Gerwani Archive
Researcher log in

← GA-03388

Neue Zeit, 20 February 1960, S. 4: Kartini wollte keine 40 Nebenfrauen

Licensed or copyrighted source: rights remain with the author or publisher. OCR transcription for scholarly research.

Cleaned OCR text (Fair (Tesseract OCR + ZEFYS ALTO OCR (both versions)); proof-reading: whole text (Claude, Oct 2026)). Old Indonesian spelling has been converted to modern EYD. [Unreadable] marks text that could not be recovered. English translation below.

Text

Neue Zeit, 20 Februar 1960, S. 4 [Text corrected from "OCR version 2: ZEFYS ALTO full text" (Staatsbibliothek zu Berlin), which is cleaner than the Tesseract version 1; passages of the page that belong to other articles are marked as fragments from adjacent columns.] Kartini wollte keine 40 Nebenfrauen Aus dem Leben und Wirken einer indonesischen Vorkämpferin der Frauenbewegung Kartini, die Vorkämpferin der indonesischen Frauenbewegung, wurde am 21. April 1879 geboren und starb 1904 bei der Geburt ihres ersten Kindes. Zu jener Zeit stand Indonesien unter holländischer Kolonialherrschaft. Kartinis Vater, eine hochgestellte Persönlichkeit der damaligen feudalen Gesellschaft, war Herr über das Gebiet von Japara in Zentraljava. Eltern und Geschwister liebten Kartini innig, teilten aber nicht ihre Ideen. Nach dem feudalen Sittengesetz durften Mädchen, sobald sie das 12. Lebensjahr erreicht hatten, nicht mehr ausgehen. Mit kaum 15 Jahren wurden sie an einen Mann verheiratet, den der Vater für sie gewählt hatte. Die Mütter hatten kein Recht, wegen ihrer Töchter eine Entscheidung zu treffen. Kinderehen waren in Indonesien an der Tagesordnung. Kartini besuchte bis zum 12. Lebensjahr eine holländische Schule. Dann mußte auch sie zu Hause bleiben. Zwar hätte ihr Vater gern gesehen, daß seine Töchter sich weiterbilden, aber er fügte sich den traditionellen Sitten. In dieser Zeit der Abgeschlossenheit las Kartini viel und stand in regem Briefwechsel mit Freundinnen in Holland und Deutschland. Innerhalb ihrer Familie kämpfte sie gegen diesen ihr ungerecht scheinenden Zwang, wobei sie von ihren europäischen Freundinnen sehr unterstützt wurde. Mit 16 Jahren erhielt Kartini endlich die Erlaubnis, das Haus zu verlassen. Aber alle Freunde ihres Vaters mißbilligten diese Freiheit. Kartini war sich schmerzlich bewußt, unter welch harten Bedingungen die Frauen ihres Landes lebten; sie empörte sich gegen die Gesetze, die die Polygamie gestatteten. Ihr heißer Wunsch war, ihr Vaterland unabhängig und die Frauen von jedem Zwang befreit zu sehen. Da ihr kein anderer Weg zu Gebote stand, ihre Ideen zum Ausdruck zu bringen, tat sie es in einer mit erstaunlichem Scharfsinn geführten Korrespondenz. Ihrer intimsten Freundin, Frau Estelle H. Zeehandelaar, schrieb sie: „Unsere Mädchen kennen nur ein Ideal: Die Heirat mit einem unbekannten Mann. Warum ist das so? Muß ich eine Raden Aju sein? (Die Frau eines Mannes, der den höchsten Rang in der feudalen Gesellschaft einnimmt). Nein, nein! Ich kann mir vorstellen, was das Leben einer Raden Aju ist. Es ist ein Leben voll Bitterkeit, denn ihr Mann hat mehrere Frauen, wie der König von Solo, der mehr als 40 besitzt. Ich will unabhängig sein! Ich will keinen Mann heiraten, der mir ein Fremder ist. Ich will studieren. Ich will unseren Mädchen und meinem Volk helfen. Ich werde vielen Hindernissen begegnen, aber ich muß meinen Weg gehen. Ich werde kämpfen, denn ohne Kampf gibt es keinen Sieg. Freundinnen, glaubt mir, ich will es tun." Vor allem beschäftigte Kartini die Frage des Unterrichts für Frauen und Kinder. Sie schrieb darüber: „Wir wollen, daß unsere Mädchen gebildete Frauen und gute Mütter werden, fähig, die Hauptverantwortung für die Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen." Kartini eröffnete gemeinsam mit ihrer Schwester in ihrem Haus einen Kursus für junge Mädchen. 1903 heiratete sie den Regenten von Rembang, einen der wenigen Männer, die bereit waren, die Bemühungen Kartinis zu unterstützen. Kartini fühlte sich zu den Unterdrückten hingezogen und empfand lebhaft die Ungerechtigkeiten des holländischen Kolonialsystems. In einem Artikel, der in der Zeitschrift „De Hollandsche Lelie" erschien, schrieb sie: „Ich habe die größte Sympathie für die Idee des Sozialismus und bin überzeugt, daß die größten Verbrecher nicht in den Armenvierteln zu suchen sind, sondern in den Heeren- und Keizergrachten" (Stadtteile von Amsterdam, in denen die holländischen Kolonialherren wohnten). Sie besaß gute literarische Kenntnisse, las die Werke von Bebel, Multatuli, Justus van Maurik usw. Sie liebte die Bibel und den Koran. Sie war eine geistig hochstehende Frau und eine Künstlerin. In einer vor mehr als 3000 Frauen gehaltenen Ansprache ehrte im vergangenen Jahr Präsident Sukarno das Andenken Kartinis und erklärte, daß sie nicht nur für die Befreiung der Frauen, sondern für das Glück des ganzen Volkes gekämpft hat. „Die Frauen dürfen sich nicht mit ihrer Befreiung und der Gleichberechtigung begnügen", sagte er, „sie müssen auch zusammen mit den Männern für eine gerechte und aufblühende Gesellschaft kämpfen." Sulami [fragment from adjacent column:] Mehr Hilfe für die Lehrerinnen. Schwierigkeiten bei der Weiterbildung durch familiäre Belastung und engstirnige Kollegen. 63,7 Prozent aller Mitglieder der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung sind Frauen. Auch vor ihnen steht die Forderung: sich genau wie die männlichen Kollegen innerhalb kürzester Zeit weiterbilden, die Befähigung erwerben, den Anforderungen des neuen Lehrplanwerkes gerecht zu werden. — Das verlangt sehr viel von unseren Lehrerinnen. Bei ihnen gibt es wie bei allen berufstätigen Frauen Schwierigkeiten durch die familiäre Belastung. Zwei Aufgaben gilt es vor allem zu lösen, betonte Prof. Dr. Alfred Lemmnitz, als er kürzlich vor etwa 1000 Lehrerinnen und Arbeiterinnen in Hartha, Kreis Döbeln, sprach: einmal die Qualifizierung der Frauen für höhere Funktionen, und zum anderen die fachliche und politische Qualifizierung aller Lehrerinnen und Erzieherinnen. Auch im Bereich der Volksbildung entspricht der Anteil der Frauen in leitenden Funktionen längst nicht ihrem Gesamtanteil. Dafür nur ein Beispiel: Während es 1954 noch zwei weibliche Bezirksschulräte gab, arbeitet jetzt keine Frau mehr in dieser Funktion. Ungenügend ist auch die Zahl der weiblichen Direktoren und stellvertretenden Direktoren. Im Kreis Döbeln, wo mit Hilfe des Frauenförderungsplanes dieser Zustand jetzt überwunden werden soll, gibt es bisher nur eine Direktorin, zwei stellvertretende Direktorinnen und drei Schulleiterinnen. 64 Prozent aller Lehrer und Erzieher im Kreis aber sind Frauen. Und so ist es nicht nur in Döbeln. Die Aufgabe, alle Lehrerinnen und Erzieherinnen weiterzubilden, ist jedoch noch weitaus umfangreicher. Hier ist besondere Hilfe durch das Ministerium für Volksbildung notwendig; denn ein großer Teil dieser Weiterbildung wird im Selbststudium erfolgen müssen. Außerdem müssen aber vor allem die Pädagogischen Bezirks- und Kreiskabinette verstärkt nach Möglichkeiten suchen, die es den Lehrerinnen, die Kinder und einen Haushalt zu versorgen haben, erleichtern, sich zu Hause oder in Kursen weiterzubilden. Die Hilfe durch das Kollektiv der Schule muß verstärkt werden. Zweifellos können aber auch die Patenbetriebe die Lehrerinnen in verschiedener Hinsicht unterstützen. Wenn, wie in den EAW Berlin-Treptow, in der Betriebswäscherei die Wäsche der Lehrerinnen mitgewaschen wird, wenn ihre Kinder bevorzugt in die Kinderkrippe oder in den Kindergarten des Betriebes aufgenommen werden, wird sich noch mancher Weg finden lassen, um den Lehrerinnen einen Teil ihrer Sorgen abzunehmen. Lehrer, die meinen, Gleichberechtigung der Frau bedeute, daß sie für alle Aufgaben in gleichem Umfang wie der Mann eingesetzt werden kann, die aber nichts von notwendiger Rücksichtnahme wissen wollen, sind auf dem Holzweg. Bürokratisches Verhalten hemmt gerade da. Wenn z. B. der Kollegin Richter, Lehrerin der erweiterten Oberschule Karl-Marx-Stadt, die seit 14 Jahren Deutschunterricht erteilt, das Fernstudium in diesem Fach abgelehnt wird, weil sie nach der Meinung des Direktors des Pädagogischen Kabinetts „mit 45 Jahren zu alt" sei, dann ist das ein solcher Fall. Das ist aber noch nicht alles. Diese Kollegin bereitete sich (nicht zuletzt, um zu beweisen, daß sie nicht zu alt ist) oft sogar in Nachtstunden auf die Fahrerprüfung für die Straßenbahn vor, da das für den Unterrichtstag in der Produktion wichtig ist. Am Tage ihrer Prüfung bat sie um Befreiung von einer Sitzung des Pädagogischen Rates. Das wurde vom Direktor der Schule nicht genehmigt. Als sie trotzdem ging, wurde ihr ein Tag vom Gehalt abgezogen! Die staatlichen Organe und insbesondere die Kreisschulräte, die Schuldirektoren und die Leiter der Pädagogischen Kabinette tragen eine besondere Verantwortung für alle Fragen der Frauenförderung und -qualifizierung. In enger Zusammenarbeit mit den Organen der Gewerkschaft müssen sie konkrete Maßnahmen einleiten. K. Schulz [fragment from adjacent column:] Begegnung. Du fragst, was dies Begegnen uns beiden schenken will? Ein zartes Nur-sich-Segnen, dem halte dankbar still. Mir leuchtet dein Vertrauen wie ein geweihtes Licht, in mein Gemüt zu schauen verwehrte ich dir nicht. Wir wissen eins vom andern und sehn doch dann und wann uns im Vorüberwandern so seltsam fragend an. — Gerda Uhthoff [fragment from adjacent column:] Nur nicht die Freude vergällen. „Wichtige Mittel zur Erreichung der Bildungs- und Erziehungsziele sind Belobigungen und Auszeichnungen der Schüler." (Aus § 34 der Schulordnung) Was sich für die Erziehung der Kinder in der Schule bewährt hat und deshalb nun gesetzlich verankert worden ist, das müßte doch auch in der häuslichen Erziehung seine Wirkung nicht verfehlen. Muß sich den Eltern diese Schlußfolgerung nicht aufdrängen? In der Familie ergeben sich noch viel häufiger Gelegenheiten, Lob und Tadel als wirksame Erziehungsfaktoren zu nutzen. Aber Hand aufs Herz, liebe Mutti, lieber Vati! — wird nicht viel häufiger getadelt als gelobt? Einen breiteren Raum als der schulische Erfolg nimmt in der Familienerziehung naturgemäß das häusliche Verhalten des Kindes ein, die ganze Art, wie es sich zu Hause aufführt. Das Putzen der Schuhe, das Aufräumen des Spiel- oder Arbeitsplatzes, die dem Kinde angemessene Mithilfe im Haushalt oder im Garten — so selbstverständlich diese kleinen Pflichten ganz allmählich werden sollten —, sie werden doch mit größerer Peinlichkeit und Sorgfalt erledigt, wenn sie von Mutti mit einem freundlichen Blick, von Vati mit einem anerkennenden Wort quittiert werden. Wie oft sind die Eltern übel gelaunt, verstimmt, gereizt —, da kommt das Kind mit seinen Arbeitsergebnissen, schaut uns erwartungsvoll an, weil es seine Sache gut gemacht hat. Vati aber, der eben aus diesem oder jenem Grunde nicht freundlich aufgelegt ist, sieht nur, daß hier ein Pünktchen fehlt und dort ein Komma nicht deutlich zu erkennen ist. Die Eins unter der Biologie-Arbeit interessiert ihn kaum. Und wie schwierig war die Aufgabenstellung! Vielleicht gibt er eine Mark in die Sparbüchse, weil er am Anfang des Schuljahres für jede Eins eine Mark versprochen hat. Aber diese pekuniäre Anerkennung hat für das Kind eben nur den rein materiellen Wert, den es als den ihm zustehenden Tribut einstreicht. Die innere Freude an der gelungenen Arbeit wird damit nicht geweckt. Wenn aber ein Kind spürt, daß seine guten Leistungen selbst den Ärger über den rücksichtslosen Nachbarn vertreiben können, dann freut es sich. — Es dürfen übrigens nicht immer nur die Einsen sein, die Anlaß zum Loben geben. Eine Drei ist zwar keine glänzende Note, doch ist sie relativ gut, wenn sich ein Kind von einer Vier auf die Drei verbessert hat. Man kann ihm die Freude am Erfolg vergällen, wenn man nur immer auf die viel Tüchtigeren hinweist oder darauf, daß man selbst als Kind nur Einsen und Zweien gebracht habe (?!). Das „Sich-mit-freuen-Können" an dem Fortschritt sollte natürlich den Ansporn für weitere Leistungssteigerungen enthalten. Freilich, zwischen Loben und Lobhudelei besteht ein Unterschied, der wohl nicht besonders herausgestellt zu werden braucht. Und daß man in der Erziehung nicht immer ohne Strafen auskommt, das ist auch in der neuen Schulordnung berücksichtigt. — Gertraude Adler [fragment from adjacent column:] Woanders kocht man anders: Französischer Salat. 125 g geräucherten Schweizer Käse, einen mittelgroßen Apfel in feine Würfel schneiden und mit einer Dose Erbsen und Karotten vermischen. Nach Belieben mit Salz, Pfeffer und Essig und Öl würzen. Jetzt 250 g Eierhörnchen, die in Salzwasser weichgekocht und nach dem Abgießen mit kaltem Wasser abgeschreckt worden sind, untermischen und das Ganze eventuell mit Mayonnaise noch andicken. [fragment from adjacent column:] Frühlingsgeschichte aus dem Hause Bormann. Wenn es sich um Fragen der guten Bekleidung handelt und um den Grundsatz, „immer gut und richtig angezogen zu sein", dann ist eine Modenschau eine gute Informationsquelle. Hin und wieder gibt es sogar eine, die einen ganz besonderen Reiz hat, gerade für Frauen mit stark ausgeprägtem Sinn für Schönheit und Eleganz und für meisterhaft verarbeitete Modelle. Das Modehaus Heinz Bormann, Magdeburg, hat uns mit der Berliner Premiere seiner Modekollektion 1960 wieder einen solchen Genuß beschert. Es steht außer Frage, daß die Mode auch in diesem Frühjahr und Sommer viel Interessantes zu bieten hat, selbst wenn erschütternde umwälzende Ereignisse in der Linienführung nicht zu erwarten sind und die Mode zu einer schlichten Natürlichkeit und Beständigkeit zurückgekehrt ist, wie es Heinz Bormann, Magdeburg, mit den neuesten Schöpfungen seines Hauses beweist. Begehrenswerte Modelle gingen über den Laufsteg. Elegante Hausanzüge, schlicht im Schnitt, aber aus wertvollen Stoffen gearbeitet, ansprechende Tageskleider aus schönen Wollstoffen, flotte, farbenfreudige Sportbekleidung, großzügig geschnittene Mäntel und Kostüme, auserlesene kurze Abendkleider von bestechender Schönheit und großzügiger Detailgestaltung, für jedes Alter und auch für die stärkere Frau fanden Anerkennung und Gefallen. Unter ihnen befanden sich auch Vorschläge, die speziell für die industrielle Fertigung gedacht waren. Sie werden hoffentlich schon im kommenden Frühjahr unser Warenangebot bereichern. Daß man von Jahr zu Jahr mehr ergänzende Kompletmäntel zum Sommerkleid trägt, ist nicht allein durch die Mode zu erklären, hat auch nicht seine Begründung darin, daß man sich gerade in duftigen Sommerkleidern mit großem Dekolleté vor Zugluft schützen muß. Das Geheimnis liegt wohl vielmehr in dem Zauber, den ein solches Komplet einer eleganten Frau verleiht. Klar in der Linie und von einer betonten schlichten Eleganz präsentieren sich die Tageskleider, die kleinen Wollkleider für den Übergang. Die schmale Rockform ist hier Favorit. Jugendliche Figuren tragen aber auch gern die beschwingten Kuppelröcke, die wegen ihrer dekorativen Wirkung hauptsächlich an Nachmittagskleidern Anwendung finden. Große Aufmerksamkeit hat Heinz Bormann den festlichen Brokaten zugewandt. Er verarbeitet sie zu eleganten Hausanzügen, hauptsächlich aber zu bezaubernden festlichen Gewändern. — Lilo [fragment from adjacent column:] Der Seidenschleier. Mutter Natur erscheint uns oft ungerecht in der Art, wie sie ihre Gaben verteilt. Da kommt ein kleiner Junge mit langen schwarzen, gebogenen Wimpern auf die Welt, obwohl es bei ihm gar nicht so „drauf ankommt" — und manches junge Mädchen hat an Stelle der Wimpern nur fahle, ungleichmäßige und steife. Aber dieser kleine Schönheitsfehler läßt sich mildern. Wenn man durch intensive Wimpernpflege auch nicht den so begehrten seidenen Schleier über den Augen erzielt, so doch wenigstens den leichten und immer jugendlich wirkenden Schwung nach oben. Dazu muß man täglich morgens und abends die Wimpern mit einem kleinen Bürstchen nach oben zwingen. Das Wachstum der Wimpern läßt sich fördern, wenn man dazu noch Rizinusöl verwendet. Doch Vorsicht damit, das Öl darf wirklich nur an die Wimpern und nicht ins Auge, sonst kann es zu leichten Rötungen oder gar Entzündungen führen. Überhaupt sollten Sie schon der Wimpern wegen gut auf Ihre Augen aufpassen und Bindehautentzündungen, die bei kaltem Wetter besonders leicht auftreten, vom Arzt behandeln lassen. Solche oft hartnäckigen Entzündungen haben im Gefolge, daß die Wimpern zu stark ausfallen, und wie ein gerupfter Sperling möchte doch keiner um die Augen herum aussehen. Bliebe noch etwas zu sagen über das Wimpernfärben. Sie wissen, ich schätze das „Künstliche" gar nicht sehr in einem Gesicht. Doch wer allzu blasse Wimpern hat, gibt der Augenpartie noch mehr Ausdruck, wenn er sich die Wimpern vom Friseur färben läßt. Das kostet nicht viel und hat den Vorteil, wetter- und tränenfest zu sein. Blonde und rothaarige Evastöchter sollten nur darauf achten, daß keine schwarze Farbe gewählt wird. Das sieht zu ihrem Teint unecht aus — die Kosmetikerin oder die Friseuse soll dann zum grauen oder blaugrauen Farbtopf greifen. Das klingt merkwürdig, unterstreicht aber sehr anmutig und zurückhaltend die Zartheit und Weiblichkeit eines Gesichts. Wer ganz zufrieden ist mit seinen Wimpern, nur zum Ausgehen sich besonders nett herrichten will, da genügt Wimperntusche, die aber nicht zu dick aufgetuscht werden darf. Außerdem ist diese Methode — je nach Sorte der Tusche — nicht wasser- oder fettbeständig. Und das Beständige ist immer lieber. — Ihrer Kosmetikerin Charlotte [Unreadable — photo caption: "Zeichnendes Kind, Tempera von Franz Tippel"; fashion-show photo captions]

English translation

=== [Page 1] === --- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) --- Kartini wollte keine 40 Nebenfrauen Aus dem Leben und Wirken einer indonesischen Vorkämpferin der Frauenbewegung Kartini, die Vorkämpferin der indonesischen Frauenbewegung, wurde am 21. April 1879 geboren und starb 1904 bei der Geburt ihres ersten Kindes. Zu jener Zeit stand Indonesien unter holländischer Kolonialherrschaft. Kartinis Vater, eine hochgestellte Persönlichkeit der damaligen feudalen Gesellschaft, war Herr über das Gebiet von Japara in Zentraljava. Eltern und Geschwister liebten Kartini innig, teilten aber nicht ihre Ideen. Nach dem feudalen Sittengesetz durften Mädchen, sobald sie das 12. Lebensjahr erreicht hatten, nicht mehr ausgehen. Mit kaum 15 Jahren wurden sie an einen Mann verheiratet, den der Vater für sie gewählt hatte. Die Mütter hatten kein Recht, wegen ihrer Töchter eine Entscheidung zu treffen. Kinderehen waren in Indonesien an der Tagesordnung. Kartini besuchte bis zum 12. Lebensjahr eine holländische Schule. Dann mußte auch sie zu Hause bleiben. Zwar hätte ihr Vater gern gesehen, daß seine Töchter sich weiterbilden, aber er fügte sich den traditionellen Sitten. In dieser Zeit der Abgeschlossenheit las Kartini viel und stand in regem Briefwechsel mit Freundinnen in Holland und Deutschland. Innerhalb ihrer Familie kämpfte sie gegen diesen ihr ungerecht scheinenden Zwang, wobei sie von ihren europäischen Freundinnen sehr unterstützt wurde. Mit 16 Jahren erhielt Kartini endlich die Erlaubnis, das Haus zu verlassen. Aber alle Freunde ihres Vaters mißbilligten diese Freiheit. Kartini war sich schmerzlich bewußt, unter welch harten Bedingungen die Frauen ihres Landes lebten; sie empörte sich gegen die Gesetze, die die Polygamie gestatteten. Ihr heißer Wunsch war, ihr Vaterland unabhängig und die Frauen von jedem Zwang befreit zu sehen. Da ihr kein anderer Weg zu Gebote stand, ihre Ideen zum Ausdruck zu bringen, tat sie es in einer mit erstaunlichem Scharfsinn geführten Korrespondenz. Ihrer intimsten Freundin, Frau Estelle H. Zeehandelaar, schrieb sie: „Unsere Mädchen kennen nur ein Ideal: Die Heirat mit einem unbekannten Mann. Warum ist das so? Muß ich eine Raden Aju sein? (Die Frau eines Mannes, der den höchsten Rang in der feudalen Gesellschaft einnimmt). Nein, nein! Ich kann mir vorstellen, was das Leben einer Raden Aju ist. Es ist ein Leben voll Bitterkeit, denn ihr Mann hat mehrere Frauen, wie der König von Solo, der mehr als 40 besitzt. Ich will unabhängig sein! Ich will keinen Mann heiraten, der mir ein Fremder ist. Ich will studieren. Ich will unseren Mädchen und meinem Volk helfen. Ich werde vielen Hindernissen begegnen, aber ich muß meinen Weg gehen. Ich werde kämpfen, denn ohne Kampf gibt es keinen Sieg. Freundinnen, glaubt mir, ich will es tun." Vor allem beschäftigte Kartini die Frage des Unterrichts für Frauen und Kinder. Sie schrieb darüber: „Wir wollen, daß unsere Mädchen gebildete Frauen und gute Mütter werden, fähig, die Hauptverantwortung für die Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen." Kartini eröffnete gemeinsam mit ihrer Schwester in ihrem Haus einen Kursus für junge Mädchen. 1903 heiratete sie den Regenten von Rembang, einen der wenigen Männer, die bereit waren, die Bemühungen Kartinis zu unterstützen. Kartini fühlte sich zu den Unterdrückten hingezogen und empfand lebhaft die Ungerechtigkeiten des holländischen Kolonialsystems. In einem Artikel, der in der Zeitschrift „De Hollandsche Lelie" erschien, schrieb sie: „Ich habe die größte Sympathie für die Idee des Sozialismus und bin überzeugt, daß die größten Verbrecher nicht in den Armenvierteln zu suchen sind, sondern in den ‚Heeren- und Keizergrachten' (Stadtteile von Amsterdam, in denen die holländischen Kolonialherren wohnten)." Sie besaß gute literarische Kenntnisse, las die Werke von Bebel, Multatuli, Justus van Maurik usw. Sie liebte die Bibel und den Koran. Sie war eine geistig hochstehende Frau und eine Künstlerin. In einer vor mehr als 3000 Frauen gehaltenen Ansprache ehrte im vergangenen Jahr Präsident Sukarno das Andenken Kartinis und erklärte, daß sie nicht nur für die Befreiung der Frauen, sondern für das Glück des ganzen Volkes gekämpft hat. „Die Frauen dürfen sich nicht mit ihrer Befreiung und der Gleichberechtigung begnügen", sagte er, „sie müssen auch zusammen mit den Männern für eine gerechte und aufblühende Gesellschaft kämpfen." Sulami [Reihenfolge der Spalten aus zwei OCR-Fassungen rekonstruiert; einzelne Wörter ("harten", "ungerecht") nach Lesart ergänzt.] --- English translation --- Kartini did not want 40 secondary wives From the life and work of an Indonesian pioneer of the women's movement Kartini, the pioneer of the Indonesian women's movement, was born on 21 April 1879 and died in 1904 giving birth to her first child. At that time Indonesia was under Dutch colonial rule. Kartini's father, a high-ranking figure of the feudal society of the day, was lord over the district of Japara in Central Java. Parents and siblings loved Kartini dearly but did not share her ideas. Under the feudal moral code, girls were no longer allowed to go out once they had reached the age of 12. At barely 15 they were married to a man chosen for them by their father. Mothers had no right to make a decision about their daughters. Child marriages were commonplace in Indonesia. Kartini attended a Dutch school until the age of 12. Then she, too, had to stay at home. Her father would indeed have liked his daughters to continue their education, but he bowed to traditional customs. In this time of seclusion Kartini read a great deal and corresponded actively with friends in Holland and Germany. Within her family she fought against this constraint that seemed unjust to her, strongly supported by her European friends. At 16 Kartini was at last given permission to leave the house. But all her father's friends disapproved of this freedom. Kartini was painfully aware of the harsh conditions under which the women of her country lived; she was outraged by the laws that permitted polygamy. Her ardent wish was to see her homeland independent and women freed from every constraint. Since no other way was open to her to express her ideas, she did so in a correspondence conducted with astonishing acuity. To her most intimate friend, Mrs Estelle H. Zeehandelaar, she wrote: "Our girls know only one ideal: marriage to an unknown man. Why is that so? Must I be a Raden Aju? (The wife of a man who holds the highest rank in feudal society.) No, no! I can imagine what the life of a Raden Aju is. It is a life full of bitterness, for her husband has several wives, like the King of Solo, who has more than 40. I want to be independent! I do not want to marry a man who is a stranger to me. I want to study. I want to help our girls and my people. I shall meet many obstacles, but I must go my way. I shall fight, for without struggle there is no victory. Friends, believe me, I want to do it." Above all Kartini was concerned with the question of education for women and children. She wrote about it: "We want our girls to become educated women and good mothers, able to take on the main responsibility for the upbringing of their children." Together with her sister, Kartini opened a course for young girls in her house. In 1903 she married the Regent of Rembang, one of the few men who were prepared to support Kartini's efforts. Kartini felt drawn to the oppressed and keenly sensed the injustices of the Dutch colonial system. In an article that appeared in the magazine "De Hollandsche Lelie" she wrote: "I have the greatest sympathy for the idea of socialism and am convinced that the greatest criminals are not to be sought in the slums but in the 'Heeren- and Keizergrachten' (districts of Amsterdam in which the Dutch colonial rulers lived)." She had good literary knowledge and read the works of Bebel, Multatuli, Justus van Maurik, etc. She loved the Bible and the Koran. She was a highly cultivated woman and an artist. In an address to more than 3,000 women last year, President Sukarno honoured Kartini's memory and declared that she had fought not only for the liberation of women but for the happiness of the whole people. "Women must not content themselves with their liberation and equal rights," he said, "they must also fight together with men for a just and flourishing society." Sulami [Order of columns reconstructed from two OCR versions; a few words ("harten", "ungerecht") supplied from the more plausible reading.]