und wir sind die Hälfte der Menschheit — uns in starker, fester Geschlossenheit gegen die Anstifter eines neuen Krieges erheben, dann wird es keinen Krieg. mehr geben. .Der zweite Kongreß der Internationalen Demokratischen Frauentöderation fordert euch auf: ’Entlarvt die Kriegsbrandstifter. die Militärbündnisse organisieren, die überall in der Welt militärische Stützpunkte schaffen, die den deutschen Militarismus wieder aufrichten und die Welt einem neuen Krieg. entgegentreibenl Brandmarkt jede Kriegspropaganda! Protestiert. gegen die militärischen Interventionen in Griechenland, China, Vietnam, Indonesien, in Malaia, Burma und in Süd- Korea. Reicht den Frauen dieser Länder die Hände! Helft ihnen durch Lebensmittel-, Kleider- und Medikamentensammlungen. - Frauen der USA, Englands, Frankreichs und Hollands! Ihr müßt wissen, daß ein Volk, welches ein anderes unterdrückt, kein freies Volk sein kann. Fordert von euren Regierungen die Zurückziehung der Truppen aus diesen Ländern und die Einstellung jedweder Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder. Frauen der Sowjetunion! Verstärkt die Macht eures Vaterlandes, das‘ der Wall des Friedens und der Demokratie ist. Je stärker cuer Land sein wird, um so mächtiger \erden die Kräfte des Friedens sein. Frauen der ganzen Welt, Kampfgenossinnen! Zusammen mit den anderen demokratischen Organisationen der Welt schaffen wir eine geschlossene ein- Beitliche Front gegen die Kriegsanstifter, die Feinde der Menschheit! nutzen und auf diese Weise I17 Prozent der Norm zu erreichen. Sie blieb nicht allein, Rosa Naumann Helene Werner, Urula Ka. nold, Anita Zähmisch, Elfriede Hunger und Christa Stelzner erreichten durch Ausschaltung der Verlustzeiten und gute Arbeitsvorbereitungen an ihren Ringspinnmaschinen 127 Prozent der Norm. Das bedeutet bei den ohnehin bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit ausgenutzten Maschinen eine beachtliche Leistung. Mit diesen Erfahrungen konnte der Betrieb in einen innerbetrieblichen Wettbewerb der einzelnen Abteilungen treten und den Leistungswettkampf mit der Kammpgarnspinnerei Schedewitz-Silberstraße aufnehmen. Nicht zuletzt ist diese ‚fortschreitende Bewußtseinsänderung ein Erfolg verschiedener Aktivistinnen, die inzwischen Vorarbeiterinnen wurden. Eine von ihnen, die Aktivistin Eily Otto, wird nunmehr nach Rücksprache der BGL mit der Geschäftsleitung, am’ Inter- ‚nationalen Frauentag z“#r Hilfsmeisterin ernannt werden. Weitere Aktivistinnen sind ebenfalls für diese Ausbildung vorgesehen. Die Mitteldeutsche Kammgarnspinnerei hat politisch ein vollkommen neues Gisicht er- ‚halten. Sie ist nicht mehr die „Spinne“ ven gestern, sondern bemüht sich, im Verein mit anderen gleichartigen Betrieben um eine bessere Ausnutzung der Rohstoffe, um die Steigerung der Arbeitsproduktivität, VWerbesserune der. Qualität und Senkung der Selbstkosten,, Christa Hergesell, Anna Köcher, Gertrud Günzel und Christa Schmidt F rauen, die wir am 8, März ehren: Mitgestalterinnen einer besseren Zukunft Der Zweijahrplan steht am 8. März im Mittelpunkt aller Feierlichkeiten. Dieser Plan "wurde geschaffen, um in der Östzone den friedlichen Wiederaufbau zu ermöglichen und zu helfen, für uns und ünsere Kinder gesunde und normale Verhältnisse zu schaffen. Um ihn aber durchzuführen, brauchen wir aktive, entschlossene und bewegliche Menschen, die fähig sind, sich mit ihrer ganzen Seele für das große Ziel einzusetzen. Es gibt bereits viele Aktivistinnen in der Produktion. Arbeitsmethoden, für die Steigerung der Produktion un erbesserungsvorschläge für neue der Qualität wurden von ihnen gemacht. Auch in der Landwirtschaft wächst die Aktivistenbewegung unter den Frauen, und die Neubäuerin Helene Becker, Rauschwitz Krs. Kamenz, steht nicht mehr allein. Es geht aufwärts. Den regen Puls unseres Wiederaufbaus verdanken die Werktätigen nicht zuletzt dem tapferen, aufopferungsvollen Einsatz der Frauen. Cläre Muth ist die Gewerkschaftssekretärin von „Forischritt", Daß der Name und suck die Bedeutung des größlen volkseiıgenen Berliner Textilbetriebes bereits vielen Berlinern, aber auch der Bevölkerung der Zone bekannt würde, hat seinen Grund in der Tatsache, daß er einen großen Anleil an der Belieferung auf den Punktkarten hat. Hier geht kein Schund, son- "dern Qualilätsware heraus. Aber die Produktionssleigerung und die Qualilätsverbesserung Jer Waren sind durchaus keine Zulallserscheinung, sondern hängen zusammen mil einer in diesem Werk vorbildlich geleisteten Aufbauarbeit und politischer Aufklärung durch aniilaschistische Kräfte. Mit dieser Entwicklung ist der Name Cläre Muth verbunden, die seit 1947 dort gui die Gewerkschaltsarbeit leistele und seit 1948 die Gewerkschaftssekrelärin für alle fünl Werke ist, die zusammen einige lousend Frauen beschälligen. Auch an der Herbeilührung des Zusammenschlusses der vielen kleinen Betriebe zum großen volkseigenen Werk war Cläre Muth, die ehemalige Näherin, maßgeblich beteiligt, Wer diese ernste und mit soviel Uberzeugungskralt ausgeslaltele Frau.kennt, ist überzeugt, daß sie die Masse der Bekeidungsarbeilerinnen mitreiben wird, den Sinn des Zweijahrplans zu verstehen und bewußt! dafür zu arbeiten. Marla Arendsee, Vorsitzende der Sozialversicherungsanstalt Berlin. Die jelzt 64jährige hervorragende Sozialpolilikerin siehl seit Jahrzehnten in der Arbeiterbewegung. Bereits vor 1933 hat sie zehn Jahre lang als kommunistische Reichstagsabgeordnete ihre sozialpolitischen Fähigkeilen bewiesen. Daß die Sozialversicherung Berlin jetzt ın den Hünden dieser Frau liegt, die trotz ihres Alters immer noch mit soviel jugendlicher Tatkralt erfüllt ist, ist für die Wahrung der Interessen der arbeitenden Berliner von großer Bedeutung, Eine Genugtuung ist es insbesondere für dıe werklätigen Frauen, an dieser Stelle eine bekannte Vorkämpferin für Frauenrechte und Arbeilerinnenschuiz zu wissen. Bei Wind und Welter führt Waltraut Hanschmann, Aktivistin der Neplun-Werfi Rostock, ihren Kran. Ihre Arbeit Irägt dazu bei, den Plan dieses Werkes zu erlüllen. Anne Saelkow hat einen veraniwortungsvollen Posten als Bezirksbürgermeisterin in Pankow. In schwierigsten Situationen hat sich diese körperlich zarte Frau, der die Leidenssialionen durch Konzenlralionslager und Zuchthäuser nicht erspart geblieben waren, im Wiederaufbau Berlins bewährt. Es bleibt unvergessen, wie sie im bilterkalten Notwinter 194647 als Bürgermeister des Bezirks Pankow die Allen, Kranken und Kinder durch Errichtung von Wärmehallen, Krankenstuben und materiellen Sofortmaßnahmen durchbrachte. Sie, die schwer am Verlust ihres Mannes, dem Genossen Anton Saeikow trug, der 1944 hingerichtet wurde, hat: seine Aufgaben mit übernommen. Adoll Hennecke Werde der Initialor einer heiten Massenbewegung des Aufbaus. Ganze Abtellungen. in den Betrieben setzen sich für die Durchführung des Zweijahrplans ein. Im Dresdner Glühlampenwerk waren es Christa Hergesell, Anna Köcher, Gertrud Günzel und Christa Schmidl, die in einer Sonderschicht beim Umwickeln. des- Glühdrnhtes um den Sockel der Birnen durch ihre. große Fingerierligieit eine MOprozentige ÄArbeitsleistung hervorbrachlen. Ein großer Teil der Glühbirnen, die in dieser Sonderschicht ierlıyaeatel! wurden, sind späler den: Schulen zur FEaRUnG) DR worden. ’ ‚Vor großen Aufgaben: Es geht um die Gleichberechtigung der Frau . Von Hilde Benjamin, Direktor der deutschen Justizverwaltung in der sowjetischen Besatzungszone Der Internationale Frauentag macht allen. Delegierten, die an dem Zweiten Internationalen Frauenkongreß in Budapest teilnehmen konnten, das Erlebnis dieses Kongresses wieder besonders lebendig. Nicht nur, daß bei den Berichten ° der verschiedenen Delegierten immer wieder hervorgehoben wurde, wie die einzelnen Sektionen der IDFF den Internationalen Frauentag ın ihrem Lande in den vergangenen Jahren begangen haben; die Tagung selbst war in dem Zusamrmeentreffen von Frauen der ganzen Welt eine Verkörperung dessen,' was der Internationale Frauentag bedeutet! Des gemeinsamen Kampfes aller Frauen für Frieden, Freiheit - und Gleichberechtigung. Eine der uiekkigsten‘ "Erkenntnisse dieser Tagung war die. daß wir auch in Deutschland In unserer gegenwärtigen Entwicklung, so sehr sie uns auch durch unsere besonderen Verhältnisse bedinrt erscheint, nicht allein stehen, sondern dıß sie sich nach den gleichen Gesetzen vollzieht wie die gesellschaftliche Entwicklung in der ganzen Weit. Genau so, wie die „erste weltgsschichtliche Niederlage des weiblichen Geschlechts", der Übergang vom Mutterrecht zum Vaterrecht, eine Erscheinung war, die bei allen Völkern auf einer bestimmten Entwicklungsstufe, ver. knüpft mit der Entstehung des Privateigentums, eintrat, so führte der Kapitalismus die Frau wieder. heraus aus Küche und Kinderstube in die Industrik hinein, in das öffent-. liche Leben. Zunächst war sie zwar nur eine besonders ausgebeutete Arbeitskraft; aber sie gewann damit gleichzeitig den Boden, um den Kampf um ihre Rechte zu führen. “ Budapest zeigte uns, daß dieser Kampf in der ganzen Welt der gleiche ist: es geht um die wirtschaftliche Gleichberechtigung: „gleicher Lohn für gleiche Arbeit", um die politische Gleichberechtigung: „das Wahlrecht“, und um die bürgerlich-rechtliche Gleichstellung der Frau. Budapest gab uns den Anschauungsunterricht: Überall da, wo wahre Demokratie für das ganze Volk erreicht ist oder sich entwickelt, da verwirklicht sich auch die Gleichberechtigung der Frau, da bestehen insbesondere auch die materiellen Voraussetzungen dafür, daß die Frau die ihr zustehenden Rechte auch wirklich ausüben kann. Da entstehen Kinderhorte und Krippen, die der arbeitenden Mutter die Sorge für Ihr Kind abnehmen. Da’ werden durch Schaffung von Bildungsmöglichkeiten aller Art der Frau die Wege geebnet, um sie zur Ausübung aller ihr gewährten Rechte zu befähigen. Die Lage für die deutschen Frauen ist nicht einheitlich. Während in der ÖOstzone die politische Gleichberechtigung eine Selbstvera rer ei: m 6.März 1949 / NEUES DEUTSCHLAND Y/ Nr.55, Seite 3 -ihrer Internationaler Frauentag am 8. März: Tag der Aktivistinnen -— Kampftag für den Frieden der Welt! mr re Die Frau und ihr Lohn Von Jürgen Kuczynskl Die Rolle der Frau In der Gesellschaft spiegelt sich häufig in der Bezahlung, die sie für ihre Leistungen erhäit, sehr deutlich wider. Das gilt insbesondere auch für die kapitalistische und sozalistische Gesellschaft. Zu Beg'nn des industriellen Kapitalismus, vor 150 Jahren, erhielten die Frauen im Grunde überhaupt keinen Lohn. Sie waren s0 rechtlos, wurden so völlig als mindere Wesen betrachtet, daß man ihnen für ihre Arbeit im al!gemeinen nur ein Taschengeid gab. Die lies, daß man die Frauen mindestens so bezahlen müßte, daß sie von ihrem Lohn leben könnten, kam n.emanden. Frauen galten als Ankängsel des Mannes oder der Familie, Wenn man ihnen ein Taschengeld gab, dann nur, um sie dadurch in die Fabriken zu ziehen. 'Denn wenn sie das Taschengeld für sich behalten konnten, dann konnten sie zumindsst über etwas Geld für eigene Käufe nach eifenem Wunsch verfügen, Im Laufe der Zeit besserte sich die Position der Frauen, so daß sie gegen Ende. des 19. Jahrhunderts schon fast zwei Drittel der Löhne der Männer erhielten. Die Auflösung der Familie, die der Kapitalismus gebracht hatte, führte mehr und mehr dazu, daß Frauen alleinstehend auf ihren Verdienst angewiesen waren, und es wurde notwendig, eine Beziehung zwischen dem Lchn und den Lebenshaltungskosten auch für Frauen anzuerkennen. Aber man betrachtete sie weiter als mindere Wesen und erwartete, daß, wenn der Lohn nicht zum Leben ausreichte, sie sich, vor allem durch Prostitution, zusätzlich etwas verdienten. Heute haben viele vergessen, welche Holle die Prostitution im 19. Jahrhundert gespie!t hat, und es ist nützlich, immer wieder das große Werk von Bebel über die Frau darüber nachzulesen — was nicht bedeutet, daß man entsprechende Informatio- Woaltraut Hanschmann nen nicht auch aus zahlreichen bürgerlichen Schriften haben kann, Gleicher Lohn für gleiche Lelstung Mit dem Wachstum der Arbeiterbewegung, mit dem zunehmenden politischen Bewußtsein der Arbeiterklasse begann sich allmählich die Idee durchzusetzen, daß die Arbeiter nicht frei und gleichberechtigt sein könnten, wenn € nicht auch die Frauen wären, Die fortgeschrittenen Arbeiter begannen zusammen mit den Arbeiterinnen den Kampf für die Gleichberechtigung der Frau und stellten auch die entscheidende wirtschaftliche Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Leistung, ob Mann oder Frau“ auf. Aber noch in kenem kapitalistischen Lande wurde diese Forderung durchgesetzt. Zum ersten Male wurde sie in der sozialistischen Sowjetunion verwirklicht. Wir können den Fortschritt, den wir in der Ösizone gemacht haben, daran ermessen, daß auch bei uns heute diese Forderung erfüllt wird. Nicht daß etwa bereits alle Arbeiter damit einverstanden sind. Noch haften viele Gedankengänge der monopo'kapitalistischen Gekellschant auch der deuischen Arbeterklasse ständlichkeit ist, während die wirtschaftliche Gleichberechtigung in. der Sicherung des gleichen Lohnes- für. die gleiche Arbeit ihre Grundlage gefunden hat und durch das immer zunehmende Aufrücken von. Frauen in gehobene und leitende Stellungen auf immer breitere Grundlage gestellt wird, bedürfen im Westen Deutsthlands diese Rechte erst noch Verwirklichung. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit gibt es im Westen Deutschlands noch nicht. Die Frauenlöhne liegen noch immer 20 bis 25 Prozent unter den Männerlöhnen; in den Parlamenten Westdeutschlands schwankt | der Änteil der Frauen zwischen 3 und 8 Prozent, während der in der Östzone durchschnittlich über 20 Prozent beträgt.. Als gemeinsame Aufgabe steht aber vor den Frauen Öst- und Westdeutschlands die Durchführung ihrer. Gleichberechtigung im bürgertichen Leben, d.h. die Schaffung vor allem eines neuen Familienrechts. Die Verfassung, die der Deutsche Volksrat demnächst dem deutschen Volk vorlegen wird, gibt die Grundlage für eine Gesetzgebung, die die Gleichberechtigung der Frau sichert, Die gesetzgeberischen Vorarbeiten dazu sind bei verschiedenen Stellen bereits im Gange. Entscheidend ist nun aber, daß eine solche neue Gesetzgebung getragen wird] von dem Bewußtsein, daß die Gleichberechtigung der Frau eine Selbstverständlichkeit ist, von dem Bewußtsein, daß die Berufsarbeit der Frau nicht nur Last, sondern Voraus - gleiche Leistung an. Noch gitr* es viele Arbeiter, ja man muß sagen, viele Arbeiter, Gie nicht einsehen, daß es eine Schande und eine Erniedrigung für sie selbst ist, wenn die Frauen für die schlechter bezahlt werden sollten als sie selber. Aber können wir sagen, daß wir sıhon eo weit sind, daß gleiche Lohnzahlung die völlige Gleichberechtigung der Frauen auch nur auf lohnpoiitischem Gebiet miteinschließt? Keineswegs! Denn wenn wir uns die Löhne, tie in der Ostzone bezahlt: werden. ansehen, dann finden wir, daß auch bei voiler Verwirklichung des Gesetzes, daß der Lohn für gleiche Leistung gleich sein soll, d’e Löhne der Frauen im allgemeinen viel niedriger sind a!s die der Männer. Das liegt daran, daß die Frauen im allgemeinen weniger leisten ais die Männer, Gleiche Qualifizierung für Männer -und Frauen! Ist diese geringere Leistung der Frauen aber darauf zurückzuführen, daß sie weniger tüchtig, weniger begabt sind als die Männer? Keineswegs! Die Tatsache, daß die Frauen heute weniger leisten, als die Männer, ist ganz einfach darauf zurückzuführen, daß sie unter dem Kapitalismus nicht die gleichen Möglich- Anne Saelkow keiten hatten, sich. zu qualifizieren wie die Männer. Darum gehört es heute mit zuunseren wichtigsten Aufgaben, dafür zu sorgen, daß die Frauen in möglichst großer Anzahl Berufsschulen besuchen und auf dia technischen Schulen und Hoch“ schulen gehen können.. Wir.sehen, daß die Frage deriGiteinee tigung der Frau keineswegs nur eine Frage von Gesetzen, Verordnungen und ihrer korrekten Durchführung ist. Die Gleichberechtlgung der Frau ist gleichzeitig ein sehr ernster Erziehungsprozeß, dessen Verwirklichung noch längere Zeit dauern wird, Wie außerordent!ich wichtig es ist, die Frau wirklich in jeder Beziehung gleichberechtigt mit dem Mann zu machen, wird uns ganz besonders klar, wenn wir an unsere Aufgaben im Zusammenhang mit dem Zweijahrplan und dem folgenden Fünfjahrplan denken. Denn beide Pläne erfordern ein schnelles Steigen der Arbeitsproduktivität, und dieses Steigen hängt zu einem großen Teil von der Qualifizierung unserer Arbeitskräfte ab. Das größte Die Frau ist keine schlechte Kopie des Mannes, sie hat als Mensch Ihre besonderen Eigenschalten. Mit ihren besonderen Fähigkeiten, an deren Entwicklung sie rolange verhindert worden ist, wird sie Unenibehrliches Im Kamp! und Aufbau leisten. Klara Zetkin Reservoir für die Hebung der Qualifizierung unserer Arbeitskräfte aber stellen die Frauen dar, Die wirkliche Durchführung der Gleichberechtigung der Frau ist also zugleich ein außerordentlich wichtiger Beitrag zur Erfüllung des Zweijahrplanes und später des Fünfjahrplanes, zur Sicherung des Aufbaues einer demokratischen friedlichen Wirtschaft, die uns eine Hebung unserer Lebenshaltung sichert. setzung für eine wirkliche Gleichberechtigung ist, Die Tätigkeit der Aktivistinnen in den Betrieben und Verwaltungen beweist, daß auch in Deutschland die Berufsarbeit der Frau nicht nur durch wirtschaftliehe Not der Familie bedingt ist oder eine Überbrückung bis zur Ehe darstellt, sondern daß auch bei uns die Frau ihre Berufsarbeit als eine geseilschaftliche Aufgsbe empfindet, mit der:ie immer mehr verwächst und in der sie ihre Leistung immer mehr entwickelt und steigert, Ein neues Familienrecht wird nur dann aus den Paragraphen lebendig werden, wenn e3 getragen wird von wirtschaftlich unabhängigen Frauen. Die Gleichberechtigung der Frau kommt nicht darin zum Ausdruck, daß einzelne Frauen Spitzenstellungen bekleiden, sondern die Frauen in den leitenden Stellen müssen getragen werden von einer breiten Schicht beruflich gut vorgebildeter Frauen, a sich auf einen starken Nachwuchs stützen ann. Unsere deutsche Delegation in Budapest war beeindruckt von der ruhigen und überlegenen Sicherheit der Delegation der SU — und wir denken daran, daß in der Sowjetunlon die Hälfte aller Berufstätigen Frauen sind, Am Internationalen Frauentag zeigt sich das Ziel, dem auch die Frauen Deutschlands zustreben, besonders klar, und wir erkennen, daß unser Weg dahin der gieiche ist wie der Weg der fortschrittlichen Frauen in der ganzen Welt.

English translation

=== [Page 1] === --- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) --- Manifest zur Verteidigung des Friedens. Der 2. Internationale Frauenkongreß der IDFF an die Frauen der Welt. Frauen, Mütter! Wir, die wir uns nach dem zweiten Weltkrieg in der Internationalen Demokratischen Frauenföderation zusammenschlossen, haben auf unserem ersten Kongreß vor drei Jahren den feierlichen Eid abgelegt, den Faschismus bis zu seiner vollständigen Vernichtung zu bekämpfen, einen gerechten und dauerhaften Frieden zu schaffen und jede neue Aggression zu verhindern. Nur ein dauerhafter Friede ist die Garantie für das Glück unserer Kinder und unserer Familien. Die Wunden, die der schreckliche Krieg, der durch die faschistischen Barbaren entfesselt wurde, geschlagen hat, sind noch nicht verheilt. Die Städte, die durch die Bombenangriffe zerstört wurden, sind noch nicht wiederaufgebaut, aber schon strecken die Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens, die Militärkreise, die Finanziers und die Großindustrie erneut die Hand nach der jungen Generation aus. Für die Monopolisten und Kapitalisten ist der Krieg ein einträgliches Geschäft. Heute steigern die Anstifter eines neuen Krieges die Rüstungen, sie organisieren Staatenblocks und Militärbündnisse, sie erwecken den deutschen Militarismus zu neuem Leben, sie schaffen militärische Stützpunkte. Sie rüsten Japan auf und wollen aus ihm ein Kriegsarsenal im Fernen Osten machen. Sie bedrohen die Menschen mit der barbarischsten aller Angriffswaffen, der Atombombe. Frauen! Die Kräfte der Demokratie, des Fortschritts und des Friedens haben sich entwickelt. Sie wachsen in der ganzen Welt von Tag zu Tag. Es liegt an uns, zu verhindern, daß unsere Männer, Söhne und Brüder in einen neuen Krieg hineingezogen und zu Kanonenfutter für Abenteurer und Atombombenfabrikanten werden. Es liegt an uns, zu verhindern, daß von neuem Bomben auf unser friedliches Heim geworfen werden, die unsere Kinder und unsere Enkel vernichten. Es liegt an uns, zu verhindern, daß die Qualen des Hungers, der Brände und der Epidemien von neuem Millionen unserer Brüder und Schwestern dahinraffen. Frauen aller Länder! Wir haben eine große Verantwortung vor unseren Kindern, vor unseren Völkern, vor der Menschheit und vor der Geschichte zu tragen. Wenn wir — die Frauen, und wir sind die Hälfte der Menschheit — uns in starker, fester Geschlossenheit gegen die Anstifter eines neuen Krieges erheben, dann wird es keinen Krieg mehr geben. Der zweite Kongreß der Internationalen Demokratischen Frauenföderation fordert euch auf: Entlarvt die Kriegsbrandstifter, die Militärbündnisse organisieren, die überall in der Welt militärische Stützpunkte schaffen, die den deutschen Militarismus wieder aufrichten und die Welt einem neuen Krieg entgegentreiben! Brandmarkt jede Kriegspropaganda! Protestiert gegen die militärischen Interventionen in Griechenland, China, Vietnam, Indonesien, in Malaia, Burma und in Süd-Korea. Reicht den Frauen dieser Länder die Hände! Helft ihnen durch Lebensmittel-, Kleider- und Medikamentensammlungen. Frauen der USA, Englands, Frankreichs und Hollands! Ihr müßt wissen, daß ein Volk, welches ein anderes unterdrückt, kein freies Volk sein kann. Fordert von euren Regierungen die Zurückziehung der Truppen aus diesen Ländern und die Einstellung jedweder Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder. Frauen der Sowjetunion! Verstärkt die Macht eures Vaterlandes, das der Wall des Friedens und der Demokratie ist. Je stärker euer Land sein wird, um so mächtiger werden die Kräfte des Friedens sein. Frauen der ganzen Welt, Kampfgenossinnen! Zusammen mit den anderen demokratischen Organisationen der Welt schaffen wir eine geschlossene einheitliche Front gegen die Kriegsanstifter, die Feinde der Menschheit! --- English translation --- Manifesto for the defence of peace. The 2nd International Women's Congress of the WIDF to the women of the world. Women, mothers! We, who united in the Women's International Democratic Federation after the Second World War, took the solemn oath at our first congress three years ago to fight fascism until its complete destruction, to create a just and lasting peace and to prevent any new aggression. Only a lasting peace is the guarantee for the happiness of our children and our families. The wounds inflicted by the terrible war unleashed by the fascist barbarians have not yet healed. The cities destroyed by bombing have not yet been rebuilt, yet the governments of the United States and Great Britain, military circles, financiers and big industry are again reaching out for the young generation. For monopolists and capitalists war is a profitable business. Today the instigators of a new war are stepping up armaments, organising blocs of states and military alliances, reviving German militarism, creating military bases. They are re-arming Japan and want to make it a war arsenal in the Far East. They threaten people with the most barbarous of all weapons of attack, the atom bomb. Women! The forces of democracy, progress and peace have developed. They grow every day all over the world. It is up to us to prevent our men, sons and brothers from being dragged into a new war and becoming cannon fodder for adventurers and atom-bomb manufacturers. It is up to us to prevent bombs from again being dropped on our peaceful homes to destroy our children and grandchildren. It is up to us to prevent the torments of hunger, fire and epidemics from again carrying off millions of our brothers and sisters. Women of all countries! We bear a great responsibility toward our children, our peoples, humanity and history. If we, the women, who are half of humanity, rise in strong, firm unity against the instigators of a new war, there will be no more war. The Second Congress of the Women's International Democratic Federation calls on you: Expose the warmongers who organise military alliances, who create military bases everywhere in the world, who rebuild German militarism and drive the world toward a new war! Brand all war propaganda! Protest against the military interventions in Greece, China, Vietnam, Indonesia, in Malaya, Burma and in South Korea. Extend your hands to the women of these countries! Help them with collections of food, clothing and medicine. Women of the USA, England, France and Holland! You must know that a people that oppresses another cannot be a free people. Demand from your governments the withdrawal of troops from these countries and the end of any interference in the affairs of other countries. Women of the Soviet Union! Strengthen the power of your fatherland, which is the bulwark of peace and democracy. The stronger your country, the mightier the forces of peace will be. Women of the whole world, comrades-in-arms! Together with the other democratic organisations of the world we create a closed, united front against the instigators of war, the enemies of humanity!