Neues Deutschland, 28 May 1961, p. 5: V. Deutscher Schriftstellerkongress, greetings by Rukiah Kertapati
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Text
Member named: Rukiah Kertapati
VON DER DISKUSSION AUF DEM V. DEUTSCHEN SCHRIFTSTELLERKONGRESS
\ui diesem Felde sind wir Bundesgenossen
Aus der Rede von Hermann Kant Ich will mit einem Wort beginnen, das e wahrscheinlich erschrecken wird:
>ind wir als Schriftsteller für oder gegen;n deutschen Bürgerkrieg, zu dem Vorsreitungen getroffen werden?"
Der Satz ist ein Zitat. Er ist von einem estdeutschen Dichter, von Hans Magnus izensberger. Eine merkwürdige, eine schreckende, eine alarmierende Frage!
Die überwältigende Mehrheit der in der jndesrepublik lebenden Schriftsteller Snnte, mit Enzensbergers Frage konfron- Jrt, In der Gelassenheit des guten Geissens auf ihr Werk verweisen: Da ist e Antwort! Wir wollen weder den Brujrkrieg noch den Krieg überhaupt.
Wir haben keinen Grund, an der Richskeit dieser Auskunft zu zweifeln. Zähln wir die Namen vieler in Westdeutschnd lebender Schriftsteller auf und täten ir es im Zusammenhang mit Enzensber-:rs Frage, so käme uns das Verfahren lichlich absurd vor.
Das Problem ist nun: Hat es denn da jerhaupt einen Sinn, die Frage aufrechtlerhalten? Ja, denn dieser Literatur, ner Literatur, die nein sagt zu Krieg ld Bruderkrieg, steht In Westdeutschnd eine andere gegenüber. Sie kann rar kaum mit großen Namen aufwarn, aber — und das ist schon etwas Entheidendes — mit großen Auflagen.
Die zweite Literatur
Gemeint ist die..zweite Literatur", wie iser Kollege Cwojdrak das genannt hat.
id auch eine, die man in Anlehnung iran die ^dritte" nennen könnte, oder;sser vielleicht die letzte — die -letzte"
m Ihrer Qualität, aicht aber von ihrer olle her.
Bekannt sein dürften oder sollten auch:e Namen und Werke solcher Bombenarden wie Erich Kern, Heinrich Eisen, recker oder Konsalik oder Josef Martin auer. Die Produkte dieser Leute diffeeren >von den Ausscheidungen des Pabelerlages lediglich durch etwas weniger mfalt, was sie noch gefährlicher macht;
urch ein bißchen mehr handwerkliches onnen, was sie noch gefährlicher macht;
urch mehr Heuchelei, was sie noch geihrlicher macht.
Diese Literatur and Quasl-Literatur ist hlechthin lebensgefährlich, 6ie ist auschgift, aufputschend und abbauend, erauschend und zersetzend zugleich.
Doch ich spreche schon zu lange zu die«:m Punkt Schuld daran ist wiederum lerr Enzensberger. Hans Magnus Enzensierger und auch Martin Beheim-Schwarziach waren es nämlich, die sich beim lamburger PEN-Gespräch gegen die Einbeziehung des militaristischen iChunds in eine literarische Diskussion sandten. Beheim-Schwarzbach sagte:
Was von den Frontsoldaten bis zu den ioch bestehenden SS-Verbänden an Geeter ausgeht, hat doch mit Literatur iberhaupt nichts zu tun!" Enzensberger neinte, dies variierend, den Schlamm, len gäbe es doch gar nicht, und folglich ollte man auch nicht über ihn reden.
Vor dreißig Jahren hielten sich manche *ute, anständige, hochanständige Leute, ür zu fein, die SA-Rüpel zu bemerken.
Ziele dieser anständigen Leute sind inolgedessen nicht mehr.
Das Knobel-
«cher-Schreibwerk ist literarische SA.
Der Maulkorb liegt bereit
In seinem bekannten Aufsatz.Die Jteratur auf leisen Sohlen" schreibt ieinz von Cramer über die augenbllcklch noch gegebenen Möglichkeiten der westdeutschen Literatur zum Widerstand ind sagt: „Noch, aber wie lange? Denn ler Herr Strauß und der Herr Schröder lalten schon den stählernen Maulkorb >ereit: es liegt da mehr im argen, als die:wlg Sorglosen wahrhaben wollen trotzdem, sollten wir die Zeit nützen, die nan unserer körperlichen Existenz noch äßt. Später, wenn uns erst Gesetze eln-:ngen und Verfolgung. Gefängnis und wirkliches Auslöschen der Existenz be irohen, wird ein anderer Diskurs zu halensein.
Der schroffste Hinweis
Die Aufrüstung, die Remilitarisierung st der Sinn und augenfälligste Bestand eil der westdeutschen Entwicklung. Sie st für den besten Teil der Literatur mit las Alarmierendste an dieser Entwick ung. Sie Ist der schroffeste Hinweis darmf. daß hier angeknüpft wird an etwas, las im Bewußtsein der meisten gleich bedeutend Ist mit dem größten aller Je erlebten Schrecknisse. Es ist ein Bewußt sein von der Kontinuität des Schreckens, Jas aus dem Vergleich zwischen der Ent wicklung von 1933 bis 1945 und der mit ler Remilitarisierung angesteuerten Ent wicklung hervorgeht. Von dort her kommt ile Resignation, der Zweifel am Sinn, an den bessernden Möglichkeiten der Lite ratur.
Es scheint alles noch einmal so zu kom men, wie es war, es scheint, und das ver zweifelte Händehochwerfen einiger west deutscher Schriftsteller ist, wenn auch nicht zu begrüßen, da dieser Schein trügt.
so doch zu verstehen. Remilitarisierung und Humanismus, von dem die Literatur Der Arbeiter scheint von der Szene verschwunden
Für Becher, und für uns mit nun, ist immer dann, wenn vom „Menschen" die Rede ist, auf ganz natürliche Welse vor allem vom arbeitenden, sich durch täti gen Beitrag an der Gesellschaft beteili genden Menschen die Rede, und wir kon zentrieren unsere Aufmerksamkeit bei der Suche nach jenen, die in der Lage 6ind, „das Reich des Menschen zu ver wirklichen", selbstverständlich auf die Arbeiterklasse, auf die Bauern und auf die mit ihnen in dieser Bemühung ver- ' bundenen Schichten.
Aus dem Studium eines bestimmten Teiles der westdeutschen Literatur je doch, jenes nämlich, der sich gerne „die Moderne" nennt ergibt sich der Eindruck, den die „Times"
in ihrer letzten, der deutschen Gegenwartsliteratur gewidme ten Beilage so formuliert: „. Im We sten (Deutschlands) scheint die arbeitende Klasse fast von der literarischen Szene verschwunden zu sein."
Ein ermutigendes Beispiel
Die erzählende Prosa enthält noch die meisten Beispiele der Aufnahme des Ar beiters in die Literatur, wenn sie auch bei weitem hinter dem zurückstehen, was ja Immerhin schon einmal von einer deut schen Literatur geleistet worden ist.
Die künstlerisch bedeutsamste Aneig nung dieses Teils der Wirklichkeit, die Gestaltung von Angehörigen der werk tätigen Schichten, liegt immer noch im Werk Heinrich Bölls vor. in seinen Er zählungen, wie vor allem in seinem letz ten Roman „Billard um halb zehn", über den Anna Seghers so Herzliches sagte.
Mit Böll liegt ein ermutigendes Beispiel " jener Modernität vor, von der Becher sprach; hier sind auf ganz eigentümliche Weise die „Bemühungen des Menschen, sich selbst zu übersteigen und das Reich des Menschen zu verwirklichen". Diese Bemühungen erfolgen nicht in irgendeiner kunstvoll konstruierten Chiffrenwelt, son dern in der westdeutschen Gesellschaft dieser Tage, sie erfolgen nicht mit den Mitteln einer künstlerisch denaturierten Sehweise und einer sektiererischen Ge heimsprache, sondern mit den Kunst mitteln eines modernen Realisten. Böll sieht die Welt mit den Augen eines zu tiefst religiösen Menschen. Diese Reli giosität ist bei ihm aber nicht identisch, in nichts identisch mit jener Parteireli gion, die etwa von der westdeutschen CDU gepflegt wird. Böll ist ein großer literarischer Vertreter jenes Humanismus, der das verbindende Gemeinsame zwi schen Christen und Sozialisten^ zwischen Religiösen und Atheisten in einer Zelt darstellt, da der kategorische Imperativ für die Welt Frieden lautet.
Sie alle, die Böll, Enzensberger, Geiß ler, Schallück, die Bachmann, Grass, Wey rauch, Koeppen, Braun, die Lenz, Richter und Krolow und Walser und mancher an dere noch gehören, bei allen Unterschie den zwischen ihnen, zu jener Partei, die Literatur heißt und die, wie Arnold Zweig in Hamburg sagte, „nur dies mit dem Krieg zu tun hat: daß sie ihn bekämpfen muß?.
Und auf diesem Felde sind wir Bun desgenossen.
Niemand sollte das vergessen; jeder sollte das begreifen. Wir hier und jene drüben. Wir beide sollten versuchen, un sere Fehler und das, was.uns trennt, zu überwinden.
Wir sollten unserer tiefsten Herzens sache, dem Sozialismus, der nicht sein kann ohne den Frieden, auch dadurch die nen, daß wir nicht einen einzigen Bundes genossen im Kampf um den Frieden durch Dummheit, Taktlosigkeit und Herzens kälte von uns stoßen.
Und an unsere Kollegen in der Bundes republik haben wir diese Bitten:
Sie sollten sich frei machen von allen Versuchungen, einer angeblichen Ohn macht der Literatur das Wort zu reden.
Das kann nur denen nützen, denen die Macht der Literatur im Wege steht.
Sie sollten sich überlegen, ob es nicht dem Wesen der Kunst, nämlich ein Mittel der Verständigung unter den Menschen und eine -Kraft, uns die Welt anzueig nen" zu sein, ob es nicht diesem Wesen widerspricht, wenn manche von ihnen vorsätzlich auf Unverständlichkeit zielen und Bücher nur noch für ihresgleichen schreiben.
Sie sollten -sich fragen, ob man die Risse dieser Welt durch eine Literatur heilt, in der die Wirklichkeit wie durch einen Reißwolf gegangen erscheint.
Vor allem aber, so glauben wir, ist es an der Zeit, jene Haltung aufzugeben, die man die antikommunistische nennt.
Der Antikommunismus war nie eine Sache, die mit Vernunft übereinging, er war immer zumindest töricht, aber spä testens seit jenem Kriege, den.die Fa schisten Im Interesse der Monopole und im Zeichen des Antikommunismus führ ten, spätestens seitdem sollte bekannt sein, daß der Antikommunismus eine den Frieden gefährdende Erscheinung dar stellt.
Unbekanntes entdecken
Aus der Diskussionsrede von Wolf gang Kohlhaase, Autor und Mitautor der Filme „Berliner Romanze", „Berlin — Ecke Schönhauser"* „Der schweigende Stern", „Der Fall Gleiwitz"
Wichtig für den Film ' scheinen nur einige Gedanken zu sein, die kürzlich in einer Diskussion über die Lyrik Bechers geäußert wurden. Alfred Kurella sprach u, a. über das Gedicht „Segel am Hori zont". Er nannte es ein politisches Ge dicht. Ich verstehe diese Formulierung als die Zuspitzung eines Gedankens, der be sagt daß der politische Standpunkt die Parteinahme, das Weltgefühl eines Dich ters sich an jedem Gegenstand äußern können; daß die Qualität der Beob achtung und der Formulierung, die Klar heit des Gefühls und des Gedankens Re sultat und Manifestation einer allgemei nen großen politischen Haltung sind, die sich an jedem Gegenstand beweisen kann.
Dieser Gedanke könnte, was den Film angeht, helfen, eine Praxis zu verbessern, in der das Thema in einem sehr engen Sinne als Angelpunkt aller Erwartung fungiert
Solche Vorstellungen spielen beim Film eine besondere Rolle, weil er eine geplante gesellschaftliche Kunstäußerung ist, der gegenüber legitimerweise viele Seiten ihre Wünsche vortragen. Das hat aber zu manchen Enttäuschungen geführt, weil ein Thema dann oft nur illustriert, d, h. gesellschaftswissenschaftlich bebil dert, wurde. Das hat auch zu einer gewis sen Verarmung der Themen und zu einer Gleichförmigkeit der Schauplätze und Blickpunkte geführt.
Das große Thema, das wir uns selbst aufgeben, ist unser Leben im weitesten Sinne, der Sozialismus, der Mensch und seine Veränderung: die Welt und ihre Veränderung. Das ist das Allerwichtlgste.
Unter diesem Aspekt aber Ist es kein Widerspruch zu sagen, es gibt überhaupt nichts Unwichtiges.
Die wunderbare
Eigenart der Kunst ist es doch, in einem Detail die Totalität ausdrücken zu Jtönnen. Sie ist zu erregenden, geistig-aben teuerlichen Beweisführungen nicht nur fähig, sondern das macht ihren Reiz und ihre Wirkung aus. Sie muß auf Entdekkung ausgehen.
auf Unbekanntes, auf
Neuigkeiten, auf jenes Besondere eben, an dem sich das Allgemeine oft über raschend exemplifizieren läßt Wenn wir Filme machen, sollten wir in Zukunft weniger von einem Thema erwarten und mehr nach den Beobachtungen fragen, die jemand im Leben gemacht hat. und nach seinen Gedanken darüber.
Die Wirksamkeit und der Einfluß un seres Films werden davon abhängen, in wieweit wir die Grundfragen, die unser Volk bewegen, künstlerisch entdecken und beantworten werden; Es kommt dar auf an, daß große Antworten gegeben werden, so wie die DDR selbst auf die Frage nach der Zukunft unseres Volkes eine große historische Antwort ist Aber die Kunst kann nicht vereinfachen, was in der Geschichte nicht einfach ist Wenn es ihr gelingt, große Bilder zu finden, kann sie vieles einfacher zu verstehen machen. Wenn sie simplifiziert, erreicht sie nichts. Kunst kann aussprechen, was Millionen Menschen fühlen und nicht zu sagen vermögen. In dem Sinne kann sie große nationale Assoziationen schaffen, aber nur dann, wenn sie an bestehende Assoziationen anknüpft Wir gehen an diesem Problem meines Erachtens oft vorüber. Es bedeutet aber nichts anderes, als die Konflikte an ihren Wurzeln an zupacken. Alles, was in den Köpfen ist ist doch Gegenwart Auch die internatio^ nalen Erfolge des sowjetischen Films In den letzten Jahren hängen damit zusam men, daß er eine große nationale Er schütterung, kollektives Unglück, kollek tives Glück zum Gegenstand hat Ich spreche von den Filmen „Die Kraniche ziehen". „Ein ziehen, „Ein Menschenschicksal" und „Ballade vom Soldaten. Ich glaube, daß eine Geschichte mehr enthalten muß als die Summe ihrer Fakten. Ich glaube, daß in jedem Film, den wir machen, auch in dem mit dem speziellsten DDR-Gegen stand, eine Antwort auf eine Frage ent halten sein muß, die irgend jemand irgendwo in -Deutschland nach dem
Woher, Wohin und Warum stellen könnte.
Davon wird unser Echo abhängen, na tional und international. Diese Aufgabe zwingt uns, die Frage nach dem großen Nutzen der Kunst aufzuwerfen und ge wissen kleinen, zu oberflächigen, zu bil ligen Nützlichkeiten mehr mit Kritik als bisher zu begegnen. Die Frage nach der Qualität des Films ist doch keine formal ästhetische Frage, sondern muß abzielen auf die Einheit von Sehen. Denken, Par teinehmen und Gestalten.
Schriftsteller im Gesprädi: Otto Gotsdie, Hermann Werner Kubsch, Walter Gorrish und Werner Ilberg (v. I. n. rj
UNSER WEG IST RICHTIG
Wir hörten und hören hier auf dem V. Kongreß Namen von jungen Schrift stellern, die auf dem IV. Kongreß noch keiner kannte. Es handelt sich um kraft volle Talente, von denen wir etwas er warten dürfen. Ich bih stolz auf unsere Jungen. Um die Zukunft unserer Litera tur braucht uns nicht bange zu sein.
Auch Kunst erfordert Kampf Allerdings lauern auf diese jungen Schriftsteller andersartige Gefahren, als sie die Schriftsteller in der Vergangen heit kannten.
Wir sind stolz auf unsere junge Repu blik, und wir wollen nicht so leicht je mand verletzen, der sie besingt Unsere öffentliche Meinung, ein großer Teil unse rer Zeitungen ist freigebig mit Lob sprüchen und Qualitätssuperlativen. In der allgemeinen Zeitungskritik herrscht Gleichmacherei. In der Industrie sind wir In unseren Qualitätsansprüchen unduld samer, weil wir an Weltmaßstab und Ex port denken. In der Literatur loben wir zuweilen das Hausbackene als Qualität und sind spießbürgerlich selbstzufrieden.
Einige Kultur- und Verlagsredakteure, die eine politische Kampagne durch eine Erzählung oder ein Gedicht unterstützt sehen möchten, sind schon zufrieden, wenn In den Arbeiten der jungen Schrift steller die Schweinehütte. Gramm und Millimeter oder der Malskolben vorkom« men.
Das Verwischen und Verwaschen aller literarischen Maßstäbe desorientiert un sere jungen Kollegen. Es macht sie ver antwortungslos, läßt sie zuweilen zu Rou tiniers werden. Einige Talente, von denen ich etwas erwarte, sehe ich nur mit halber Kraft arbeiten. Sie schöpfen die Möglichkeiten ihres Talents nicht aus. Es wird nichts von ihnen verlangt Der Versuch, ein wirkliches Kunstwerk vor die Öffentlichkeit zu stellen, kann auf Widerstände stoßen. Wir müssen uns von der Irrmeinung befreien, daß sich Kunst werke bei uns kampflos durchsetzen, weil wir uns in der Weltanschauung einig sind. Es ist Kampf erforderlich. Aber dieser Kampf zwischen lebendigen und erstarrten künstlerischen Auffassungen ist gesund. Unsere jungen Talente dürfen in diesem Kampf nicht zu früh ermüden und sich in die nahrhaften Wiesen des Schematismus zurückziehen.
Für einen sehr gelungenen Versuch, viele Werktätige mit den Belangen der Kunst vertraut zu machen, sl« schöpfe risch einzubeziehen und zu harmonisle- Aus der Rede von Erwin Strittmatter ren, halte ich das Unternehmen unseres Freundes Kuba in Ralswiek.
Kuba ist freilich eine aus unserem lite rarischen Leben nicht wegzudenkende Po tenz. Was er tut, tut er mit proletarischem und poetischem Feuer, mit echter dichte rischer Naivität Das kann manchmal un bequem sein. Doch Ich meine, daß wir Kuba zumindest soviel Aufmerksamkeit schuldig sind wie anderen Schriftstellern, die sich bewußt schwierig machen. (Bei fall) Verzeihen Sie mir den polemischen Ausfall, aber das Herz geht mir über. Ich meine, wenn jemand Imstande ist, unsere jungen Talente zu beflügeln, dann ist das Kuba.
Herold der Schönheit
Der Dichter soll der Herold der Schön heit sein. Gibt es in unserem gesellschaft lichen Leben. In unserer Industrie keine SASnheit? Wir sehen die leuchtenden Augen der Sieger Im Wettbewerb. Die Menschen beim Umzug am 1. Mai. Die Freude in den Gesichtern der Genossen schaftsbauern, wenn der Wert ihrer Ar beitseinheit steigt. Der schöne Turm des Fernsehsenders. Der Glanz des neuen Hauses. Die zweckmäßige Schönheit eines neuen Kleidungsstückes. Die technische, Schönheit der Abraumförderbrücke. Die Schönheit der friedlichen Weltraum rakete.
Aber auch die Alten poetischen Requi siten sind ja nicht verschwunden. Wir haben die flüsternden Bäume nicht ab geholzt Immer noch grasen Kühe und Rehe auf Wiesen, und die Zugvögel mei den uns nicht well wir den Sozialismus aufbauen.
Der Mähdrescher fügt sich in die Land schaft ein, wie es Telegrafen- und Elektroleitungen schon lange tun. Was ist schöner;' Hundert gebückte, schwitzende Mäher oder ein Mähdrescher, auf dem der Mensch wie auf einem Thron sitzt und den Motorenkräften gebietet? Für das erste Bild können nur Romantiker schwärmen, die nie In der Sommerhitze die Sense schwangen.
Nun darf aber der Mähdrescher in un seren Werken nicht so groß werden, daß er den Himmel verdunkelt und der Mensch, sein Erfinder, darf in unseren Werken nicht klein wie die Schrauben mutter am Lenkrad des Mähdrescher- Ungetüms werden. Noch immer erhebt sich auch über dem Mähdrescher der hitzehohe Erntehimmel. Noch immer be kommt auch der Fahrer des Mähdreschers Durst Noch immer hat er eine Liebste, und die Bäume am Feldrand spenden Schatten wie früher. Sobald das alles jedoch in unseren Werken keinen Platz mehr findet, sobald wir uns vom Mäh drescher die Poesie weghypnotisieren lassen, sind wir noch nicht das, was wir sein sollten: Dichter, die Herolde der Schönheit.
Vom positiven Helden
Der positive Held darf kein Engel sein« sondern muß ein Mensch unter Men schen sein, sagt man mit Berechtigung.
Nun kommt der Schematlst schneidet dem Engel die Flügel ab und steckt ihm einen Propeller hinten an. „Immer noch genug Engel", sagt der Schematist „Er hat ja noch den Engelsrock."
Jetzt kommt der Naturalist, zieht dem Engel den Engelsrock aus und stellt ihn an einen Baum zum Verrichten seiner Notdurft. Nun ist der Engel nach der Meinung des Naturallsten endlich Mensch, denn man kann alles Menschliche an ihm sehen. (Heiterkeit)
Ich bin dafür, daß der positive Held Mensch unter Menschen ist. Um meinem Leser sein Heldentum trotzdem glaub haft zu machen, muß Ich mich bemühen, vorzuführen, wie der Mensch unter Men schen zu seiner Heldentat für die Ge sellschaft kommt, und das Quant für Quant, bis zu dem Punkt, wo sein gesell schaftlich nützliches Tun sich so verdich tet und anreichert, daß es in Heldentum umschlägt. Weiter ist eigentlich nichts zu tun. Trotzdem ist s schwer, und man muß im tätigen Leben zu Hause sein. Für den sozialistischen Realismus gilt die Forde rung, daß mindestens ein positiver Held im Werke ist — der Verfasser. (Heiterkeit und Beifall)
Im übrigen fährt der Zug der neuen deutschen Literatur auf der richtigen Strecke. Mann kann s an den Wegweisern ablesen, die die jüngsten Werke unserer Schriftsteller sind. Der Zug fährt durch Neuland. Da darf man nicht allzu über rascht sein, wenn hin und her ein wild gewordener Rehbock auf die Schienen springt und bellt (Heiterkeit) Er kann den Zug mit dem Gebell nicht aufhalten.
Die Station, die wir ansteuern, heißt:
sozialistische Nationalliteratur. (Starker Beifall)
Kongreß beendet von Schriftstellern des westlichen Aus landes. Er stellte aber Günther Grass die Gegenfrage, warum der Hamburger Willi Bredel nicht in. Hamburg, warum die Mainzerin Anna Seghers nicht in Mainz, der Essener -Hans Marchwitza nicht in Essen, warum Arnold Zweig. Bodo Uhse, Kuba, Stephan Hermlin, Ludwig Renn drüben nicht In ihren Hauptwerken ge druckt würden. Sie sind Opfer der Ver schwörung, die durch Namen wie Globke und Schröder symbolisiert sind.
Die literarische Opposition in West-!
deutschland beginne, beachtliche neue Werke hervorzubringen, betonte Alex ander Abusch. Es gebe da aber, zum Beispiel bei Ernst Glaeser und Martin Walser, die Methode, ihre Kritik am westdeutschen Gesellschaftssystem durch Seitenhiebe gegen die. DDR gewisser maßen abzudecken.
»Ob es unsere westdeutschen Schrift stellerkollegen wollen oder nicht", sagte Alexander Abusch welter, „sie zerstören ihre eigene humanistische Kampfposi tion in Westdeutschland, solange sie nicht voll erkennen, daß bei der gegenwärtig noch gegebenen Existenz von zwei deut schen Staaten sie in unserer DDR ihren.
ich möchte sagen, naturnotwendigen Ver bündeten besitzen, dem man nicht mit antikommunistischen Scheuklappen ent gegentreten darf." Dabei handele es sich nicht darum, daß wir diesen Schrift stellern' die Bedingung stellen: Antikommunismus oder Bekenntnis - zum Sozialismus-Kommunismus.
Günther Grass machte im Ergebnis der Aussprache einige Vorschläge, deren Verwirklichung der Zusammenarbeit die nen solL
Weiterhin sprachen zur Diskussion Ruth Kraft, Jo Schulz. Jan Koplowitz, Hanna-Heide Kraze. Kurt Stern. Das Schlußwort zur Diskussion hielt Alfred Kurella.
Viele Ansprachen ausländischer Gäste stellten den letzten Tag des Kongresses in das Zeichen internationaler Verbun denheit Bereits am Vortage hatte u. a.
der Sekretär des chinesischen Schrift stellerverbandes, Genosse Dschang Wangnlän, dem Kongreß die Grüße der chinesischen Schriftsteller überbracht und dem Präsidium zwei chinesische Rollbilder mit einer Widmung von Mao Dun geschenkt
Zu Beginn des dritten Kongreßtages ergriff Frau Rukiah Keltapatl das Wort, um dem Kongreß Grüße der Indonesi schen Schriftsteller zu überbringen. Henri Deluy sprach für die Gruppe junger französischer Schriftsteller, die sich in dem Arbeitskreis „action poetique" zu sammengeschlossen haben.
Der franzö sische Gast berichtete von den Schwie rigkeiten, die in seinem Vaterland den fortschrittlichen Autoren bereitet werden.
Er betonte, sie stünden in Opposition, aber nicht um der Opposition willen.
sondern um die Welt zum Guten zu ver andern.
Die Grüße der polnischen
Schriftsteller überbrachte der Präsident ihres Verbandes, Jaroslaw Iwaszkiewicz.
Aus der Nachbarschaft unserer Völker ergebe sich, daß Polen mit Interesse ver folgt, welchen Weg die Literatur in der DDR einschlage. Sein Wunsch, Schriftsteller beider Länder müßten sich gegenseitig helfen, müßten Brüder und Genossen sein, wurde mit lebhaftem Beifall beantwortet
Aus Indien war Syed Sajiad Zaheer nach Berlin zum 'Kongreß gekommen. Er übergab dem Tagungsleiter einen Band indischer Gedichte, die um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert entstanden sind.
mit den Worten: „All die Liebe, die in diesen Gedichten lebt, möchten wir den deutschen Schriftstellern darbringen."
Te Hanh, Sprecher der vietnamesischen Schriftsteller, erinnerte daran, daß sein Land sich politisch in einer ähnlichen Lage befindet wie Deutschland. Die Schriftsteller der Demokratischen Repu blik Vietnam, getragen von einer mäch tigen revolutionären
Volksbewegung, kämpfen genauso wie die Schriftsteller der DDR gegen den amerikanischen Im perialismus und seinen Anhang um die Wiedervereinigung, ihres Vaterlandes.
Stehend applaudierten die Kongreßteil nehmer dem Abgesandten des tapferen vietnamesischen Volkes.
In einem Telegramm an den in West deutschland eingekerkerten Schriftsteller Richard Scheringer, dessen Buch, „Das große Los" bei Rowohlt in Hamburg und in DDR-Lizenz auch im Aufbau-Verlag erschien.
versicherten die Delegierten ihn ihrer Solidarität
Wie man bei uns alles beschreiben kann Aus der Rede von Helmut B a i e r Einer unserer Schriftsteller, mit dem ich befreundet bin, hörte in einer Dis kussion in der Bundesrepublik den Vor wurf, die DDR-Schriftsteller sind nicht in der Lage, die Wahrheit zu schreiben, weil sie nicht in Opposition sein dürften.
Der Schriftsteller von uns antwortete, er aus der DDR sei sehr wohl in Opposition, nämlich gegen die Gutsbesitzer
Westen, gegen die private Wirtschaft in der Bundesrepublik, gegen die amerika nische Politik, gegen Adenauer. Der Schlag war pariert Die drüben opponie ren gegen uns, und wir opponieren gegen sie. So treffend diese Antwort ist, die ganze Wahrheit ist sie nicht Ich möchte für mich sagen, für mich ist das Leben und das Schreiben in der Deutschen Demokratischen Republik viel interessanter als je drüben bei euch. Was ist die Beschreibung der Zustände auf einem Rittergut bei euch gegen die Be schreibung der Enteignung der Ritter güter bei uns?
Wie herrlich ist es, zu beschreiben die Klugheit einer Partei, die sich mit der Weisheit des Volkes verbunden hat. Und das sind unsere Arbeitsbedingungen. Und wir bedingen sie selber mit unserer Arbeit. Im Namen unseres Staates schrei ben wir für unseren Staat, auch wenn wir kämpfen, wo wir etwas rück ständig, langsam, bürokratisch, überheb lich, unwissend oder faul sehen. So ist unsere Position nicht das Gegenteil von Opposition, sondern deren Aufhebung.
Bei der Arbelt an „Frau Fllnz" gab es einen Monolog für eine Figur der jungen Genossin, der aber dann gestrichen wer den mußte, und zwar, weil er die Mei nung des Autors, aber nicht die der Figur ausdrückte. Da ich aber hier spreche und der Autor bin, kann Ich diesen Monolog benutzen. *Und Ich möchte ihn vorlesen, auch als abschließende Antwort auf die aufgeworfene Frage: Wie kann man bei uns alle:« beschreiben?
Diese Frage meistern wir mit einer Wissenschaft, schwieriger als alle Wissen schaft zuvor. Aber leichter für uns. weil dem Leben gemäß, das wir haben und das wir wollen. Man kann sagen, unsere Literatur liegt hinter dem Gipfel der Wissenschaft Aber gerade darum wird es die tiefste und weiteste Literatur, die es je in Deutschland gegeben hat. Und der Gipfel der Wissenschaft das ist der Marxismus-Leninismus, universale Be standsaufnahme der Menschengeschichte.* Freunde, das wollte Ich sagen zu unse rer Position und zu der Frage, wie man bei uns alles beschreiben kann.
28. Mai 1961 / ND / Nr. 145, Seite 5 lerbert Nachbar. Autor des Romana Die Hochzeit von Länneken", während '•es Kongresses
Toto»: ZtntralbUd
Freilich bedeutet es eine nicht un beträchtliche Schwächung der. Stellung jener, die der Kunst, also auch der Lite ratur, Erkenntnisfähigkeit zuerkennen oder sie als eine „Kraft, uns die Welt an zueignen", bezeichnen, daß der Erkemntnisgrad eines Teiles der heutigen west deutschen Literatur vergleichsweise klein ist. Der Zirkel mit dem viele westdeut sche Schriftsteller ihren Standpunkt um greifen, ist nicht sehr weit geöffnet Die soziale Fläche, die in Ihrem Werk er scheint, wirkt oft außerordentlich be schränkt.
eine Äußerung ist, gehen nicht überein.
Die
Remilitarisierung, eine scheinbar „außerliterarische" Angelegenheit, greift tief und zerstörend hinein in den Prozeß, den wir. Literatur nennen. Die Verwir rung so mancher Schriftsteller entspringt der Erkenntnis, daß die Politik, nach der die westdeutsche Entwicklung abrollt, einen neuerlichen Frontalaneriff auf die Humanität und den Humanismus dar stellt
Wer die Zuschauer, die Mitspielenden und Mitgestalter aus dem Volke bei die sen Festspielen beobachtete, wird ein gestehen müssen, daß dort etwas Neues entstanden war.
Der Beobachter wird auch Gelegenheit gehabt haben festzustel len, daß die Bewegung „Kumpel, greif zur Feder!" nicht immer auf das Schrei ben ausgehen muß.
Viele sagen: Ja, das ist für euch die neue Bibel. Für jede neue Lage hat sie ein altes Sprüchlein. Aber gerade darin unterscheiden wir uns von ihr, der Bibel, der alten bösen Greisin, die wie Im Mär,- chen dem gutgläubigen Jüngling im Nacken sitzt und Ihn wie einen Ballast in die ausgetretenen
Wege drückt. Ich möchte sagen, der Marxismus-Leninismus ist freundlich. Je besser ich ihn kenne, um so weniger belasten sie mich, die dicken Bücher, die mich anfangs in Schrecken versetzten. Anfangs unüber sehbare Leistungen menschlichen Genies wird er nach und nach zur einfachen Handfertigkeit die zu mir gehört, wie meine Hände zu mir gehören. Die Hand fertigkeit ist. für jede neue Lage das neue Gesetz zu entdecken, das überein stimmt mit dem Großen und Ganzen der Partei; mich mit ihr verbindend, mehr als das Telefon, mir ihre Beschlüsse bes ser vermittelnd, ohne die ängstliche Frage: Was sagen die oben? Mich In die Lage versetzend, überall und In jeder Situation allein Entscheidungen zu tref fen und zugleich mit der ganzen Partei:
mit der Partei, die mich das lehrt und ihre Genossen unbesiegbar macht. Wir kennen vieles, wo die Wirklichkeit kilo meterweit springt 'Wir bleiben ihr im Nacken.
Wo die
Welt kopfsteht; gut.
stehen wir köpf und stellen wir sie auf die Füße. Und die Wirklichkeit wilde.
unfaßbare, unerbittliche, wird treu wie ein Freund, von dem -wir verlangen können, was wir wollen. Mit ihr bleiben wir jung wie am ersten Tag, beweglich.
wach, wachsam, elastisch, aber gerade darum In einem eisern, unveränderlich ja dogmatisch: Es gibt nur eines, den Marxismus-Leninismus. Unveränderlich halten wir fest an der Lehre der großen Veränderungen.
English translation
=== [Page 1] ===
[Relevant passage, p. 5] Many addresses by foreign guests set the last day of the congress under the sign of international solidarity. The day before, among others, the secretary of the Chinese Writers' Union, Comrade Zhang Wang-nian, had brought the Chinese writers' greetings to the congress and presented the presidium with two Chinese scrolls with a dedication by Mao Dun. At the start of the third congress day Mrs Rukiah Kertapati took the floor to bring the congress the greetings of the Indonesian writers. Henri Deluy spoke for the group of young French writers who have joined together in the working circle 'action poetique'. The French guest reported on the difficulties placed in the way of progressive authors in his country. He stressed that they stand in opposition, but not for opposition's sake, but to change the world for the better. Greetings from the Polish writers were brought by the president of their union, Jaroslaw Iwaszkiewicz.