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Neue Zeit, 11. November 1965, S. 2: Kriegszustand aufgehoben

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Text

Neue Zeit, 11. November 1965, Seite 2 Zweimal Bildung „Unser Bildungssystem ist arbeiterfeindlich. Jeder zweite Erwerbstätige in der Bundesrepublik ist Arbeiter. Mehr als die Hälfte aller Westdeutschen lebt in Arbeiterfamilien, aber nur 5,2 Prozent aller Studenten stammen aus diesen Familien. [Unreadable] Zahlen ist, daß sich viele Menschen darüber überhaupt nicht wundern. Vor allem aus den Kreisen der Studienräte stammen viele überzeugte Stimmen: Begabungsreserven gibt es nicht oder kaum. Alle Forscher sind sich darüber einig, daß es unter den deutschen Arbeiterkindern eine Reserve an Begabten gibt." Aus „Kölner Stadtanzeiger" „Das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR wird in manchen Ländern bereits als Modell bezeichnet. Auch die Pädagogen in der Bundesrepublik erkennen den Wert dieses neuen Systems an. Bedauerlicherweise existiert in der Bundesrepublik trotz zwingender Notwendigkeit keine Bildungsplanung. Die Beklemmung darüber ist um so größer, als die DDR ein Bildungs- und Erziehungssystem entwickelt hat, und zwar ein einheitliches, in sich geschlossenes. Das steht nicht etwa auf dem Papier, sondern wird praktiziert durch ein das ganze Land überspannendes Netz von zehn- bis zwölfklassigen Oberschulen, die selbst für das kleinste Dorf zu erreichen sind." Gesinnungsprozeß gegen Paul Beu Hamburg (NZ/ADN). In dem von starken Polizeikräften überwachten Strafjustizgebäude in Hamburg begann gestern der Gesinnungsprozeß gegen den Hamburger Gewerkschafts- und Wirtschaftsjournalisten Paul Beu. Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes reiste zu diesem Zweck aus Karlsruhe nach Hamburg. Der 52jährige Journalist, der wegen eines Herzinfarkts seit längerer Zeit arbeitsunfähig ist, wurde aus dem Ge[Unreadable] geschleppt. Beu wird zur Last gelegt, sich für die Interessen der Hamburger Hafen- und Werftarbeiter eingesetzt zu haben. Von A bis Z erlogen Berlin (NZ/ADN). Das westdeutsche „Handelsblatt" veröffentlichte Meldungen, wonach geplant sei, daß eine Delegation der DDR zu einem Staatsbesuch in die Volksrepublik China reisen werde. Wie ADN von zuständiger Stelle erfährt, ist an diesen Berichten kein Wort wahr. Es handelt sich um Lügenmeldungen, die die Beziehungen erkennen lassen, die [Unreadable] bestimmten Redaktionen in Westdeutschland bestehen. Geist und Macht sind eins Alexander Abusch eröffnete Vortragsprogramm an der Bergakademie Freiberg (NZ/ADN). Mit einem Festvortrag über die Rolle der Wissenschaft in der DDR eröffnete der Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, Alexander Abusch, [Unreadable] der Bergakademie. „Die technische Revolution wird bei uns — im tiefsten Gegensatz zu ihrem Verlauf in der Welt des Kapitalismus — nicht bloß als eine Sache der [Unreadable] und Techniker, als ein Prozeß der Technisierung, sondern als schöpferische Tätigkeit des ganzen Volkes durchgeführt", erklärte er. Nur unter diesem Aspekt könne man die weitangelegte Konzeption der Entwicklung unseres Bildungswesens bis zum Jahre 2000 richtig verstehen. „Wir erstreben die Bildung und Erziehung allseitig und harmonisch entwickelter, vielseitig befähigter, kulturell hochstehender sozialistischer Persönlichkeiten, die zunächst eine gute [Unreadable]." [Unreadable] Unsere sozialistische [Unreadable] biete alle Voraussetzungen dafür, daß der Wissenschaftler nicht ein einseitiger Spezialist und Technokrat werde, sondern als [Unreadable] zugleich ein „philosophischer Kopf" sein könne, wie Schiller sagte. Der Entwicklungsgang der Wissenschaften setze gleichzeitig ein anderes Problem vordringlich auf die Tagesordnung: die wissenschaftliche Gemeinschaftsarbeit, die der Schlüssel zu bedeutenden Erfolgen ist. Deshalb sollten Inhalt und Form des Studiums besonders darauf gerichtet sein, die Studierenden rechtzeitig mit kollektiven wissenschaftlichen Arbeitsweisen vertraut zu machen. In unserer sozialistischen Gesellschaft sei der Dualismus zwischen Geist und Macht überwunden. Die Wissenschaftler der DDR verwirklichten den humanistischen Auftrag, die Produktivkraft [Unreadable] zum Nutzen der sozialistischen Gesellschaft und zur Stärkung unserer Republik zu entwickeln. DAS POLNISCHE INSTITUT FÜR SEEFISCHEREI wird in Kürze in dieses Gebäude in Gdynia einziehen. Es enthält ein großes ozeanografisches Aquarium und Räume für ein Fischerei-Museum. Foto: ZB/CAF Kriegszustand aufgehoben Weitere Repressalien gegen indonesische Kommunisten Djakarta (NZ/ADN). Der indonesische Präsident Sukarno hat am Mittwoch in Djakarta den Kriegszustand aufgehoben, der für die Hauptstadt im Zusammenhang mit dem Putschversuch der „Bewegung des [30. September]" verhängt worden war. Die Ausgangssperre in Djakarta ist um eine Stunde verkürzt worden. TASS berichtet über Meldungen aus der indonesischen Presse, nach denen in verschiedenen Landesteilen die Verfolgung von Kommunisten und Mitgliedern anderer fortschrittlicher Organisationen fortgesetzt wird. So meldet die indonesische Nachrichtenagentur ANTARA, daß in der Kleinstadt Tangerang westlich von Djakarta 346 Mitglieder der Kommunistischen Partei verhaftet worden sind. In Baru auf Mitteljava wurden von Heereseinheiten 125 Personen, darunter zwölf Frauen, und in Belawan auf Sumatra 40 Personen festgenommen. TASS zufolge gab der Vorsitzende des Provisorischen [Unreadable] Indonesiens, Chairul Saleh, am Dienstag [Unreadable] bekannt, daß man 102 Mitglieder dieses Parlaments wegen [Unreadable] Verdachts der [Unreadable] Putschversuch ihrer Ämter enthoben hat. Ohne absolute Mehrheit Ottawa (NZ/ADN). Die Erwartungen des kanadischen Ministerpräsidenten Lester Pearson, bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit zu erringen, haben sich nicht erfüllt. Die von Pearson geführte Liberale Partei konnte ihren Stimmenanteil nur von 127 auf 129 Abgeordnete erhöhen. Die Konservative Partei wird dagegen mit 99 statt bisher 92 Abgeordneten im Parlament vertreten sein. Verschwörung aufgedeckt Conakry (ADN). Über die Aufdeckung einer Verschwörung gegen die Regierung informierte am Mittwoch Radio Conakry in einem Kommuniqué. Das Politbüro der Demokratischen Partei, das unter Vorsitz von Präsident Sekou Touré tagte, habe den Beschluß gefaßt, die Verschwörer sofort festzunehmen. Der Sender berichtete weiter, daß für den [Unreadable] eine außerordentliche Tagung des Nationalen Revolutionsrates einberufen worden ist. Wie es in der Mitteilung heißt, sind die eingesetzten Untersuchungskommissionen inzwischen im Besitz von Beweisstücken für das Komplott gegen die Regierung Sekou Touré. [fragment from adjacent column:] [Unreadable] beiden deutschen Staaten also unmöglich gemacht würde. Der Bonner Kanzler Erhard konnte die immer mehr zutage tretenden innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten nicht verschweigen. Aber durch eine Fortsetzung des alten Kurses sind die Probleme nicht zu bewältigen. Auf diese Weise gerät Bonn nur noch mehr in die Isolierung, wird der Graben zwischen den beiden deutschen Staaten immer tiefer, führt der Weg von der Nachkriegszeit in eine neue unheilvolle Vorkriegszeit. Die großen politischen Aufgaben sind nicht zu lösen, indem man sich zum Störenfried in Europa und darüber hinaus in der ganzen Welt macht, sondern indem man die Zeichen der Zeit erkennt, indem man der Vernunft und der Verständigung den Weg ebnet. Mit dieser Feststellung ist jenes Programm gekennzeichnet, das die friedliebenden Bürger Westdeutschlands gegen das gestern von Erhard vorgetragene Programm der Monopole setzen sollten. Die Deutsche Demokratische Republik weist in Erfüllung ihrer nationalen Mission den Weg dazu. Es geht um das Glück und die Zukunft jedes einzelnen, es geht um das Glück und die Zukunft unserer Nation, es geht um den Frieden in Zentraleuropa. Das Programm der Reaktion (Fortsetzung von Seite 1) [Unreadable] behauptete er, die [Unreadable] habe „den Charakter einer Klassengesellschaft verloren. An ihre Stelle ist eine Leistungsgemeinschaft getreten." Er sprach in diesem Zusammenhang von der „formierten Gesellschaft", [Unreadable] in Westdeutschland im Entstehen [Unreadable]. Im außenpolitischen Teil seiner Regierungserklärung beharrte Erhard völlig auf den gefährlichen illusionären Positionen der bisherigen Bonner Außenpolitik: Hallstein-Doktrin, keine Anerkennung der Grenzen, Mißachtung der Realitäten in Deutschland, Streben nach Verfü[Unreadable] über A[tomwaffen] [Unreadable], Notstandsgesetze. Er beschimpfte die Sowjetunion, weil sie die Vorstellungen nicht akzeptiere, die Bonn von einer „Wiedervereinigung" habe. In diesem Zusammenhang behauptete er erneut, daß Westberlin zur Bundesrepublik gehöre. Die Bonner Regierung werde von ihrem „Alleinvertretungsrecht" nicht abgehen. Sie werde nach wie vor in einer Anerkennung der DDR „einen unfreundlichen Akt erblicken". Wörtlich fügte Erhard hinzu: „Wir werden in unseren Anstrengungen, eine solche Entwicklung zu verhindern, nicht nachlassen, selbst auf die Gefahr hin, da oder dort als Störenfried zu gelten." Die Bonner Regierung sei weiterhin der Meinung, daß Deutschland „nach gültiger Rechtsauffassung in seinen Grenzen vom 31. Dezember 1937 fortbesteht". Sie sei nicht bereit, andere Grenzen anzuerkennen. Erhard sprach sich zwar in Worten für Abrüstung aus, ließ jedoch durchblicken, daß Bonn überhaupt nicht an einer echten Abrüstung interessiert ist. [Unreadable] Teil seiner Rede forderte er für die Bundeswehr ein Mitspracherecht beim Einsatz von A[-Waffen]. Die Regierung werde den Entwurf eines Organisationsgesetzes für die Bundeswehr vorlegen sowie die „Territorialverteidigung" und die „Zivilverteidigung" ausbauen. Im Belt kollidiert Rostock (NZ/ADN). In der Nacht zum Dienstag kollidierten im dichten Nebel im Belt nahe Korsør das FDGB-Urlauberschiff „Völkerfreundschaft" und das dänische Küstenmotorschiff „Burgundia". Nach der Kollision wurde ein Besatzungsmitglied des dänischen Küstenmotorschiffes vermißt. Die „Völkerfreundschaft" beteiligte sich mehrere Stunden an der Suchaktion, die trotz [Unreadable] ergebnislos verlief. Das havarierte dänische Küstenmotorschiff wurde im Einvernehmen der Kapitäne der beteiligten Schiffe von dem westdeutschen Küstenmotorschiff „Ina Lehmann" abgeschleppt. Passagiere und Besatzung des MS „Völkerfreundschaft" sind wohlauf. Das von einer Kuba-Reise heimkehrende Urlauberschiff ist inzwischen wieder in den Rostocker Hafen eingelaufen. Höchste Verluste Saigon (NZ/ADN). Als die bisher verlustreichste Woche der USA in Südvietnam bezeichnet Reuter die Zeit zwischen dem 31. Oktober und dem 6. November. Unter Bezug auf einen Militärsprecher gibt die Agentur für diesen Zeitraum den Verlust von 309 toten, verwundeten und vermißten amerikanischen Soldaten an. Möbel Napoleons wurden in London versteigert. Er benutzte diese [Unreadable] seines Exils auf St. Helena. Eine Bibel aus dem 15. Jahrhundert wurde bei einer Auktion in London angeboten. Ein Abnehmer zahlte 23000 Pfund für das wertvolle Buch, das 1476 in Venedig in lateinischer Sprache gedruckt wurde. Ein Werk Tizians verbarg sich hinter einem alten Gemälde, das unbeachtet jahrzehntelang auf einem Landsitz des Herzogs von Northumberland in Südengland gehangen hatte. Es stellt den französischen Bischof Georges d'Armagnac und seinen Sekretär dar. [Unreadable] der amerikanischen Bankräuber hat im ersten Halbjahr 1965 prächtig floriert, meldet UPI. Insgesamt 465 Banken wurden überfallen und um zwei Millionen Dollar erleichtert. Sich selbst verbrannt aus wirtschaftlicher Not hat der 43jährige Kaufmann Hermann Wenk in der Offenbacher Innenstadt. Er übergoß sich mit Benzin und steckte sich vor den Passanten in Brand. In einem Abschiedsbrief heißt es: „Geholfen hat keiner." Durch falsche Weichenstellung war ein Nahverkehrszug bei [Unreadable] Lehrte auf ein falsches Gleis geraten und dort auf eine haltende Lokomotive gerast. Dabei wurden fünf Reisende und drei Bahnarbeiter verletzt. Weltmarkt setzt Maßstab Es hat seine guten Gründe, daß der Anstoß zur Weiterführung des [sozialistischen Wettbewerbs] in den Betrieben des Maschinenbaus anläßlich der 20. Wiederkehr des Gründungstages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands aus dem Karl-Marx-Städter Fritz-Heckert-Werk kam. Leitung und Belegschaft des Betriebes haben es in den vergangenen Monaten verstanden, solide Ausgangspunkte für einen solchen Start zu schaffen, insbesondere durch die Orientierung auf den komplexen Charakter des Wettbewerbes. Schon das bisherige Ergebnis bestätigt die Richtigkeit des Weges, nicht nur, weil der Plan in seinen wichtigsten Positionen anteilmäßig erfüllt und übererfüllt wurde, auch die zweimalige Verleihung des Gütezeichens „Q" für [Unreadable] entwickelte Fräsmaschinen in diesem Jahr ließ aufhorchen, ebenso wie die Tatsache, daß der Betrieb seinen [Unreadable] Exportverpflichtungen gegenüber [Unreadable] als 30 Ländern ausnahmslos nachgekommen ist. Was konnte für die Fräsmaschinenbauer näher liegen, als diesen Schwung zu nutzen, um das Jahr erfolgreich abzuschließen und einen reibungslosen Plananlauf für 1966 zu sichern — zwei Aufgaben, die auch in ihrer Wettbewerbskonzeption an vorderer Stelle stehen. Sie finden ihre Fortsetzung in einer ganzen Reihe von Maßnahmen zur Überbietung von Planvorschlägen für das nächste Jahr, insbesondere des Exportanteils zur Sicherung der Devisenrentabilität, zur Senkung der Kosten und Steigerung der Qualität der Erzeugnisse, zur weiteren Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen. Bleibt die Frage, ob die Verpflichtungen des neuen Wettbewerbs insgesamt ausreichen, den gegenwärtigen volkswirtschaftlichen Anforderungen zu genügen. Welcher Maßstab bei der Beantwortung dieser Frage anzulegen ist, erläuterte Fritz Kellner, stellvertretender Vorsitzender des Volkswirtschaftsrates, indem er hervorhob, daß die Absatzfähigkeit der Erzeugnisse zur Aufgabe Nummer 1 geworden ist. Mit anderen Worten: Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt, um die Rentabilität im Export. Nach Angaben des zuständigen [Unreadable] hat das Fritz-Heckert-Werk diesem Erfordernis im Laufe des Jahres weitgehend Rechnung getragen, auch durch weitere Fortschritte in der Vervollständigung des Kundendienstes im Ausland. [Unreadable] Hallstein soll abtreten Paris will völlig neue EWG-Kommission Brüssel (NZ/ADN). Die Ablösung der gegenwärtigen Mitglieder der EWG-Kommission von ihren Ämtern will die französische Regierung ihren Partnern in der Europäischen Wirtschaft[sgemeinschaft vorschlagen]. Wie das Springer-Blatt „Die Welt" unter Berufung auf diplomatische Kreise aus Brüssel berichtet, will de Gaulle bei einer möglichen Wiederaufnahme der Gespräche in der EWG durchsetzen, daß „kein Mitglied der EWG-Kommission nach dem 9. Januar nächsten Jahres in seinem jetzigen Aufgabengebiet" verbleibt. Am 9. Januar 1966 laufen gemäß den Bestimmungen des EWG-Vertrages die Mandate der jetzigen Kommissionsmitglieder ab. Die Forderung de Gaulles nach einem Wechsel in der Kommission zielt in erster Linie darauf ab, den gegenwärtigen Präsidenten der EWG-Kommission, Prof. Walter Hallstein, von seinem außerordentlich einflußreichen Posten abzulösen. Hallstein ist der Vertrauensmann der nach politischer und wirtschaftlicher Vormacht in der EWG strebenden westdeutschen Monopole. Elfjährige ermordet 14. Opfer eines Sexualverbrechens — Kind ans Bett gefesselt Die elfjährige Elisabeth Hallemann aus Mackenrode im Kreis Göttingen ist von einem Sexualverbrecher ermordet worden. Das Mädchen, das am Nachmittag mit einem Fahrrad zum Einkauf in einen drei Kilometer entfernten Ort gefahren war, wurde am späten Dienstagabend in einem Waldgelände bei Mackenrode tot aufgefunden. Ein Fußgänger, der das Kind gesehen hat, sagte aus, er habe kurze Zeit später Schreie im Wald gehört. Damit hat sich die Zahl der im letzten Vierteljahr im Gebiet der Bundesrepublik verübten Gewaltverbrechen an Kindern auf 14 erhöht. Erst am Sonntag war in Bad Godesberg ein siebenjähriges Mädchen in einem Wassergraben ermordet aufgefunden worden. Seit einer Woche schweben die Eltern der 15jährigen Angelika Walbersdorf aus Wuppertal-Vohwinkel in tausend Ängsten um ihr Kind. Das Mädchen hatte am 2. November [Unreadable] gesammelt und ist seit diesem [Tage] spurlos verschwunden. Ein neuer empörender Fall von Kindesmißhandlung ist aus Siegburg bekannt geworden. Entmenschte Eltern hatten für die Dauer ihrer Abwesenheit ihren fünf Jahre alten Sohn mit einer Eisenkette an sein Bett gefesselt. Nachbarn wurden auf das schreiende Kind aufmerksam und verständigten die Polizei, die den Jungen von der etwa einen Meter langen Kette an seinem rechten Fußgelenk befreite. Das aus erster Ehe des Mannes stammende völlig verängstigte Kind erzählte, die Eltern hätten schon mittags die Wohnung verlassen. Er sei schon öfter auf diese Weise allein zurückgelassen worden. Stromkatastrophe in den USA New York und acht Bundesstaaten ohne Energie — Verkehrschaos und Masseneinbrüche [Unreadable] von dem New York und acht [Bundesstaaten] der USA am Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch betroffen wurden, werten westliche Nachrichtenagenturen am Mittwochvormittag als die „größte Energiekatastrophe der USA". Am schwersten betroffen wurde New York, wo um 17.28 Uhr Ortszeit — mitten im Feierabendverkehr — die überfüllten U-Bahn- und Vorortzüge stehenblieben. Verkehrsampeln und [Unreadable] die Fahrstühle der Wolkenkratzer zwischen den Etagen hängenblieben. [Unreadable] daß schätzungsweise eine Viertelmillion New Yorker über Notleitern aus [Unreadable] herausklettern mußten. Das Erlöschen der Verkehrsampeln leitete in New York und anderen [Städten] ein stundenlanges Verkehrschaos ein. Im Walpole-Gefängnis von Boston brach eine Gefangenenrevolte aus. In vielen Stadtteilen wurden Schaufensterscheiben eingeschlagen und die Auslagen geraubt, während die Polizeiautos nicht von der Stelle kamen. Telefone und die mit Netzstrom betriebenen Rundfunk- und [Unreadable] schwiegen. Vielerorts fiel die Wasserversorgung aus, da die Pumpen nicht mehr arbeiteten. In Teilen der USA-Staaten Connecticut, Massachusetts, Maine und Vermont sowie in der kanadischen Hauptstadt Ottawa, wo die Stromversorgung ebenfalls zusammenbrach, konnte sie nach wenigen Stunden wieder anlaufen, während New York fast zehn Stunden in völligem Dunkel lag. Im UPI-Mittagsbericht zur Situation heißt es: „Auch am Mittwochvormittag herrschte in New York ein unübersehbares Chaos. Die acht Millionen Einwohner blieben zum großen Teil weiter ohne elektrisches Licht, so daß das gesamte Leben in [dieser] Stadt gelähmt ist." Sorgen um Sicherheit Der New Yorker Sender appellierte an die Bevölkerung, nicht in Panik auszubrechen. Die seit Jahren in den USA geschürte Kriegshysterie führte dazu, daß Spekulationen über einen Atombombenangriff laut wurden. Die Arbeit der UNO wurde paralysiert. Der schwedische Ministerpräsident Erlander kreiste in einem Flugzeug drei Stunden über dem New Yorker Kennedy-Flughafen, auf dem die zu seinem Empfang erschienenen Prominenten vergeblich auf das Aufflammen der Lichter hofften. Die Maschine mußte [Unreadable] werden. In den Berichten der Westagenturen kommt zum Ausdruck, daß nach dem [Zusammen]bruch der Stromversorgung auch die Frage auftauchte, ob dadurch nicht der militärische Be[reich] der USA [betroffen] [Unreadable] gezogen sei. Das Pentagon beeilte sich daraufhin zu versichern, „die wichtigen militärischen Verbindungen im [Unreadable] des Stromausfalls seien nicht unterbrochen". Präsident Johnson traf laut UPI „sofort alle erforderlichen Vorbereitungen, um seine unmittelbare Umgebung in Alarmbereitschaft zu halten". Der Gouverneur von New York, Nelson Rockefeller, hat die Nationalgarde seines Staates alarmiert. Die [Nachrichtenagentur] DPA: „Der Schock traf den Nerv des amerikanischen Selbstbewußtseins ... der größte Stromausfall der amerikanischen Geschichte hat ernste Fragen nach der Sicherheit des mächtigsten Landes der Welt aufgeworfen ... ein defekter Schalter hat jedem potentiellen Gegner gezeigt, wie mühelos der Atomgigant des Westens in hilflose Verwirrung gestürzt werden kann." Präsident Johnson hat in der Nacht zum Mittwoch eine „strenge Untersuchung" über die Ursache des Stromausfalls angeordnet, die bisher ungeklärt ist. Von den zuständigen Stellen ist eine Nachrichtensperre verhängt worden. In der Taiga verirrt Moskau (NZ/ADN). Übermenschliche Anstrengungen vollbrachten zwei Straßenbauarbeiter, die bei einem Jagdausflug in der Taiga in der Nähe des sibirischen Flusses Angara den Weg verloren hatten. Sie irrten 26 Tage lang durch die unendlichen Wälder. Nur mit großer Mühe konnten sie zweimal Bären entkommen. Ständig kreisten ein Hubschrauber und eine AN-2 über den Wäldern. Erst in der vierten Woche stießen die Verirrten auf eine Ansiedlung. Wal griff an Wladiwostok (NZ/ADN). Das sowjetische Walfangschiff „Zyklon" ist im Nordpazifik durch den wütenden Angriff eines Pottwals manövrierunfähig gemacht worden. Der etwa zwölf Meter lange Meeresbewohner war nach einem Harpunenschuß derartig gereizt, daß er sich rasend gegen das Schiff wandte. Der Rammstoß war so heftig, daß sich das Schiff zur Seite neigte und sämtliche Antriebsaggregate ausfielen. Meist bedeckt Schwach windig. Vor allem [Unreadable] neblig-trüb. [Unreadable] Süden anfangs noch [Unreadable]. Sonst meist bedeckt, etwas [Unreadable]. [Unreadable] Temperaturen zwischen [Unreadable] und 8 Grad Celsius, tiefste Nachttemperatur zwischen 1 und 5 Grad Celsius. Gebietsweise leichter Frost in Bodennähe. SA 7.21 SU 16.20 MA 17.41 MU 11.26 NEUE ZEIT Das Redaktionskollegium: Hermann Kalb, Chefredakteur; Dr. Dieter Eberle, Karl Bongardt, Stellvertretende Chefredakteure; Hans Güth, Redaktionssekretär; Erich Fechtner; Alfons Malik, Verlagsleiter

English translation

=== [Page 1] === --- Relevant article (German, corrected transcription from OCR) --- Kriegszustand aufgehoben Weitere Repressalien gegen indonesische Kommunisten Djakarta (NZ/ADN). Der indonesische Präsident Sukarno hat am Mittwoch in Djakarta den Kriegszustand aufgehoben, der für die Hauptstadt im Zusammenhang mit dem Putschversuch der „Bewegung des 30. September" verhängt worden war. Die Ausgangssperre in Djakarta ist um eine Stunde verkürzt worden. TASS berichtet über Meldungen aus der indonesischen Presse, nach denen in verschiedenen Landesteilen die Verfolgung von Kommunisten und Mitgliedern anderer fortschrittlicher Organisationen fortgesetzt wird. So meldet die indonesische Nachrichtenagentur ANTARA, daß in der Kleinstadt Tangerang westlich von Djakarta 346 Mitglieder der Kommunistischen Partei verhaftet worden sind. In Baru auf Mitteljava wurden von Heereseinheiten 125 Personen, darunter zwölf Frauen, und in Belawan auf Sumatra 40 Personen festgenommen. TASS zufolge gab der Vorsitzende des Provisorischen [Unreadable] Indonesiens, Chairul Saleh, am Dienstag [Unreadable] --- English translation --- State of war lifted Further reprisals against Indonesian communists Jakarta (NZ/ADN). Indonesian President Sukarno on Wednesday lifted in Jakarta the state of war that had been imposed for the capital in connection with the coup attempt of the 'Movement of 30 September'. The curfew in Jakarta has been shortened by one hour. TASS reports on items from the Indonesian press according to which the persecution of communists and members of other progressive organisations is continuing in various parts of the country. Thus the Indonesian news agency ANTARA reports that in the small town of Tangerang west of Jakarta 346 members of the Communist Party have been arrested. In Baru in Central Java 125 people, including twelve women, were arrested by army units, and in Belawan on Sumatra 40 people. According to TASS, the chairman of the Provisional [unreadable] of Indonesia, Chairul Saleh, on Tuesday [unreadable]